Kroglitzwegbrücke in Schirum  Abriss könnte schnell vorgenommen werden

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 21.02.2023 07:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Komplett gesperrt ist die Kroglitzwegbrücke seit Oktober 2021. Foto: Romuald Banik
Komplett gesperrt ist die Kroglitzwegbrücke seit Oktober 2021. Foto: Romuald Banik
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Seit Jahren ist klar, dass die Kroglitzwegbrücke in Schirum marode ist. Nun scheinen die Tage des Bauwerks gezählt zu sein.

Aurich - Die Tage der Kroglitzwegbrücke sind nun offenbar gezählt. In einer Beschlussvorlage empfiehlt die Auricher Stadtverwaltung der Politik den Abriss des Bauwerks aus den 1950er-Jahren. Der Rückbau könnte schnell erfolgen, obwohl es für dieses Jahr noch keinen Haushalt gibt. Denn im Produkt „Bau, Betrieb und Unterhaltung von Verkehrsflächen“ gibt es noch sogenannte Haushaltsreste aus dem vorigen Jahr. Über 430.000 Euro konnten nicht ausgegeben werden. Der Abriss wird mit lediglich 50.000 Euro veranschlagt – die Kosten wären also auf jeden Fall gedeckt.

Seit 2008 ist klar, dass die Brücke nicht langfristig erhalten werden kann. Schon damals wurde entschieden, statt eines Neubaus der Brücke für bis zu 800.000 Euro lieber eine Straße nördlich des Ems-Jade-Kanals zu bauen, damit die Anwohner auf die benachbarten Brücken ausweichen können. Selbst ein Neubau als Brücke nur für Fußgänger und Radfahrer würde rund 480.000 Euro kosten. Eine Sanierung der bestehenden Brücke würde laut Verwaltung 550.000 Euro kosten und die Restlebensdauer lediglich um zehn Jahre verlängern. Die neue Straße gibt es seit fünf Jahren.

Zu niedrig für Bootjefahrer

Rund 70 Jahre führt die Brücke nun in Schirum über den Ems-Jade-Kanal. Damit hat sie laut Verwaltung auch die in den 1950er-Jahren prognostizierte Lebensdauer erreicht, nach der ein wirtschaftlicher Betrieb nicht mehr möglich sei. Hinzu kommen die Vorgaben des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Demnach muss die Durchfahrtshöhe für Boote mindestens vier Meter betragen. Je nach Wasserstand lässt die vor Jahren abgesackte Brücke aber nur eine Durchfahrtshöhe von bis zu 3,79 Meter zu. Zu wenig zum Beispiel für die MS „Stadt Aurich“, die deswegen nicht mehr in Richtung Wilhelmshaven fahren kann.

Nüchterne Aussagen von Gutachtern und Behörden, die Astrid Lübben als Anwohnerin und langjährige Nutzerin der Kroglitzbrücke nur schwer akzeptieren kann. Sie wohnt am Kroglitzweg in einem der drei Häuser an der Brücke und hat ihre Situation bereits im Dezember im Bauausschuss der Stadt deutlich gemacht. Seit der Sperrung der Überquerung habe die Lebensqualität für die Anwohner drastisch abgenommen. Denn von der einen Seite dränge das Gewerbegebiet Schirum immer näher an die Häuser. Ein Entrinnen vor dem Lärm und Schmutz der Industrie aber sei wegen der gesperrten Brücke nicht mehr möglich. Einfach mal einen Spaziergang im Grünen auf der Nordseite des Kanals unternehmen, um etwas Ruhe zu finden, sei ihr nun verwehrt, sagte Astrid Lübben damals im Ausschuss.

Neue Ziele für Touristiker

Insbesondere in Zeiten äußerst knapper Kassen bei der Stadt Aurich ist es aber unwahrscheinlich, dass die Politik sich für einen Brückenneubau in Schirum entscheiden wird. Viel wahrscheinlicher ist es, dass schon demnächst die Bagger anrollen, um die Brücke endgültig zu entfernen. Für Astrid Lübben wäre das äußerst bedauerlich. Immerhin gäbe es dann vielleicht für die Auricher Touristiker und Bootjefahrer neue Ausflugsziele auf dem Ems-Jade-Kanal.

Die Sitzung des Verkehrsausschusses, in der erneut über die Brücke beraten wird, beginnt am Dienstag, 28. Februar, um 17 Uhr im Energie-Erlebnis-Zentrum in Sandhorst.

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