Hamburg  „Das verwunschene Kind“: So findet ein Harry-Potter-Fan das neue Theaterstück

Laura-Cäcilia Wolfert
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Von Laura-Cäcilia Wolfert
| 20.02.2023 16:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Theaterstück „Harry Potter und das verwunschene Kind“ in Hamburg Foto: picture alliance/dpa/Morris Mac Matzen
Theaterstück „Harry Potter und das verwunschene Kind“ in Hamburg Foto: picture alliance/dpa/Morris Mac Matzen
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Unsere Autorin ist ein Muggel, aber im Herzen eine Magierin. Sie hat sich die neue, verkürzte Version des Theaterstücks „Harry Potter – Das verwunschene Kind“ angesehen. Was ihr gefehlt hat, war der ganz besondere Zauberfunke.

Mein Arbeitskollege meinte, ich solle aus Sicht eines Harry-Potter-Fans die Premiere zu „Das verwunschene Kind“ kommentieren. Meine Erwartungen: Die Klinke der Theater-Eingangstüre sollte wirken wie ein Portschlüssel – mich aus der Welt der Muggel in die Welt der Zauberer manövrieren. Das hat leider nicht ganz geklappt. Ich bin ein Hufflepuff, treu und gerecht. Deswegen folgt hier eine ehrliche Kritik.

Dieses Instagram-Video gibt einen Blick hinter die Kulissen:

„Das verwunschene Kind“ spielt 19 Jahre nach der Vorgeschichte und dreht sich um Harry Potters Sohn Albus Severus, seinen Freund Scorpius Malfoy und Zeitreisen. Seit dem 19. Februar wird das Stück in einer kompakten, neuen Inszenierung aufgeführt. Das ist gut, weil: Es gibt nur noch einen Teil anstelle von zwei – mit dreieinhalb Stunden Dauer, keinen fünf. Das ist für den platt-sitzenden Po angenehmer, genauso für den Geldbeutel. Die Tickets sind ab 59,90 Euro erhältlich. Bei Gringotts Wechselstube bekommen Sie dafür knapp zehn Galleone, 13 Sickel und 27 Knut.

Hervorheben möchte ich Glenna Weber, die Schauspielerin der maulenden Myrte. Sie wirkt, als habe man sie aus dem Film, aus dem Mädchenklo in Hogwarts, direkt auf die Bühne nach Hamburg geschleust. So echt, so Myrte, so gut! 

Was ebenfalls beeindruckt, sind die fliegenden Dementoren, Menschen-verschlingenden Bücherregale und wandelnden Treppen. Harry-Potter-Nerds (und Fans von Cold Mirror) wissen, dass Cyrille Nomberg beim ersten Teil der Filmreihe „Stein der Weisen“ für das Storyboard und Konzept verantwortlich war. Wenn Sie nur eins über Cyrille wissen müssen: Seine Arbeit ist großartig. Das Bühnenbild des Harry Potters Theaters ist so schön, es könnte von Cyrille konzipiert worden sein. Ist es aber nicht, hinter dem Bühnenbild steckt die Kreativität von Christine Jones – Christine ist somit meine neuer Cyrille.

Wenn Sie im vergangenen Absatz nur Hokuspokus verstanden haben, hier mein Kompliment, verständlich formuliert: Das Beste am Theaterstück ist das Bühnenbild, es ist fantastisch!

Sie wissen nicht, wer Cyrille ist? Dann schauen Sie sich diese Podcastfolge von Cold Mirror an:

Nun die Kritik: Wie Sie merken, bin ich ein Harry-Potter-Ultra. Die Bücher und Filme haben mich geprägt. So sehr, dass ich mich in den größten Harry-Potter-Fan aller Zeiten, meinen Freund, einen Slytherin, verliebt habe. Das Theater hat mich aber nicht so verzaubert wie er, auch nicht wie die (Hör)-Bücher, oder die Filme. 

Warum? Das Theaterstück ist nach wie vor sehr teuer. Ein Harry Potter kann sich das leisten, aber keine Weasley-Familie. 59 Euro sind okay, allerdings bekommt man für diesen Preis nur die schlechtesten Plätze. Ich saß bei der Premiere in der 14. Reihe, Parkett rechts. Am 25. Februar kostet der Platz, sogar eine Reihe weiter hinten, 199 Euro. Ich bin kein Kobold (ich bin nicht geizig), aber ich würde niemals so viel Geld für das Theaterstück ausgeben. Pressebändchen sei Dank musste ich das auch nicht. Sogar das Butterbier – mein neues Lieblingsgetränk – gab es umsonst. 

Wer nicht beim Tagesproheten oder einer anderen Zeitung arbeitet, muss pro Flasche neun Euro zahlen. Hinzu kommt die Garderobe mit zwei Euro und für Nicht-Hamburger die Kosten für Anreise und Hotelübernachtung. Dann lieber direkt mit dem Flugzeug zum Bahnhof King´s Cross nach London!

Das Theater konnte mich (und vielleicht auch Sie) nicht so sehr in den Bann ziehen wie die Filme oder (Hör-)Bücher. Und warum? Weil es ein Theater ist. Die Welt auf der Bühne ist gekünstelt, unnatürlich, melodramatisch. Das passt nicht zur Welt von Hogwarts. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich weiß, dass es keine Dementoren, Zauberer oder wandelnde Treppen gibt. Trotzdem wirken sie in den Büchern nahbarer, ich möchte fast schreiben „möglicher“. Sie werden auf eine andere, schöne Art erzählt.

Der Vorgeschichte gelingt der Wandel von Realität zu Fantasie viel besser: Ein Außenseiter bekommt einen Brief von einer Zauberschule, lässt alle Muggel hinter sich und freundet sich mit Magiern an. Fans wie ich fühlen sich mit Harry verbunden und folgen ihm schleichend nach Hogwarts – sie bemerken es kaum, als würden sie einschlafen. Wenn wir träumen, betreten wir eine Welt, die ganz und gar uns gehört, das hat Dumbledore gesagt. Sind die Augen einmal geschlossen, kann der Traum noch so absurd sein – er fühlt sich trotzdem echt an.

Das ist der Cast von Harry Potter – Das verwunschene Kind:

Das Theaterstück hingegen hat nichts mit den Muggeln zu tun und lässt mich somit außer Acht. Deswegen gelingt der fließende Übergang zwischen Wirklichkeit und Zaubererwelt nur bedingt. Was bei den (Hör-)Büchern und Filmen außerdem noch besser herausgearbeitet ist, ist die Liebe zum Detail.

Das Fazit: Wer eine Karte für das Theater geschenkt bekommt, kann sich freuen – so sehr wie Arthur Weasley über Muggelartefakte. Man darf aber nicht enttäuscht sein, wenn der Portschlüssel an der Eingangstür nicht so funktioniert, wie erwartet. Das liegt nicht primär an der Umsetzung, sondern vor allem an dem Stück an sich.

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