Entscheidung gefallen  Pächterin Simone Gültzow zieht Reißleine beim Café am Markt

| | 16.02.2023 14:34 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Café am Markt wird es in seiner bisherigen Form künftig nicht mehr geben. Foto: Rebecca Kresse
Das Café am Markt wird es in seiner bisherigen Form künftig nicht mehr geben. Foto: Rebecca Kresse
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Seit zwei Jahren wartet die Pächterin auf eine Antwort, ob sie einen neuen, langfristigen Vertrag für das Café auf dem Norder Marktplatz bekommt. Nun haben sich die Wirtschaftsbetriebe geäußert.

Norden - Es hat fast zwei Jahre lang gedauert – nun ist es offiziell: Pächterin Simone Gültzow wird das Café am Markt in Norden aufgeben. Sie habe am Mittwoch in einem Gespräch mit Kurdirektor Stefan Krieger die Reißleine gezogen, sagte sie in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Die Wirtschaftsbetriebe der Stadt Norden, als Eigentümer des Gebäudes, teilten am Donnerstag in einer Pressemitteilung mit: „Die Wirtschaftsbetriebe der Stadt Norden (WBN) haben ein Wertgutachten in Auftrag gegeben. Mit dem Ergebnis soll der weitere Fahrplan für das Café am Markt bestimmt werden. Bis es so weit ist, bleibt das Café geschlossen.“

Bis das Gutachten vorliegt, gehen der Aufsichtsratsvorsitzende der WBN Olaf Wiltfang und der Kurdirektor von einem voraussichtlichen Sachstand dazu aus, in welchem Umfang bauliche Maßnahmen erforderlich sind. „Eins ist klar, es soll weiter Gastronomie in dem Gebäude geben, das ist auch der ausdrückliche Wille der Politik“, erklärt der Aufsichtsratsvorsitzende Olaf Wiltfang. Nur müssen dafür auch die Weichen gestellt werden. Das weitere Vorgehen wird gemeinsam vom Aufsichtsrat der WBN und der Stadt Norden erarbeitet.

Simone Gültzow wird das Café am Markt räumen. Foto: Rebecca Kresse
Simone Gültzow wird das Café am Markt räumen. Foto: Rebecca Kresse

Räume werden neu ausgeschrieben

Klar ist aber bereits jetzt, dass die Verpachtung der Räumlichkeiten neu ausgeschrieben werden muss. Weil sich die Bedingungen verändert haben, sind die Wirtschaftsbetriebe als Teil des Konzerns Stadt Norden als öffentlicher Auftraggeber gesetzlich dazu verpflichtet, heißt es in der Mitteilung. Des Weiteren seien die Wirtschaftsbetriebe dazu verpflichtet, ein gastronomisches Angebot gemäß den Rahmenbedingungen auszuschreiben. Auch könnten die Wirtschaftsbetriebe lediglich in die bauliche Substanz investieren. „Investitionen in einen gastromischen Betrieb in einem privatwirtschaftlichem Marktumfeld sind der öffentlichen Hand aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht erlaubt“, so Wiltfang abschließend.

Simone Gültzow selbst ist tottraurig. Denn sie möchte ihr Café nicht aufgeben, sondern muss es. „Das ist ein großer Unterschied“, sagte sie. Für sie sei es eine Katastrophe, weil sie an ihrem Laden und auch an ihren Gästen hänge. Trotzdem habe sie am Mittwoch die Entscheidung getroffen, aufzuhören. Denn eine Hängepartie über weitere Monate kann sich Gültzow schlicht und ergreifend nicht leisten – zumal sie jetzt auch noch an das Finanzamt die Corona-Hilfen zurückzahlen soll. „Ich muss mich jetzt um einen Job bemühen, um mein Leben zu finanzieren“, sagte Gültzow.

Pachtdauer war das Problem

Das Problem ist weiterhin die Einigung über die Pachtdauer. Eine Investition von rund 35.000 Euro, die laut Gültzow mindestens im Lokal anstünden, könne sie nicht über vier Jahre refinanzieren. Deshalb habe sie einen Vertrag über zehn Jahre gewollt. Das wollten die Wirtschaftsbetriebe aber nicht. Eigentlich müssten angesichts des Zustandes ganz andere Summen in das Gebäude gesteckt werden, sagte sie.

Mit der Entscheidung und öffentlichen Klarstellung durch die Wirtschaftsbetriebe endet ein ziemlich unrühmliches Verfahren rund um das Café. Wie berichtet, gehört das Gebäude des Cafés den Wirtschaftsbetrieben Norden. Seit Mai 2021 geht es um die Vertragsverlängerung mit Pächterin Gültzow. Die Gespräche, zunächst noch unter dem ehemaligen Bürgermeister Heiko Schmelzle und dem ehemaligen Kurdirektor Armin Korok gingen nicht voran. Statt über den neuen Vertrag wurde dann plötzlich über das Ausräumen des Lokals mit Gültzow gesprochen. Im März 2022 habe man ihr gesagt, die Vergabe des Cafés müsse ausgeschrieben werden. Dann bekam Gültzow eine Vertragsverlängerung für weitere drei Monate bis Juli 2022. Da war das Ausschreibungsverfahren beendet. Seitdem hängt Silvia Gültzow auch rechtlich in der Luft. Sie hat weder einen Vertrag noch eine Entscheidung darüber, wie es mit dem Café am Markt weitergeht. Weil sie einfach keine Antworten bekam, nutzte sie die Einwohnerfragestunden im Stadtrat, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen.

Trotz Zusagen durch Bürgermeister Florian Eiben, sich darum zu kümmern, passierte weiterhin nichts (wir berichteten). Während Kurdirektor Stefan Krieger im Hintergrund mit der Verwaltung über das Gebäude und dessen Zukunft verhandelte, blieb Gültzow weiter im Ungewissen. In der jüngsten Ratssitzung am Dienstag setzten sich dann Besucher des Cafés für die Pächterin ein, forderten den Erhalt des Cafés mit Gültzow als Pächterin und eine zügige Entscheidung. Doch auch diesmal konnte Bürgermeister Florian Eiben nur vage bleiben, sprach von einem „wichtigen Treffpunkt“ für die Stadt. Das Problem: Nicht er, sondern Kurdirektor Stefan Krieger und die Wirtschaftsbetriebe mussten die Entscheidung zum Café am Markt verkünden. Das ist nun geschehen.

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