Wohnungsbau  Laut Norder Bürgermeister hat das Einfamilienhaus ausgedient

| | 19.02.2023 10:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das klassische Einfamilienhaus hat aus Sicht von Bürgermeister Florian Eiben ausgedient. Vierereinheiten und Reihenhäuser müssten in Zukunft in Norden gebaut werden. Foto: Rebecca Kresse
Das klassische Einfamilienhaus hat aus Sicht von Bürgermeister Florian Eiben ausgedient. Vierereinheiten und Reihenhäuser müssten in Zukunft in Norden gebaut werden. Foto: Rebecca Kresse
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Wer in Norden eine bezahlbare Wohnung sucht, hat es schwer. Zu wenig wurde in den vergangenen Jahren gebaut. Bürgermeister Florian Eiben will mehr Reihen- und Mehrfamilienhäuser.

Norden - Der Wohnungsbau in Norden steht vor nicht weniger als einer Revolution, wenn es so kommt, wie Bürgermeister Florian Eiben im Gespräch mit unserer Zeitung sagt. Zwar träume der Ostfriese an sich immer noch vom Einfamilienhaus, angesichts der steigenden Immobilienpreise werde sich das aber kaum noch einer leisten können. Deshalb sieht Eiben die Zukunft im Reihenhaus und im Mehrfamilienhaus. Der Bürgermeister geht davon aus, dass „das Einfamilienhaus zu den Ausläufern gehört“, sagte er.

Die Zahlen des Statistischen Landesamtes zum Wohnungsbau in Norden zeigen, wie wenige Wohnungen in Norden in den vergangenen Jahren tatsächlich gebaut wurden. Im Jahr 2021 sind ganze 34 Wohngebäude errichtet, davon 29 mit einer oder zwei Wohneinheiten und fünf mit drei oder mehr Wohnungen. Weniger Wohnungen wurden in den letzten zwanzig Jahren nur noch im Jahr 2018 gebaut. Da waren es 29 neue Wohngebäude, davon 16 mit einer oder zwei Wohnungen und 13 mit drei oder mehr Wohnungen. Aber auch in den anderen Jahren lagen die Zahlen neuer Wohngebäude nur zwischen 55 und 73. Das letzte Mal, dass in Norden mehr als 100 neue Wohngebäude gebaut wurden, ist schon lange her: Im Jahr 2006 waren es immerhin 132 Wohngebäude – allerdings waren davon 107 mit einer oder zwei Wohnungen, also in der Mehrzahl Einfamilienhäuser, nur sieben der Gebäude hatten drei oder mehr Wohnungen.

Es fehlen große Wohngebiete

Für Bürgermeister Eiben sprechen diese Zahlen eine deutliche Sprache: „Was auffällt ist, dass in den Zeiten, in denen wir Neubaugebiete ausgewiesen haben, die Bauzahlen kräftig nach oben gingen“, sagte er. Problem nur: Wirklich große Baugebiete wurden in Norden schon lange nicht mehr ausgewiesen. „In den vergangenen Jahren gab es meist gerade mal eine Lückenbebauung, große Wohngebiete hatten wir nicht“, so Eiben. Und, was Eiben ebenfalls in den Zahlen sieht: Die Wohngebäude mit drei und mehr Wohnungen waren meist gewerblicher Art, also Ferienwohnungen.

All das hat dazu geführt, dass der Stadt jetzt massenhaft Wohnungen fehlen. Und das ist auch der Grund dafür, dass die Verwaltung, allen voran Bürgermeister Eiben, wie berichtet, den Wohnungsbau zu einem Schwerpunktthema für das laufende Jahr gemacht haben.

Eiben setzt auf Mietwohnungsbau statt auf Eigentum

Und klar ist laut Eiben: Durch die Lückenbebauung wird das klassische Einfamilienhaus nicht mehr gebaut. „Wenn die Leute 200.000 Euro für den Abriss zahlen müssen, um das Grundstück zu kriegen, kann das keiner mehr bezahlen“, sagte er. Da müssten dann Dreier- oder Vierereinheiten hingesetzt werden. Zudem werden die Lücken meistbietend versteigert, die bekommen letztlich immer Bauunternehmen. Eiben setzt daher auf das, was laut seinen Worten in Norden „bisher eher ortsfremd“ war, nämlich Doppelhäuser und Mehrfamilienhäuser. „Wir müssen größtenteils in den Mietwohnungsbau reingehen, nicht ins Eigentum“, sagte Eiben. Das funktioniere nur mit Partnern an der Seite, die daran ein Interesse haben. „Wir werden Reihenhäuser bauen müssen und wir werden größere Baugebiete planen müssen“, sagte Eiben.

An der Gaswerkstraße in Norden werden zurzeit mehrere Mehrfamilienhäuser nebeneinander gebaut. Foto: Rebecca Kresse
An der Gaswerkstraße in Norden werden zurzeit mehrere Mehrfamilienhäuser nebeneinander gebaut. Foto: Rebecca Kresse

Schon jetzt habe die Verwaltung das geplante Baugebiet Pasewalker Straße in Martiensdorf umgeplant. Ursprünglich hatte sich der Bauausschuss der Stadt im September 2021 einstimmig für die Aufstellung eines Bebauungsplans für rund 25 Neubaugrundstücke ausgesprochen. Die Niedersächsische Landgesellschaft (NLG) will die rund 2,2 Hektar große Brachfläche zwischen Pasewalker und Dortmunder Straße erschließen und über die Hamburger Straße im Norden anbinden. Neben Ein- und Doppelhäusern sollten dort von städtischer Seite ein bis zwei geförderte Mehrparteienhäuser gebaut werden.

Planungen zu Baugebiet Pasewalker Straße überworfen

Jetzt die klare Ansage von Eiben: „Wir haben die Planungen für das Gebiet Pasewalker Straße überworfen.“ Das Gebiet sei umgeplant und an die Marktlage angepasst worden. Die Pläne sollen im April im Bauausschuss vorgestellt werden. Darüber hinaus sei die Frage, wo die Stadt große Flächen herbekomme, auf denen Baugebiete ausgewiesen werden können. Dabei sei es wichtig, keine großen Blocks mehr zu bauen. „Die funktionieren nicht“, betonte Eiben. Stattdessen müssten mehrere Vierereinheiten nebeneinandergestellt werden, auch ein paar Reihenhäuser. So passiert es gerade schon an der Gaswerkstraße. Besonders wichtig sei auch eine gute Durchmischung von Eigentumswohnungen und Mietobjekten. Die gleiche Durchmischung sei auch bei den späteren Bewohnern wichtig. Eigentümer, junge Familien, die mieten, Transfairleistungsbezieher, Flüchtlinge, Senioren aus Nordrhein-Westfahlen, die in Norden ihren Lebensabend verbringen, müssten über das gesamte Stadtgebiet gestreut sein.

Schon jetzt, davon geht Eiben aus, stammen rund die Hälfte der Einwohner ursprünglich nicht aus Ostfriesland. Und dieser Wandel in der Bewohnerstruktur wird sich auch auf künftige Wohnbebauung auswirken.

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