Hamburg  Keine Lust auf Sex? „Flirthormon“ soll Frauen und Männern helfen

Maria Lentz
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Von Maria Lentz
| 14.02.2023 15:55 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Ein neues Medikament soll die sexuelle Lust sowohl bei Frauen als auch bei Männern steigern. Foto: imago images/YAY Images
Ein neues Medikament soll die sexuelle Lust sowohl bei Frauen als auch bei Männern steigern. Foto: imago images/YAY Images
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Keine Lust auf Sex zu haben, kann belastend sein. Ein neues Mittel macht aber Hoffnung: Kisspeptin heißt das Hormon, dass sowohl Frauen als auch Männern ihr sexuelles Verlangen zurückgeben soll. Was sich im Gehirn dadurch verändert.

Dass man mal keine Lust auf Sex hat, kann vorkommen. Doch wenn die Lustlosigkeit zum Dauerzustand wird, handelt es sich oft um eine Libidostörung, auch sexuelle Dysfunktion genannt. Sie zählt zu den häufigsten sexuellen Funktionsstörungen bei Frauen, Behandlungsmethoden gibt es dennoch kaum.

Umso besser ist die Nachricht, die nun aus Großbritannien kommt: Forscher haben womöglich eine Lösung für das Problem gefunden. Das Neurohormon mit dem schön klingenden Namen Kisspeptin soll die sexuelle Lust wieder steigern – und das nicht nur bei Frauen.

Es handelt sich dabei um ein Hormon, das eine wichtige Rolle im sexuellen und emotionalen Verhalten spielt. Die britischen Forschenden untersuchten seine Wirkung in insgesamt zwei Studien: einmal mit weiblichen, einmal mit männlichen Probanden. Teil nahmen jeweils 32 Männer und Frauen, die alle unter Hypoactive Sexual Desire Disorder (HSDD), einer Form der sexuellen Dysfunktion, leiden.

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Während sich die Teilnehmenden erotische Videos anschauten, wurden ihre Hirnaktivitäten in zwei Durchgängen gemessen. In einem bekamen die Probandinnen und Probanden vorab das Kisspeptin verabreicht, im anderen nahmen sie ein Placebo ein. Bei den Männern wurde zusätzlich das Augenmerk auf die Schwellung des Penis bei der Erektion gerichtet.

Die Ergebnisse, die die Forschenden in der medizinischen Fachzeitschrift „Jama Network Open“ veröffentlichten, sind vielversprechend: Frauen fühlten sich nach Einnahme des Hormons nach eigenen Angaben sexyer, Männer freuten sich stärker über Sex. Außerdem konnte bei den männlichen Probanden „eine signifikante Zunahme der Penisschwellung“ beobachtet werden – von bis zu 56 Prozent.

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Was die Hirnaktivitäten betrifft, so zeigen die Messungen, dass Kisspeptin offenbar die Aktivität der Regionen schwächt, bei denen von einem Zusammenhang mit HSDD ausgegangen wird. Zeitgleich werden andere Hirnregionen angeregt, die für sexuelle Erregung und Anziehung verantwortlich sind.

Auch erfreulich: Kisspeptin wurde laut den Probandinnen und Probanden gut vertragen und hatte keine unerwünschten Wirkungen. Beachtet werden muss jedoch, dass es sich mit insgesamt 64 Studienteilnehmenden lediglich um eine kleinere Untersuchung handelt.

Dennoch sind die Forschenden der Meinung, dass Kisspeptin das Potenzial hat, in der Behandlung von Frauen und Männern mit Libidostörung Anwendung zu finden. Es wäre damit das erste Mittel, dass ohne Risiken das Leiden der sexuellen Unlust lindern könnte.

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