Riesenkessel für neues Wasserwerk Schwergewichte am Haken in Siegelsum
Der Neubau des Wasserwerks in Siegelsum nimmt Form an. Am Montag wurde erste besondere Technik geliefert und eingebaut.
Siegelsum - Es war eines jener Ereignisse, die irgendwann rückblickend als Meilenstein in der Baugeschichte des neuen Wasserwerks in Siegelsum bezeichnet werden: Auf der Baustelle am Diekweg wurden am Montag die ersten Kessel der Filteranlage eingebaut. Ein Autokran hievte die jeweils 20 Tonnen schweren Stahlbehälter in den Rohbau. Ein späterer Einbau wäre technisch nicht möglich.
Wie Matthias Wittschieben, Pressereferent des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbands (OOWV), sagte, hatten die Filterkessel die Baustelle in Siegelsum in der Nacht zu Sonntag erreicht. Die in der Nähe von Frankfurt/Main hergestellten Behälter wurde zu per Schiff nach Emden und von dort aus auf Tiefladern ins Brookmerland transportiert. Dafür musste unter anderem die Oberleitung der Bahnstrecke angehoben und geerdet werden.
Fünf Meter im Durchmesser
Wie Wasserwerksleiter Horst Krebs erklärte, gehören die fünf Meter im Durchmesser messenden und 8,20 Meter hohen Filterkessel zur zweiten Reinigungsstufe in dem neuen Wasserwerk. Sie werden dafür sorgen, dass Mangan aus dem Rohwasser entfernt wird. Für die erste Filterstufe, in der dem Wasser das Eisen entzogen wird, werden in den kommenden Tagen drei weitere, aber kleinere Kessel in Siegelsum erwartet.
Vor der Inbetriebnahme werden die Behälter mit Filterkies befüllt, an dem sich das im geförderten Wasser gelöste Mangan anlagert. Rund 80 Tonnen passen in jeden der großen Filterkessel, sagte OOWV-Projektingenieur Ingo Schuster.
Verspätete Lieferung
Die Filterkessel kamen mit Verspätung. Ihre Anlieferung hatte sich um rund sechs Monate verzögert. Grund war die sommerliche Dürre. Das durch sie verursachte Niedrigwasser des Rheins verhinderte die Verschiffung der eisernen Kolosse. Als der Wasserstand dann wieder die benötigte Höhe hatte, waren aufgrund der Energiekrise keine Transportschiffe zu bekommen. Diese wurden für den priorisierten Kohletransport benötigt. Laut Schuster hat die späte Lieferung bisher noch keine Auswirkungen auf den Bauzeitenplan. Die Planer hätten andere Arbeiten vorgezogen und bereits im Vorfeld einen erfahrungsgeleiteten Puffer eingebaut, hieß es. Jetzt, da die Filterkessel im Gebäude sind, könne das Dach geschlossen werden. Anschließend beginnen die Klinkerarbeiten. Voraussichtlich im Herbst werde das Außengerüst abgebaut. Im Frühjahr beginnt mit Maler- und Fliesenarbeiten der Innenausbau des Wasserwerks. Auch soll ab dann die Verfahrenstechnik wie Gebläse, Pumpen und Luftfilteranlagen montiert werden. Die Verlegung der neuen Trinkwasserleitungen ist ab Herbst 2023 vorgesehen.
Anfang 2025 soll das neue Wasserwerk nach Angaben von Schuster den Betrieb aufnehmen – allerdings zunächst für ein halbes Jahr auf Probe und im Parallelbetrieb zum alten Wasserwerk aus dem Jahr 1958. In dieser Zeit wird das System auf Herz und Nieren geprüft. Läuft dabei alles nach Plan, geht das neue, rund 18 Millionen Euro teure Werk anschließend ans Netz.
Begonnen hatte das Bauprojekt im März 2021. Der offizielle Spatenstich folgte am 13. Juli 2021. Die Filtertechnologie des neuen Werks gilt als hochmodern und zum Teil einmalig in Deutschland. „Die haben wir uns in Holland abgeguckt“, sagte Schuster. Mit der neuen Filteranlage lassen sich bis zu 500 Kubikmeter Trinkwasser pro Stunde aufbereiten.