Dorf Mecklenburg Sollten Kinder sehen, wie ein Tier geschlachtet wird?
Bei einem Schlachtfest in Mecklenburg-Vorpommern wird vor den Besuchern ein Schwein geschlachtet und ausgenommen. Auch Kinder sehen dabei zu. Zwei Experten erklären, warum sie das für wichtig halten.
Es ist Schlachtefest im Kreisagrarmuseum in Dorf Mecklenburg. Schlachtermeister Jörg Dargel hievt mit seinen Gehilfen das tote Schwein in einen Holztrog. Die Muskeln sind gespannt, Schweiß steht den drei Männern auf der Stirn – immerhin wiegt das Tier rund 130 Kilogramm. Dann setzen die Männer Metallkegel an, um die Borsten zu entfernen. Das Blut aus einem Schnitt in der Brust färbt das Wasser rot. Der Schlachter steht bei jeder Bewegung unter Beobachtung. Auf dem Gelände des Kreisagrarmuseums zeigt Dargel, wie eine traditionelle Hausschlachtung abläuft. Dabei fließen auch ein paar Tränen.
Ganz vorne in der ersten Reihe beobachtet der vierjährige Johann die Schlachtung: „Tut dem Schwein das noch weh? Warum ist da Blut? Warum machen die das?“ Die Fragen, die Vater Paul Schmidt alle beantworten muss, nehmen kein Ende. Kein Wunder, es ist das erste Mal, dass Johann eine Schlachtung sieht. Bei jeder Antwort nickt er bedächtig. „Schade, dass das Schwein tot ist. Aber Schnitzel esse ich auch gerne“, zieht der Vierjährige am Ende sein Fazit.
Einen anderen Jungen nimmt die Schlachtung mehr mit. Tränen laufen ihm beide Wangen runter. Er dreht sich weg und vergräbt den Kopf in den Armen seiner Mutter.
„Wir hatten schon einige Kinder, die das Ausnehmen des Tieres am Ende nicht abkönnen“, berichtet Jörg Dargel. Dennoch findet er es wichtig, das Hausschlachten einmal im Jahr beim Schlachtefest zu zeigen. „Es gehört dazu, wenn man Fleisch und Wurstwaren isst“, findet der Schlachter.
In spielerischer und unterhaltender Weise kommentiert er für die rund 700 Besucher die einzelnen Schritte des Schlachtvorgangs, in diesem Jahr zusammen mit Radio-Moderator Leif Tennemann.
„Es ist unser Job, dass wir uns mit alten Techniken beschäftigen. Deswegen wollen wir das Schlachten genauso zeigen wie das Schmieden oder das Korbflechten“, sagt Museumsleiter Björn Berg. Ihm ist es wichtig, gerade den Jüngeren zu zeigen, wo das Fleisch herkommt und dass ein Tier dafür das Leben lässt.
„Noch vor wenigen Jahrzehnten waren Hausschlachtungen auf dem Dorf gang und gäbe, weil nicht nur die größeren landwirtschaftlichen Betriebe Schlachtvieh hatten. Viele Privatpersonen hielten Schweine im Hinterhof“, berichtet Björn Berg. Der Hausschlachter kam zu dem Tierhalter auf dem Hof, tötete das Tier, zerteilte es und verarbeitete die Fleischteile fachmännisch mit seinen Rezepten zu haltbaren Produkten, wie etwa Wurst oder Dosenfleisch.
„Meistens waren am Schlachttag alle Mitglieder des Haushaltes mit dabei. Nach Möglichkeit sollten alle Teile des Tieres genutzt werden“, erzählt Schlachter Jörg Dargel, der schon als Junge seinem Vater bei Hausschlachtungen zur Hand ging. Dabei wurde alles vom Schwein verwertet. Auch die nicht-essbaren Teile wie die Borsten wurden für Pinsel verwendet oder gemahlen als Dünger genutzt. Jörg Dargel: „Die meisten Schlachtungen fanden im Winter statt. Und eine Familie hat bis in den Herbst hinein von dem Tier gegessen.“