Genuss-Messe in Auricher Arena Insekten-Snacks waren Geschmackssache
Bei der Eröffnung der Veranstaltung am Sonnabendvormittag probierten Landrat, Bürgermeister und Bundestagsabgeordneter auch exotische Produkte. Die Urteile fielen unterschiedlich aus.
Aurich - „Wat de Buer nich kennt, dat frett he nich…“ Ob diese alte Volksweisheit auch heute noch Gültigkeit hat, sollte die Genussmesse in Aurich zeigen. Dort wurden erstmals, neben den üblichen und beliebten Leckereien, geröstete Grillen aus heimischer Produktion angeboten. Doch haben die Exoten den Geschmack der Besucher getroffen? Die Reaktionen waren zumindest verhalten.
Nach einer erfolgreichen Premiere im Oktober 2021 eröffnete Landrat Olaf Meinen als Schirmherr der Veranstaltung am Sonnabendvormittag die zweite Genussmesse in Aurich. 68 Austeller aus den Themenbereichen Kulinarik, Ästhetik und Wellness waren in der Auricher Sparkassen-Arena angetreten, um mit ihren Produkten und Dienstleistungen alle menschlichen Sinne der Besucher zu erreichen. Damit war die Ausstellungsfläche von rund 2.000 Qudratmetern auch in diesem Jahr wieder gut belegt und das Angebot vielfältig. Die interessierten Besucher wurden in eine Genuss-Welt entführt, in der sie Produkte verkosten, ausprobieren und letztendlich auch erwerben konnten.
Landrat und Bürgermeister: „Aurich bleibt Messestadt“
„Genuss entsteht durch positive Sinnesempfindung und erzeugt körperliches und geistiges Wohlbehagen“ sagte Landrat Meinen bei der Eröffnung. Aurich bleibe eine Messestadt, betonte er zusammen mit Bürgermeister Horst Feddermann. Dass die Weser-Ems-Ausstellung in diesem Jahr nicht stattfinde, sei nicht weiter tragisch, da mit Veranstaltungen wie der Genussmesse oder dem „Wohnforum“ das Publikum gezielter angesprochen werde. „Wir freuen uns sehr über fast 70 Aussteller, die den Menschen nach drei schweren Jahren das persönliche Wohlbefinden zurückbringen“, so Meinen.
Die Bedeutung der Genussmesse könne man ablesen an der Vielzahl von anwesenden Persönlichkeiten, wie dem Bundestagsabgeordneten und Parlamentarischem Staatssekretär Johann Saathoff mit Frau Sonja (Pewsum), dem Landschaftspräsidenten Rico Mecklenburg (Emden) und der Landtagsabgeordneten Saskia Buschmann (Aurich), meinte Bürgermeister Feddermann.
Mehr als 40 Aussteller erstmals vertreten
Auch wenn die Zahl der Aussteller gegenüber der ersten Messe vor etwa 16 Monaten nur leicht angestiegen sei, habe sich das Angebot deutlich verändert, sagte Veranstalterin Karin Thies im ON-Gespräch. Mehr als 40 Anbieter seien in diesem Jahr erstmals bei der Messe vertreten.
Dazu gehörte die Firma Entosus aus Bremen. Sie präsentierte nach den erst kürzlich bekannt gewordenen Genehmigungen einen Snack, an den sich insbesondere die ostfriesischen Besucher zunächst gewöhnen müssen: in eigenen Farmen gezüchtete, geröstete Grillen. Und zwar in verschiedenen Geschmacksrichtungen: Pur, gesalzen, mit Chili oder Knoblauch.
Doch beim Gedanken, zum Fernsehabend künftig statt Pistazien oder Chips Grillen zu knabbern, lief es dem ein oder anderen Besucher offenbar eher kalt den Rücken runter. „Hör bloß auf mit diesem Schweinkram. Müssen wir denn wirklich alles essen, was auf diesem Planeten kreucht und fleucht“, fragte sich eine Dame aus der Region, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen wollte. Völlig aus der Fassung geriet sie beim Anblick einer Dose „Mäusegulasch aus garantiert artgerechter Haltung“ am Nachbarstand. Da half auch die Erklärung nicht mehr, dass es sich um die bekannte Süßigkeit „Mäusespeck“ handele.
Insekten-Snacks: Von „schmackhaft“ bis „braucht man nicht“
Durchaus positiv beurteilten andere Besucher den Geschmack und die Konsistenz der Heimchen. Hannelore Gerdes aus Aurich beschrieb die Kostprobe als knusprig, knackig mit leichtem Nussgeschmack und fand auch an der mit Insekten hergestellten Leberwurst Gefallen. Auch bei den Ehrengästen waren nach der Kostprobe der Grillen Kommentare von „sehr schmackhaft“ bis „braucht man eher nicht“ zu hören.
Dagegen bewegt sich der Fleischverbrauch weiter auf hohem Niveau. Und obwohl in der öffentlichen Diskussion verstärkt auf die Gefahren von übermäßigem Verzehr von Grillgut gewarnt wird, setzt sich der Boom bei den Outdoor-Küchen unverändert fort. Glaubt man einschlägigen Gruppen im Intetnet, dann stehen die Deutschen selbst im Winter mehr vor ihren Holzkohle- oder Gasgrills, Smokern oder ähnlichem Gerät als in der heimischen Küche. Diesen Trend bestätigt Daniel Göhler von der Firma Eatventure aus Werlte/Emsland, die ebenfalls erstmalig bei der Genussmesse vertreten war.
Beim Fleisch-Grillen geht Trend zu hochwertiger Qualität
Der Unterschied zu den früheren Grillern bestehe jedoch im Qualitätsbewusstsein der heutigen Outdoor-Köche. Dabei spielen nicht nur hochwertige Geräte, sondern ebensolche Produkte aus regionaler Tierhaltung eine wesentliche Rolle. Fleisch müsse als Luxusprodukt verstanden werden, dass einen entsprechenden Preis habe. Dadurch werde sich die Verzehrmenge automatisch reduzieren. Mit dieser Philosophie habe das 2017 gegründete Unternehmen den Online-Markt für schockgefrostetes Qualitätsfleisch erobert.
Da Genuss aber nicht nur über den Gaumen vermittelt wird, gehörten auch edle Düfte, körperliches Wohlbefinden durch Tanz und Musik, Stressabbau über Wellness, Massagen und Kosmetikanwendungen genauso wie Literatur, Kunst und Kreativität, Ideen für ein harmonisches Wohnambiente oder Floristik zum Angebot der Auricher Genussmesse 2023.
Veranstalterin Karin Thies sprach am Sonntagnachmittag auf ON-Anfrage von einer „super Resonanz“. Die Halle sei immer voll gewesen. Die Besucherzahl schätzte sie auf 5000 bis 6000. Sie gehe fest davon aus, dass es die Genussmesse auch 2024 wieder in Aurich geben werde.