Hamburg Bei der Bundeswehr ist jede sechste Stelle unbesetzt
Während die Debatte um eine Wiedereinführung der Wehrpflicht in vollem Gange ist, belegen Zahlen den aktuellen Personalmangel bei der Bundeswehr. 27. 000 Dienstposten blieben 2022 unbesetzt. Es ist zugleich der beste Personalstand seit Jahren.
Der Personalmangel bei der Bundeswehr hält weiter an. Knapp 27.000 der mehr als 164.000 Dienstposten blieben 2022 unbesetzt. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung an die AfD hervor, die unserer Redaktion vorliegt.
Offene Stellen gibt es vor allem im Bereich der Mannschaften. Dort fehlen so viele Soldaten wie seit Jahren nicht mehr. Doch auch an Offizieren und Unteroffizieren mangelt es weiterhin.
Umso erstaunlicher: Mit einer Quote von 16,3 Prozent an unbesetzten Stellen steht die Bundeswehr gleichzeitig so gut dar, wie seit dem Aussetzen der Wehrpflicht noch nie. 2012 etwa war sogar noch jeder dritte Posten unbesetzt.
Damals war der gesamte Bundeswehr-Apparat allerdings auch gut 50.000 Stellen größer. Jahrelang ging die Anzahl der Dienstposten zurück, erst seit 2017 kehrt sich dieser Trend wieder langsam um.
Für Rüdiger Lucassen, verteidigungspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion, lassen die Zahlen dennoch nur einen Schluss zu: Die Bundeswehr braucht eine Reaktivierung der Wehrpflicht. Er erkenne einen „desaströsen Trend“ im Personalwesen der Bundeswehr, teilte er unserer Redaktion mit. Denn die Truppe werde auch immer älter, die wenigen freiwilligen Wehrdienstler brechen durchschnittlich zu früh ab, wie auch die Zahlen der Bundesregierung belegen.
Deutschlands Sicherheit hänge von einsatzbereiten Streitkräften ab, heißt es von der AfD weiter. Lucassen kündigte an, einen neuen Antrag auf Reaktivierung der Wehrpflicht einbringen zu wollen.
Mit seiner Forderung steht er nicht allein da. Erst diese Woche hatte die Wehrbeauftragte Eva Högl (SPD) die Debatte neu angestoßen, zuvor hatte sich auch Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) offen gezeigt.
Dass die Debatte überhaupt auf fruchtbaren Boden trifft, könnte auch daran liegen, dass die Bundeswehr personell das selbst gesteckte Ziel nicht zu erreichen scheint.
203.000 Soldaten bis 2025 gab einst Ursula von der Leyen (CDU) als Personalziel vor. Mittlerweile soll das zumindest bis 2031 geschafft werden. Doch entgegen den Plänen schrumpfte die Bundeswehr 2022 sogar minimal von 183.700 auf 183.100 Soldaten.