Tafel in Wiegboldsbur  Für jeden etwas dabei – aber nicht immer reicht es

Franziska Otto
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Von Franziska Otto
| 08.02.2023 17:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Chris Meyer steht in der Gemüseabteilung der Tafel in Wiegboldsbur. Seit 15 Jahren ist er der Leiter der Ausgabestelle. Foto: Franziska Otto
Chris Meyer steht in der Gemüseabteilung der Tafel in Wiegboldsbur. Seit 15 Jahren ist er der Leiter der Ausgabestelle. Foto: Franziska Otto
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Für jedes Problem finden die Ehrenamtlichen bei der Tafel in Wiegboldsbur eine Lösung. Im Vordergrund steht, dass jeder Kunde am Ende des Einkaufs eine volle Tasche hat.

Wiegboldsbur - Mit einem Lächeln wird jeder in der Ausgabestelle der Tafel in Wiegboldsbur begrüßt. Vor der Öffnung für die Kunden herrscht dort am Mittwoch bereits viel Betrieb.

Früher als sonst muss alles für die Kunden bereit sein. Weil inzwischen immer mehr kommen, wurde die Öffnungszeit von 14 Uhr auf 13.30 Uhr vorverlegt. Fahrer haben am Montag-, Dienstag- und Mittwochmorgen von Supermärkten Spenden abgeholt. Die Vormittagsschicht der Ehrenamtlichen sortierte sie dann am Mittwoch. Waren, die nicht mehr gut sind, sollen natürlich nicht auf dem Verkaufstisch landen. Am Nachmittag drapieren die Ehrenamtlichen die Waren auf, sodass für die Kunden alles bereit ist.

Seit 15 Jahren dabei

100 Familien haben einen Tafelausweis für die Ausgabestelle in Wiegboldsbur. Gut 72 kommen auch regelmäßig zu den Ausgabetagen, sagt der Leiter der Ausgabestelle, Chris Meyer. Er selbst ist von Anfang an Teil der Tafel – zuerst in Aurich und nun seit inzwischen 15 Jahren in Südbrookmerland.

Neben Südbrookmerlandern versorgt die Ausgabestelle auch Ihlower. Für manche Gemeindegebiete ist der Weg nach Südbrookmerland kürzer als bis nach Aurich. Seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine gehören auch immer mehr Geflüchtete zu den Kunden. Sie machen fast den gesamten Zuwachs der Tafelkunden aus – im vergangenen Jahr lag ihre Zahl noch bei 65 Familien. 40 Prozent der Tafelkunden sind Ukrainer, sagt Chris Meyer. Es kommen nicht unbedingt mehr Einheimische. Aber Stammkunden kommen inzwischen häufiger.

Vor dem Einkauf müssen die Kunden der Tafel bezahlen. Dank einer Spende stehen auch Einkaufswagen zur Verfügung. Foto: Franziska Otto
Vor dem Einkauf müssen die Kunden der Tafel bezahlen. Dank einer Spende stehen auch Einkaufswagen zur Verfügung. Foto: Franziska Otto

Ukrainerin dolmetscht für Kunden

Die ersten Kunden am Mittwoch sind zwei Ukrainerinnen. Eine von ihnen ist Tetiana Myronenko. Sie spricht fließend Deutsch und hilft ihrer Begleiterin und anderen Ukrainern beim Einkauf, indem sie übersetzt. In der Ukraine studierte sie Germanistik und arbeitete als Deutschlehrerin. Seit Juli ist sie nun schon in Deutschland. „Die Tafel ist für uns so wichtig“, sagt sie.

Am Eingang der Ausgabestelle wird bezahlt. Die Familien bezahlen pro Erwachsenen 1,5 Euro und pro Kind 1 Euro, insgesamt aber nicht mehr als fünf Euro. Der Preis ist wichtig, sagt Chris Meyer. Die Menschen sind Kunden, betont er. Sie bezahlen für die Ware, bekommen sie nicht geschenkt.

Für jedes Problem eine Lösung

Trotz des Preises ist bei manchen die Scham groß. Aber die Ehrenamtlichen der Tafel lassen dann nicht locker – sie finden für alles eine Lösung. Deswegen arbeiten inzwischen manche Kunden selbst ehrenamtlich bei der Tafel.

Dass die Ausgabestelle nicht alles wie ein Supermarkt bieten kann, ist klar. Derzeit haben die Kunden Glück. Vor Kurzem gab es im Kühlraum eines hiesigen Supermarktes ein Problem. Die Ausgabestelle bekam deswegen drei Lieferwagen voll mit Frischwaren. Sie wären sonst verdorben. Dank eines Kühlraums in der Ausgabestelle haben die Tafelkunden auch noch länger was davon.

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Tafel in Wiegboldsbur räumen vor dem Verkauf die Waren auf die Tische. Foto: Franziska Otto
Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Tafel in Wiegboldsbur räumen vor dem Verkauf die Waren auf die Tische. Foto: Franziska Otto

Nicht immer ist alles da

Nicht alles ist immer vorrätig. Am Mittwoch fehlte zum Beispiel Milch. An anderen Tagen ist mehr Milch da, als gekauft wird. So etwas könne man nicht beeinflussen, man müsse sich arrangieren. Teilweise müsse man auch darauf achten, dass die Waren reichen. „Jeder soll eine volle Tasche bekommen“, sagt Chris Meyer.

Immer wieder wird für die Ausgabestelle in Wiegboldsbur gespendet. Die Schecks haben die Mitarbeiter an eine Tür geklebt. Die Ehrenamtlichen sparen das Geld. Davon sollen Lebensmittel gekauft werden – eine Praxis, die für Tafeln unüblich ist. „Aber anders geht es nicht mehr“, sagt Chris Meyer. Sonst würden manche Tafelkunden leer ausgehen.

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