Hannover Wann fallen die letzten Corona-Maskenpflichten, Herr Dr. Philippi?
Niedersachsens neuer Sozial- und Gesundheitsminister Dr. Andreas Philippi spricht im Interview über einen überraschenden Anruf des Ministerpräsidenten Stephan Weil (beide SPD), darüber, dass er als Minister jetzt nicht mehr operieren darf und über den Wegfall der letzten Masken- und Testpflichten.
Niedersachsen würde ein vorzeitiges Auslaufen der letzten Corona-Regeln in Arztpraxen, Kliniken sowie Alten- und Pflegeheimen begrüßen. „Ich persönlich könnte mir gut vorstellen, Anfang März sowohl die Masken- als auch die Testpflicht im Gesundheits- und Pflegebereich bundesweit aufzuheben“, sagt Gesundheitsminister Andreas Philippi im Interview mit unserer Redaktion.
Die Vorgaben sind vom Bund über das Infektionsschutzgesetz geregelt und gelten nach jetzigem Stand noch bis zum 7. April. „Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach wird sich die Datenbasis noch einmal genau anschauen und ich bin eigentlich ganz zuversichtlich, dass die wenigen verbliebenen Maskenpflichten noch vor dem 7. April fallen“, erklärt Philippi.
Wichtig sei, dass Bund und Länder einen gemeinsamen Weg einschlagen. „Es kommt nicht darauf an, ob die Vorgaben nun drei oder vier Wochen früher fallen, sondern viel wichtiger ist, dass wir an dieser Stelle ein gemeinsames politisches Zeichen setzen“, sagt der Minister.
Frage: Herr Gesundheitsminister Philippi, in welchen Situationen tragen Sie eigentlich noch eine Maske zum Schutz vor Corona?
Antwort: Im Alltag eigentlich nicht mehr, sondern dort, wo es noch vorgeschrieben ist: Also in Arztpraxen, beim Physiotherapeuten, im Krankenhaus oder in Alten- und Pflegeheimen.
Frage: Die von Ihnen genannten Bereiche sind vom Bund im Infektionsschutzgesetz so geregelt. Im Gesundheits- und Pflegebereich muss nach jetzigem Stand demnach noch bis zum 7. April eine FFP2-Maske getragen werden. Würden Sie einen vorzeitigen Ausstieg mittragen?
Antwort: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach wird sich die Datenbasis noch einmal genau anschauen und ich bin eigentlich ganz zuversichtlich, dass die wenigen verbliebenen Maskenpflichten noch vor dem 7. April fallen. Wichtig ist, dass Bund und Länder hier einen gemeinsamen Weg einschlagen. Es kommt nicht darauf an, ob die Vorgaben nun drei oder vier Wochen früher fallen, sondern viel wichtiger ist, dass wir an dieser Stelle ein gemeinsames politisches Zeichen setzen. Ich persönlich könnte mir gut vorstellen, Anfang März sowohl die Masken- als auch die Testpflicht im Gesundheits- und Pflegebereich bundesweit aufzuheben.
Frage: Eine Frage an Sie als Mediziner: Wenden wir uns mal dem Corona-Impfschutz zu und nehmen einen gesunden Erwachsenen im Alter von 45 Jahren an, der im Dezember 2021 seine dritte Corona-Impfung und im Sommer 2022 eine Corona-Infektion durchgemacht hatte. Wann sollte die nächste Schutzimpfung anstehen?
Antwort: Was die Antikörper-Reaktion angeht, ist die Infektion wie eine vierte Impfung zu werten, sodass derjenige eigentlich momentan auf der sicheren Seite ist. Etwas anders sieht die Situation natürlich bei vorerkrankten und/oder älteren Menschen aus. Das Beste ist immer, die eigene Situation mit dem Hausarzt zu besprechen.
Frage: Sie haben nach eigenen Worten nur zehn Sekunden Bedenkzeit gebraucht, als Ministerpräsident Stephan Weil Sie fragte, ob Sie Sozial- und Gesundheitsminister in Niedersachsen werden wollen. Haben Sie die Entscheidung, von Berlin nach Hannover zu wechseln, schon eine Sekunde bereut?
Antwort: Klares Nein, es war die absolut richtige Entscheidung.
Frage: Auch wenn Sie nun nicht mehr nebenbei als Chirurg arbeiten dürfen? Als Bundestagsabgeordneter konnten Sie ja immerhin noch 30 Stunden im Monat operieren.
Antwort: In Berlin hat das in der Tat immer gut funktioniert. Da habe ich mir fünf Vormittage im Monat freigeschaufelt und operiert. Es macht durchaus auch den Kopf frei, hin und wieder aus dem Politikgeschäft herauszutreten. Das lässt sich nun mit meiner neuen Position allerdings schon rein rechtlich nicht mehr vereinbaren. Aber ich bin genauso leidenschaftlich Politiker wie ich Chirurg war.
Frage: Hatten Sie mit dem Anruf des Ministerpräsidenten gerechnet?
Antwort: Überhaupt nicht. Ich habe ihn sogar erst weggedrückt, weil ich die Nummer nicht kannte. Dann hat er mir aber eine SMS-Nachricht mit der Bitte um Rückruf geschickt und dann habe ich mich natürlich umgehend bei ihm gemeldet.
Frage: Ihre Vorgängerin Daniela Behrens hatte Ende vorigen Jahres auch mit Blick auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie mehr Einflussmöglichkeiten für die junge Generation gefordert. In Schule, Jugendarbeit und Kommune müsse ihr mehr Mitbestimmung eingeräumt werden. Ein richtiger Ansatz?
Antwort: Unbedingt. Jugendliche müssen stärker beteiligt und eingebunden werden.
Frage: Aber wie?
Antwort: In der Corona-Pandemie wurden gerade junge Menschen immer wieder auf ihr Schülersein reduziert. Aber hinter den Schülerinnen und Schülern stecken Menschen, die sich mitten in einer entscheidenden Phase ihres Lebens und ihrer Entwicklung befinden. Die zum Sport, zum Tanzen und auf Partys, in Diskos und Clubs gehen wollen. Mir ist es wichtig, einen direkten Draht zu Kindern und Jugendlichen zu haben. Dazu gehört auch, dass mein Ministerium ein offenes Haus ist und wir jungen Menschen Besuche und Praktika gern ermöglichen wollen. Ich bin noch frisch im Amt, aber eines kann ich Ihnen schon sagen: Die Stärkung von Kinder- und Jugendrechten wird einer meiner Schwerpunkte werden.
Frage: Braucht es dazu auch eine Absenkung des Wahlrechts auf 16 Jahre?
Antwort: Auf jeden Fall. Wir brauchen das Wahlrecht ab 16. Und zwar auf allen politischen Ebenen. Wobei es bei den Bundestagswahlen komplizierter ist, weil wir dazu eine Grundgesetzänderung bräuchten, für die eine Zwei-Drittel-Mehrheit nötig ist. Darüber müsste in Berlin verhandelt werden, aber ich bin sehr dafür.
Frage: Letzte Frage: An Hannover gefällt mir besser als in Berlin…
Antwort: …dass ich nun näher an meiner Heimatstadt Göttingen bin.