Denkmalschutz Klein-Lübeck in Ostfriesland und ein Adler in der Kaserne
Denkmalschutz ist den meisten Eigenheimbesitzern ein Gräuel. Es gibt aber auch Vorteile und viele versteckte Geschichten in alten Gebäuden.
Aurich - Vielen Hausbesitzern graust es beim Gedanken daran, dass ihr Eigentum unter Denkmalschutz gestellt werden könnte. Denn daraus resultieren teils strikte Vorgaben bei der Renovierung und Sanierung der Objekte. Der Denkmalschutz kann aber für die Eigentümer durchaus auch Vorteile haben. Darauf weist die Auricher Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß in einem Pressegespräch hin. In ihren Fachbereich fällt in der Stadtverwaltung der Denkmalschutz. Zuständig sind seit dem vorigen Jahr insbesondere Fachdienstleiter Ludwig Rosenberg und Architektin Helma Hinrichs.
Hinrichs führt die steuerlichen Vorteile an, die jeder Eigentümer von denkmalgeschützten Immobilien hat. Auch für Vermieter sei es interessant unter Umständen, so Busch-Maaß. Denn bei derart geschützten Altbauten seien die Anforderungen an den Energieausweis nicht so hoch wie bei normalen Bauten. Zusätzlich sei es immer möglich, für Reparaturen oder Sanierungen verschiedene Fördertöpfe anzuzapfen.
Parallelen von Aurich und Lübeck
Aber was zeichnet eine denkmalgeschützte Immobilie nun aus? Das reine Alter eines Hauses sei es nicht, so Alexandra Busch-Maaß. Andere Faktoren müssten hinzukommen. Ein Beispiel sei das Eckhaus an der Osterstraße, in das die Auricher Kunstschule samt dem Machmit-Museum einziehen soll. Das sei ein wichtiges Element wegen des Eingangscharakters in die Innenstadt. Verborgen unter vielen neueren Schichten ist in diesem Fall der Kern des Hauses. Manchmal können diese Schichten alleine schon schützenswert sein, so die Auricher Stadtbaurätin. Wie ihre beiden Mitarbeiter ist sie fasziniert vom Denkmalschutz, geht gerne selbst auf Spurensuche. Und wurde in dem Eckhaus fündig: Unter neueren Abdeckungen fand sich eine alte Stuckdecke. „Baupläne des Hauses hatten darauf hingedeutet.“
Nur aus der Vogelperspektive werden mitunter Ansätze der Denkmalschützer sichtbar. „Aurich ist ein kleines Lübeck“, lautet ein zunächst verblüffender Vergleich von Alexandra Busch-Maaß. Lübeck stammt aus dem 12. Jahrhundert, Aurich wurde im 13. Jahrhundert gegründet. „Beide weisen aber dieselben Charakteristika auf.“ Aus der Luft seien die Dachstrukturen erkennbar. Die Giebel, die an wichtigen Straßen präsentiert würden, und dazwischen gebe es Lohnen. An unwichtigen Straßen hingegen standen die Häuser mit der Längsseite zur Straße. „Mit solchen Beobachtungen kann Verständnis dafür geweckt werden, dass Häuserzeilen ein Ensemble bilden.“ Ein Beispiel für ein solches Ensemble, um das es in der Stadt Aurich viel Streit gab, waren die beiden Häuser in der Norder Straße 6 und 8, die letztlich abgerissen worden sind.
100 Baudenkmäler in Auricher Innenstadt
Diese Strukturen werden laut Busch-Maaß berücksichtigt, wenn es um die Aufstellung neuer Bebauungspläne geht. Die Bauverwaltung stehe dabei in einem ständigen Spagat zwischen Erhalt und zukünftiger Nutzung. „Aber man kann die Stadt ja nicht einfrieren.“ Außerdem müssten auch Baudenkmäler weiter genutzt werden. Denn ein unbewohntes Haus sei tot. „Und ein totes Gebäude ist kein gutes Gebäude.“
Nicht nur für Anträge und Genehmigungen ist die Untere Denkmalschutzbehörde bei der Stadt Aurich zuständig. „Wir beraten die Eigentümer auch“, sagt Helma Hinrichs. Da komme viel Arbeit zusammen. Denn alleine in der Innenstadt gebe es rund 100 denkmalgeschützte Gebäude. Hinzu kämen große Ensemble wie die ehemalige Blücherkaserne oder das Auricher Schloss.
Arkaden im Gebäude als Krallen eines Adlers
„Bei der Kaserne ist leider zu Bundeswehrzeiten schon einiges falsch gelaufen“, sagt Helma Hinrichs. Für die Nutzung als Flüchtlingsunterkunft habe es nun eine Ausnahmegenehmigung des Amtes gegeben. Aber alles, was nun provisorisch eingebaut worden ist und nicht den Richtlinien des Denkmalschutzes entspricht, muss am Ende wieder zurückgebaut werden.
Eine eigene Theorie zum Ensemble der Kasernengebäude hat Alexandra Busch-Maaß entwickelt. Wiederum im Luftbild erkenne man zum einen in den 1939 errichteten H-Gebäuden die Erinnerung an Diktator Adolf Hitler. Das Divisionsgebäude hingegen stelle einen Adler mit breiten Schwingen dar, eingerahmt von den H-Gebäuden. Dort, wo sich die Krallen des Adlers befänden, hätten die damaligen Architekten Arkaden gebaut.
Zum Ensembleschutz gehört es auch, dass nicht alle Häuser erhalten werden müssen. Die beiden äußeren H-Gebäude am Hoheberger Weg werden verschwinden, weil sie langfristig nicht zu erhalten seien. Aber Einzelteile der beiden Gebäude werden dafür verwendet, um das dritte Haus in der Reihe wieder herzustellen. Dabei berät auch das Oldenburger Amt für Denkmalschutz die Stadt Aurich – und gibt ganz praktischen Anschauungsunterricht. So haben die drei Auricher sich die ehemalige Donnerschwee-Kaserne angeschaut. Dieses Konversionsprojekt wurde bereits abgeschlossen. „Daraus haben wir viele Erkenntnisse gezogen“, sagt Alexandra Busch-Maaß.