Hamburg/Hannover  So viel Fläche sollen Landkreise in Niedersachsen für Windräder ausweisen

Dirk Fisser
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Von Dirk Fisser
| 06.02.2023 15:54 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Jeden Tag muss in Niedersachsen ein neues Windrad gebaut werden, damit Energieziele erreicht werden, schätzt Landesumweltminister Christian Meyer. Jetzt hat er Flächenziele für einzelne Landkreise vorgestellt. Foto: dpa
Jeden Tag muss in Niedersachsen ein neues Windrad gebaut werden, damit Energieziele erreicht werden, schätzt Landesumweltminister Christian Meyer. Jetzt hat er Flächenziele für einzelne Landkreise vorgestellt. Foto: dpa
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In Niedersachsen sollen in wenigen Jahren Tausende neue Windräder Strom liefern. Aber wo sollen die Anlagen gebaut werden? Das Land hat jetzt Windenergie-Flächenziele für die Landkreise und Regionen veröffentlicht – und die fallen sehr unterschiedlich aus.

Auf diesen Tag hatten die Verantwortlichen der Kreisbehörden seit Wochen gewartet: Das Land Niedersachsen hat am Montag erstmals Flächenvorgaben für den Ausbau der Windkraft veröffentlicht. Wir geben den Überblick:

Die rot-grüne Landesregierung will den Windkraft-Ausbau in Niedersachsen vorantreiben. Ein Baustein dabei ist die Ausweisung von sogenannten Vorrangflächen. Auf ihnen soll der Neubau entsprechender Anlagen einigermaßen unkompliziert möglich sein, weil etwa Konflikte mit dem Artenschutz im Vorfeld ausgeschlossen werden können.

Das Land will erreichen, dass bis 2026 insgesamt 2,2 Prozent der Landesfläche entsprechend ausgewiesen sein werden. Derzeit sind es nach Angaben von Landesumweltminister Christian Meyer (Grüne) 1,1 Prozent. Umsetzen sollen das die Landkreise.

Das Land hat eine Studie in Auftrag gegeben, die das Flächenpotenzial ermittelt hat. Nach Einschätzung der Fachleute wären etwa 7,26 Prozent der Fläche Niedersachsens für Windkraft geeignet. Das bedeutet: Es gibt in diesen Regionen keine harten Ausschlusskriterien wie Wohnbebauung, Naturschutzgebiete oder Flugplätze der Bundeswehr.

Das größte Potenzial hat demnach der Landkreis Uelzen mit 18,75 Prozent der Fläche. Es folgt Rotenburg mit 14,55 Prozent vor Lüneburg mit 13,14 Prozent. Mehr als zehn Prozent geeigneter Flächen weisen ebenfalls die Kreise Cuxhaven (10,34), Lüchow-Dannenberg (11,06), Heidekreis (10,29) sowie der Großraum Braunschweig (11,4) auf.

Erwartungsgemäß gering fällt das Potenzial indes bei den kreisfreien Städten aus: Osnabrück kommt demnach auf 0,02 Prozent geeignete Fläche, Delmenhorst auf 0,6 und die Stadt Oldenburg auf immerhin 2,16.

Nicht alle Potenzialflächen sollen auch als Vorrangflächen ausgewiesen werden. Wobei der Umweltminister am Montag betonte, dass kein Kreis daran gehindert werde, seine Ziele überzuerfüllen. Aber ausreichend wäre es, wenn die Behörden bis 2026 einen errechneten Prozentsatz ihrer Fläche entsprechend ausweisen.

Die Gutachter haben berechnet, welchen Anteil die Regionen mindestens leisten müssen, damit das Land am Ende auf 2,2 Prozent Fläche kommt. Das Ergebnis: Wer viel geeignete Flächen hat, muss entsprechend große Vorranggebiete ausweisen. Die Zielvorgabe für Lüneburg, Uelzen und Rotenburg liegt jeweils bei über 4,7 Prozent, für die Stadt Osnabrück indes nur bei 0,01.

Insgesamt zehn Landkreise müssen mindestens 2,2 Prozent ihrer Fläche ausweisen. Aus der Region Weser-Ems ist darunter nur der Landkreis Emsland mit 3,7 Prozent. Auf den ersten Blick überraschend: Andere Flächenlandkreise wie Aurich oder Leer, aber auch die Grafschaft Bentheim müssen weniger als ein Prozent ihrer Fläche ausweisen.

Meyer verwies am Montag bei der Vorstellung der Daten auf entsprechende Fliegerhorste und Übungsplätze der Bundeswehr. In deren Nähe dürfen keine Windräder gebaut werden. Der ebenfalls recht große Landkreis Osnabrück kommt auf gerade einmal 1,01 Prozent.

Die Vorgaben im Überblick:

Die Flächenvorgaben sagen nichts darüber aus, wie viele Windräder sich im Zweifelsfall schon in den Regionen drehen. Gerade der Blick nach Ostfriesland zeigt, dass hier bereits viele Anlagen installiert sind. Ausgewiesene Gebiete dürfen nach Aussage des Ministers bei den Flächenzielen berücksichtigt werden. So könnte es sein, dass bereits jetzt einige Kreise kurz davor stehen, die Vorgaben zu erfüllen. Auch hier verwies Meyer nach Ostfriesland.

Detaillierte Angaben machte das Ministerium dazu am Montag nicht. Ebenso wenig plant die Regierung, die identifizierten Vorrang-Gebiete aus der Studie zu veröffentlichen. Die Ergebnisse der entsprechenden Untersuchung sollen nur den Landkreis-Behörden zur Verfügung gestellt werden, nicht aber der Öffentlichkeit.

Das Land will den Ausbau der Erneuerbaren insgesamt forcieren. Die Vorrangflächen sind dabei ein Hebel. Niedersachsen will erreichen, dass bis 2030 im Land 30 Gigawatt Strom durch Erneuerbare produziert werden, derzeit sind etwa 12 Gigawatt Leistung installiert - es müssten also pro Jahr 1,5 Gigawatt hinzukommen. Laut Meyer lag die installierte Leistung im vergangenen Jahr aber bei gerade einmal 0,5 Gigawatt.

Der Fokus der Landesregierung liegt besonders auf der Windkraft. Der Minister gab am Montag als Devise aus, dass pro Tag ein neues Windrad ans Netz angeschlossen werden muss, damit die Ziele erreicht werden. 2021 waren es im Gesamtjahr knapp 100.

Niedersachsen ist mit weit mehr als 6000 Windrädern bereits jetzt deutschlandweit führend. Grünen-Politiker Meyer verwies zuletzt im Interview mit unserer Redaktion darauf, dass sich die Zahl in etwa verdoppeln werde in den kommenden Jahren.

Im nächsten Schritt sollen die Landkreise zu den Flächenzielen Stellungnahmen abgeben dürfen, bevor Landesregierung und Landtag die Vorgaben in ein Gesetz gießen. Sollten Landkreise die Ziele verfehlen, drohen sie die Hoheit darüber zu verlieren, wo in ihrem Gebiet bevorzugt Windräder gebaut werden. Meyer setzt darauf, dass das Kreishäuser ebenso motiviert wie die Möglichkeiten einer finanziellen Beteiligung an neuen Windparks. 

Die Regierungsparteien SPD und Grüne lobten bereits den Minister und verwiesen in Mitteilungen auf die Verantwortung der Landkreise. Selbst die oppositionelle CDU lobte die Vorstellung der Flächenvorgaben durch den grünen Minister.

Laura Hopmann, umweltpolitische Sprecherin der Union im Landtag, mahnte aber auch: „Die Erwartungen, die Minister Meyer mit seinem Marketing weckt, sind riesig. Mit entsprechender Spannung werden wir uns anschauen, ob den Turbo-Ankündigungen auch Substanz und Umsetzungsstärke, also Turbo-Taten, folgen.“

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