Prozess in Aurich Drogenhandel im großen Stil - Geständnisse vor Gericht
Gleich am ersten Verhandlungstag hat ein wegen Drogenhandels angeklagtes Paar aus Aurich die Taten im Wesentlichen gestanden. Eine Sache aber wollten sie nicht verraten.
Aurich - Seit Montag muss sich ein Pärchen aus Aurich wegen Drogenhandels vor dem Landgericht in Aurich verantworten. Dem 45-jährigen Mann und seiner gleichaltrigen Lebensgefährtin wird vorgeworfen, zwischen Dezember 2021 und August 2022 Haschisch, Marihuana, Extasy, Amphetamine und MDMA im großen Stil in Aurich verkauft zu haben. Die Staatsanwaltschaft bezifferte ihren Gewinn mit 28.000 Euro, deren Einziehung beantragt wurde. Bei der Durchsuchung der Wohnung der Angeklagten hatten Polizeibeamte neben größeren Mengen Drogen 2500 Euro Bargeld in kleinen Scheinen sowie eine Feinwaage und Klemmbeutel entdeckt, wie sie für Portionierung und Verpackung von Drogen benötigt werden.
Die Angeklagten räumten die Vorwürfe im Wesentlichen ein, konnten sich allerdings nicht erinnern, welche Drogen sie wann verkauft hatten. Zu seiner Bezugsquelle mochte der Angeklagte sich nicht äußern. Seine Lebensgefährtin habe mit dem Ganzen jedenfalls nichts zu tun gehabt, erklärte er. Weil die meisten Geschäfte jedoch über ihr Handy abgewickelt worden waren, saß sie dennoch mit ihm auf der Anklagebank. Die Frau gab an, ihren Mann unterstützt zu haben, weil er mitunter so „schusselig“ sei. Dass sie sich selbst des Drogenhandels schuldig gemacht habe, sei ihr nicht bewusst gewesen. In der Verhandlung bestätigte sie jedoch ihre Mitwirkung.
Aufgeflogen durch einen Zufall
Nur zufällig waren die Angeklagten entdeckt worden. Eine Polizistin berichtete, sie seien zu einem Einsatz wegen Bedrohung zur Adresse der Angeklagten gerufen worden. Aus deren Wohnung habe es stark nach Marihuana gerochen, darum habe man sie durchsucht und sei fündig geworden. Die Drogen seien über alle Zimmer verteilt gewesen. Darüber hinaus habe man zwei kleine Beile und ein Messer in unmittelbarer Nähe der Drogen gefunden. Der Mann sitzt seitdem in Untersuchungshaft.
Der Angeklagte blickt auf eine lange Drogengeschichte zurück. Schon als Jugendlicher hatte er harten Alkohol in großen Mengen getrunken und war kurz darauf zu Amphetaminen und Cannabis gewechselt. Heute konsumiert er nach eigenen Angaben rund 10 Gramm täglich. Auch sein Vorstrafenregister ist mit 27 Eintragungen quer durch das Strafgesetzbuch beachtlich, mehrere Jahre verbrachte er bereits im Gefängnis.
Behandlung in Entzugsklinik abgebrochen
Schon 2011 hatte ein Gericht seine Unterbringung in eine Entziehungsklinik angeordnet, die Behandlung hatte er jedoch nach einem Jahr abgebrochen. Heute sehe er indes ohne Abstinenz keine Grundlage für sein Leben, hatte er gegenüber dem psychiatrischen Gutachter angegeben. In der Verhandlung betonte er, er sei in Bezug auf eine Therapie „hoch motiviert“. Der Sachverständige empfahl seine nochmalige Einweisung, die Dauer der Therapie solle angesichts des langjährigen Drogenkonsums zwei Jahre betragen. Die Einweisung der Angeklagten in eine Suchtklinik hielt er hingegen für „überdimensioniert“. Zwar habe sie früher viel Alkohol getrunken, lebe aber mittlerweile seit Jahren abstinent. Ihr riet der Arzt dringend zu einer Psychotherapie, um ihr Potenzial zu stärken. Sie könne aus ihrem Leben durchaus mehr machen als bisher, benötige allerdings Unterstützung in der Lebensbewältigung.
Die Verhandlung wird am 23. Februar fortgesetzt.