Notfallseelsorge Zahl der Einsätze im Kreis Aurich stark gestiegen
Schwere Unfälle, Todesnachrichten, Brände – die Hilfe der Notfallseelsorger war im vorigen Jahr gefragt wie selten zuvor. Und die Tendenz ist weiter steigend.
Aurich - Um 40 Prozent angestiegen sind die Einsätze der Notfallseelsorger im Landkreis Aurich im vorigen Jahr. Statt im Schnitt 60 Mal rückten die Seelsorger der lutherischen Kirche, der reformierten Kirche sowie der Freikirchen zu 84 Einsätzen aus. Das berichtet das Leitungsteam der Notfallseelsorge um Superintendent Tido Janssen in einem ON-Gespräch. Dabei entfielen normalerweise rund zwei Drittel der Einsätze auf den Kirchenkreis Aurich, ein Drittel auf den kleineren Kirchenkreis Norden.
Im vorigen Jahr war das anders. Fast die Hälfte der Einsätze fand im Kirchenkreis Norden statt. Im Kirchenkreis Aurich mussten die Helfer 41 Mal ausrücken, und in der Krummhörn, die zu keinem der beiden Kirchenkreise gehört, gab es sechs Einsätze. Auch das ist eine hohe Zahl, denn es gibt in der Krummhörn nur drei lutherische Orte. Ansonsten sind die Notfallseelsorger der reformierten Kirche zuständig.
Notfallseelsorge ist keine Frage der Konfession
Die Tendenz sei ansteigend, sagt die Leitende Koordinatorin, Pastorin Heike Musolf. Schon im Januar dieses Jahres seien es mehr Einsätze gewesen als im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres. Eine Ursache für den Anstieg können die Notfallseelsorger nicht benennen. Aber auch der Rettungsdienst des Landkreises Aurich verzeichne mehr Einsätze. Die Corona-Pandemie könne jedoch als Grund ausgeschlossen werden, so Musolf.
Insgesamt gibt es 30 Pastoren in der Notfallseelsorge im Landkreis Aurich. Hinzu kommt ein ehrenamtlicher Helfer. Es handelt sich dabei sowohl um Pastoren der evangelischen Landeskirche als auch um Pastoren der freien Kirchen im Landkreis. Die katholische Kirche beteiligt sich derzeit nicht an der Notfallseelsorge.
Auch Rettungskräfte werden betreut
Die Herkunft der Notfallseelsorger spielt bei den Einsätzen jedoch keine Rolle. „Notfallseelsorge fragt nicht nach Konfession oder Kirchenzugehörigkeit“, sagt Heike Musolf. Die Helfer kamen in verschiedenen Situationen zum Einsatz. So begleiteten die Notfallseelsorger die Polizei beim Überbringen von Todesnachrichten, betreuten Angehörige nach Suiziden oder tödlichen Unfällen.
Nicht nur Privatpersonen, auch die Rettungskräfte bei schweren Unfällen nehmen die Hilfe der Notfallseelsorger in Anspruch, sagt Heike Musolf. Dabei habe sich in den vergangenen Jahren ein Wandel vollzogen. Die „starken Männer“, die keine Gefühle oder Schwächen zuließen, seien zum Beispiel bei der Feuerwehr nicht mehr erwünscht. Es werde viel Wert auf das Gespräch und auf Fortbildungen im Bereich der Prävention und Selbstsorge gelegt. Ein posttraumatischer Schock nach schwierigen Einsätzen müsse verhindert werden.