Gadebusch  Widerstand gegen Flüchtlingsunterkunft in MV: „Wir wollen kein zweites Upahl“

Holger Glaner
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Von Holger Glaner
| 03.02.2023 14:37 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Knapp 70 Unterschriften gegen eine mögliche Flüchtlingsunterkunft für Gadebusch hat Annett Hinkfuß vom Frisurenstudio Hairstyle in knapp drei Tagen bereits gesammelt. Foto: Holger Glaner
Knapp 70 Unterschriften gegen eine mögliche Flüchtlingsunterkunft für Gadebusch hat Annett Hinkfuß vom Frisurenstudio Hairstyle in knapp drei Tagen bereits gesammelt. Foto: Holger Glaner
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Auch Einwohner aus Gadebusch in Mecklenburg-Vorpommern lehnen sich gegen eine mögliche Flüchtlingsunterkunft in ihrer Stadt auf. Annett Hinkfuß hat eine Unterschriftenaktion gestartet und ein breites Echo erhalten. Auch der Bürgermeister hat reagiert.

Erst Upahl, jetzt Gadebusch: Auch in der Münzstadt regt sich Widerstand gegen Pläne zur Errichtung einer Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber. Unterschriftenlisten sollen den Unmut der Unterzeichner dokumentieren. Nordwestmecklenburgs Landrat Tino Schomann hatte Anfang dieser Woche Überlegungen zum Betrieb einer Asylunterkunft in Gadebusch bestätigt. Mindestens 150 Menschen würden bei Realisierung derartiger Pläne in der Münzstadt untergebracht werden.

Seit Donnerstag liegen die Listen gegen eine Flüchtlingsunterkunft in der Münzstadt an verschiedenen Stellen aus. Unter anderem im Frisurenstudio Hairstyle. „Mit Demonstrationen wurde anderswo nicht viel erreicht, deshalb diese Unterschriftenaktion“, sagt Inhaberin Annett Hinkfuß, die die Unterschriftensammlung initiiert hat. Die 38-Jährige wolle aber keinesfalls falsch verstanden werden, ihr Unmut richte sich gegen große Unterkünfte, in denen viele Menschen verschiedener Nationen aufeinandertreffen. Keinesfalls sei sie fremdenfeindlich: „Wir wollen nur kein zweites Upahl.“

Knapp 70 Unterschriften hat Annett Hinkfuß in ihrem Studio bereits gesammelt: „Wenn der Landrat am 15. Februar nach Gadebusch kommt, werde ich ihm die Listen mit hoffentlich ganz vielen Unterschriften übergeben.“ Nordwestmecklenburgs Landrat Tino Schomann wird an diesem Tag zu einer Bürgerversammlung im Saal der freiwilligen Feuerwehr erwartet.

In den sozialen Medien gibt es bereits ein großes Echo auf die Unterschriften-Aktion. Bereits kurz nach Veröffentlichung eines Aufrufs zur Unterzeichnung der Unterschriftenlisten wurde bei Facebook mehr als 110-facher Zuspruch durch die Nutzer des Internetportals kundgetan.

„Es ist ein Stück Demokratie, wenn Menschen so eine Unterschriftensammlung initiieren. Ich finde das gut, dann wissen wir wenigstens, wo Gadebusch steht“, sagt Bürgermeister Arne Schlien. Das Gadebuscher Stadtoberhaupt sei sich allerdings nicht sicher, ob so eine Liste Einfluss auf die Entscheidung zur Errichtung einer Asylbewerberunterkunft hat. Derartige Entscheidungen würden vom Landkreis oder aber dem Land MV getroffen.

Als mögliche Standorte für eine Gemeinschaftsunterkunft in Gadebusch wurden bislang das jetzige Polizeigebäude sowie Gegebenheiten des Gymnasiums ins Spiel gebracht. Demnach wäre die Nutzung des Sportplatzes für die Errichtung einer Unterkunft als auch die Umfunktionierung der Sporthalle mögliche Varianten. Die Belegung der Sporthalle jedoch gelte es nach Aussage von Landrat Tino Schomann zu verhindern.

Gegenüber SVZ hatte der Verwaltungschef jedoch erklärt: „Aufgrund der aktuellen Situation und der anhaltenden hohen Zuweisungszahlen braucht der Landkreis weitere Gemeinschaftsunterkunftsplätze. Als ehemalige Kreisstadt und Mittelzentrum ist neben Grevesmühlen auch Gadebusch ein Thema.“

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