Ukrainische Flüchtlinge  Auricher Schulen wissen nicht, wie viele Kinder kommen

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 02.02.2023 21:21 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Seit November wird auf dem Kasernengelände gearbeitet, um Unterkünfte für die Flüchtlinge herzustellen. Foto: Romuald Banik
Seit November wird auf dem Kasernengelände gearbeitet, um Unterkünfte für die Flüchtlinge herzustellen. Foto: Romuald Banik
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Der Landkreis Aurich bereitet derzeit Unterkünfte für Hunderte Menschen aus der Ukraine vor. Die Schulen können sich aus einem bestimmten Grund nur schlecht vorbereiten.

Aurich - Mit großen Problemen haben die Schulen im Landkreis Aurich bei der Betreuung der ukrainischen Flüchtlingskinder zu kämpfen. Neben der Sprachbarriere kommt hinzu, dass viele diese gar nicht überwinden wollen. Denn der Wunsch, bald in die Ukraine zurückzugehen, ist groß. Ein weiteres Problem ist, dass nicht bekannt ist, wie viele Schüler überhaupt in die hiesigen Schulen kommen werden. Darauf wies Uwe Schumacher, Leiter der Grundschule Upstalsboom, im Auricher Schulausschuss am Donnerstagabend hin.

Bislang seien nur sehr wenige ukrainische Schüler in den Grundschulen angekommen. „Wir wissen auch nicht, wo sie sind.“ Das wisse auch der Landkreis Aurich nicht so genau, sagte Schumacher. Denn die Altersstruktur der Ukrainer sei unbekannt. „Wir rechnen mit 250 Grundschülern im gesamten Kreisgebiet.“ Auch in der Realschule Aurich herrscht Ungewissheit, wie Lehrer Cord Gudegast sagte. Dort gebe es zwar „eine bemerkbare Gruppe“ Ukrainer. Diese brächten neue Probleme.

Kinder kommen nicht immer in die Schule

Es gibt einen signifikanten Unterschied zwischen Flüchtlingen, die aus der Ukraine nach Deutschland kommen und Flüchtlingen, die aus anderen Ländern außerhalb Europas Schutz suchen. Denn die Menschen, die vor dem russischen Angriffskrieg fliehen, benötigen kein Visum für die Einreise. Schutzsuchende aus Afrika müssen Asyl beantragen und werden auf diese Weise sofort registriert. Das gilt für Ukrainer nicht. Laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge können Ukrainer ohne Visum einreisen und haben dann 90 Tage Zeit, sich bei der Ausländerbehörde zu melden.

Das führt zu Problemen zum Beispiel bei der Beschulung der Kinder, die mit ihren Familien nach Deutschland kommen. Denn die genauen Zahlen sind den Schulbehörden unbekannt. Etwa 250 Grundschüler würden im Landkreis Aurich erwartet, sagte Uwe Schumacher. Nur wenige seien tatsächlich schon in den Schulen.

Auricher Politik will Schule in der Kaserne

Mehr Jugendliche aus der Ukraine befinden sich derzeit in der Realschule Aurich. „Sie kommen aber nicht immer“, sagte Lehrer Cord Gudegast. Eine Kollegin an der Realschule würde sich kümmern. Es sei aber ein großes Feld, das mit sehr begrenzten Mitteln der Realschule bearbeitet werden müsse.

Einige Hundert Flüchtlinge sollen in der alten Blücherkaserne untergebracht werden. Foto: Romuald Banik
Einige Hundert Flüchtlinge sollen in der alten Blücherkaserne untergebracht werden. Foto: Romuald Banik

Unterstützung hat daher der Schulausschuss einstimmig beim Land Niedersachsen und beim Landkreis Aurich eingefordert. Alle Politiker votierten für einen Antrag von SPD und GAP, in dem neue Wege bei der Beschulung von ukrainischen Kindern vorgeschlagen werden. Kern ist es, für eine Übergangszeit die Kinder in der Kaserne in rein ukrainischen Klassen zu unterrichtet.

Kreative Lösungen sind gefragt

SPD und GAP waren bei ihrem Antrag von Zuwanderungszahlen ausgegangen, die der Landkreis im Dezember mitgeteilt hatte. Demnach sollten, so Volker Rudolph (GAP), bis Ende März bis zu 3000 Flüchtlinge kommen. Eine Zahl, die wohl nicht erreicht wird, wie Schuldezernent Thomas Brederlow am Mittwoch im ON-Gespräch bestätigte. Es seien bislang weniger Menschen aus der Ukraine gekommen als zunächst angenommen. Einige Turnhallen würden daher bislang nicht als Notunterkünfte genutzt, und es gebe auch weniger Schüler, die versorgt werden müssten.

Dennoch habe es in der vergangenen Woche ein Gespräch mit Stadt und Landkreis Aurich sowie den Schulen gegeben, um die Situation zu erläutern. Das bestätigte im Ausschuss auch Erster Stadtrat Hardwig Kuiper. „Es wird nach Lösungen gesucht“.

Kreativ und vor allem unbürokratisch ist auch die Lösung, die SPD und GAP vorschwebt. Sie wollen zumindest für eine Übergangszeit, dass alle ukrainischen Kinder in einer eigenen Schule auf dem alten Kasernengelände von ukrainischen Lehrern unterrichtet werden. Und sie fordern dafür Unterstützung vom Land Niedersachsen, weil die Kommunen mit der Aufgabe alleine überfordert seien. Der Kreis Aurich ist aufgefordert, diese Bitte zu unterstützen. Ein Antrag, der bei dene übrigen Fraktionen ungeteilte Zustimmung fand. „Niemand weiß, wie lange das noch andauert“, so Arnold Gossel (CDU). Wenn es mehrere Hundert Kinder würden, wäre jede Schule überfordert.

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