Kollektives Bad im See  Anschwimmen in Aurich – mit Gejohle ins eisige Nass

| | 28.01.2023 17:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Vom Ufer aus verfolgten zahlreiche Schaulustige das kollektive Bad im kalten See. Foto: Thomas Dirks
Vom Ufer aus verfolgten zahlreiche Schaulustige das kollektive Bad im kalten See. Foto: Thomas Dirks
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Knapp 50 Hartgesottene stürmten mit der DLRG-Ortsgruppe Aurich in den vier Grad kalten Badesee in Tannenhausen. Was sie daran so toll finden.

Aurich - Grauer Januarhimmel, Lufttemperatur vier Grad Celsius – alles andere als Badewetter. Nicht so für knapp 50 Hartgesottene. Sie stürzten sich am Sonnabendnachmittag in den Badesee in Tannenhausen.

Dessen Wasser war da ebenfalls gerade einmal vier Grad warm. Doch das schreckte die Teilnehmer des 12. Anschwimmens der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Ortsgruppe Aurich, nicht.

Frostveranstaltung

Im Gegenteil: Jörg Puschke, zuständig für den DLRG-Nachwuchs, und seine Kollegin Julia Austen war’s nicht kalt genug. „Es ist fast schon zu warm“, sagte er und rief damit bei vielen ungläubiges Staunen hervor. „Unser Anschwimmen ist eigentlich eine Frostveranstaltung“, erklärte er. So gesehen war es tatsächlich zu warm.

Julia Austen gab die Temperaturen bekannt. Foto: Thomas Dirks
Julia Austen gab die Temperaturen bekannt. Foto: Thomas Dirks

Das Wetter spielte nicht so mit, wie die Organisatoren es sich gewünscht hatten. So erinnerte man sich an jene Jahre, in denen es anders war. Da lag manchmal etwas Schnee am Seeufer. Im Schneetreiben habe man auch schon gebadet, berichtete Puschke. Und vor einigen Jahren war der See sogar zugefroren. Da hackten die Schwimmer Löcher in die Eisschicht. Einmal war nicht einmal das möglich.

Video
Ab ins kalte Nass! Anschwimmen in Tannenhausen
28.01.2023

Von Eis auf Aurichs beliebtem Badesee war man diesmal weit entfernt. Das Wasser des Sees spritzte in hohem Bogen, als sich die wagemutigen Wasserratten im Pulk und mit ordentlich Karacho und Gejohle in die Fluten stürzten. Zahlreiche dick vermummte Zuschauer am Ufer klatschten ihnen Beifall und jubelten ihnen zu. Mit knapp 50 mutigen Wasserratten wagten sich so viele Mutige in den Tannenhausener See wie zuletzt vor der dreijährigen coronabedingten Zwangspause. Puschke zeigte sich von der Beteiligung begeistert.

Einmal Boje und zurück: Nick Schunke legte knapp 200 Meter und damit die weiteste Strecke im vier Grad kalten Wasser zurück. Foto: Thomas Dirks
Einmal Boje und zurück: Nick Schunke legte knapp 200 Meter und damit die weiteste Strecke im vier Grad kalten Wasser zurück. Foto: Thomas Dirks

Lange hielten es die Anschwimmer aber auch dieses Mal in dem kühlen Nass nicht aus. Für die ersten war das winterliche Bad bereits nach kaum einer Minute wieder beendet. Sie waren genauso schnell wieder draußen, wie sie drinnen waren. Ausnahme: Nick Schunke. Der 16-Jährige schwamm eine knapp 200 Meter lange Strecke und musste danach erst einmal vor den Heizlüfter. Die Strecke zur Boje im See sei kürzer gewesen, als er gedacht habe. „Ein cooles Gefühl“ sei das gewesen. „Irgendwann spürt man nichts mehr“, sagte der DLRG-Schwimmer.

Regelrechter Kick

Rettungsassistenten und Taucher der DLRG-Aurich sorgten während der Gaudi für Sicherheit. Ihre Hilfe aber wurde nicht benötigt. Ganz im Gegenteil: Das winterliche Bad verlieh den Badenden einen regelrechten Kick. „Das ist vergleichbar mit einer eiskalten Dusche“, beschrieb ein Teilnehmer. Wichtig sei, nicht zu lange im Wasser zu bleiben. Sonst kühle der Körper zu stark aus und das könne gefährlich werden. Ansonsten rege die Abkühlung den Kreislauf an. „Die Durchblutung danach ist so geil“, sagte Daniela Jungenkrüger. Die Triathletin des MTV Aurich hatte sich zuvor bei einem 20-minütigen Lauf auf „Betriebstemperatur“ gebracht.

DLRG-Mitglieder backten Waffeln für die Schwimmer und versorgten sie mit alkoholfreiem Punsch und Glühwein. Foto: Thomas Dirks
DLRG-Mitglieder backten Waffeln für die Schwimmer und versorgten sie mit alkoholfreiem Punsch und Glühwein. Foto: Thomas Dirks

Zur Belohnung gab es danach Punsch und Glühwein, die Auricher Süßmost der DLRG kostenlos zur Verfügung gestellt hatte. Lorenz Bäcker Victorbur spendierte zehn Kilo Teig.

Die Waffeln, die DLRG-Mitglieder daraus backten, ließen sich auch Anni de Vries-Meinke und ihr Hund „Frieso“ schmecken. Der siebeneinhalb Jahre alte Schäferhund-Eurasiermix tobte schon vor dem offiziellen Start durchs Wasser. Allein würde sie sich nicht reintrauen. „In der Gruppe aber macht das großen Spaß“, sagte die Tannenhausenerin, die den geselligen Aspekt des Anschwimmens schätzt: „Hier trifft man immer dieselben Verrückten“, sagte sie.

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