Osnabrück  Falko Mohrs: Niedersachsen braucht eine Exzellenz-Universität

Stefan Lueddemann, Ralf Doering
|
Von Stefan Lueddemann, Ralf Doering
| 26.01.2023 12:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Niedersachsens Minister für Wissenschaft und Kultur: Falko Mohrs. Foto: Jörn Martens
Niedersachsens Minister für Wissenschaft und Kultur: Falko Mohrs. Foto: Jörn Martens
Artikel teilen:

Welche soll es sein, Niedersachsens Exzellenz-Universität? In dieser Frage hält sich Falko Mohrs noch bedeckt. Für den Minister für Wissenschaft und Kultur ist aber klar: Das Bundesland braucht eine Spitzen-Uni.

Dafür will das Bundesland 24 Millionen Euro bereitstellen. Mit diesem Geld soll laut Minister Falko Mohrs der Wettbewerb der Hochschulen um Exzellenzcluster unterstützt werden. Wie der Minister im Interview erklärt, soll eine Exzellenzuniversität mindestens über zwei solcher Cluster verfügen.

Frage: Sie wollen für Niedersachsen eine Exzellenzuniversität schaffen. Was soll diese Universität auszeichnen - und wo soll sie liegen?

Antwort: Ich werde Ihnen jetzt keine Universität nennen. Wir wollen zu einer solchen Exzellenzuniversität in mehreren Schritten kommen. Bei der letzten Exzellenzinitiative haben Niedersachsens Universitäten bei den Clustern knapp überdurchschnittlich abgeschlossen. Das zeigt die Stärken der Hochschulen unseres Bundeslandes. Ich gehe davon aus, dass wir dieses Niveau bei der nächsten Runde der Exzellenzinitiative mindestens halten können. Dazu soll mindestens eine Exzellenzuniversität kommen Das ist unser Anspruch.

Frage: Und was tun Sie dafür?

Antwort: Wir unterstützen die Bildung von Exzellenzclustern mit Landesmitteln in Höhe von 24 Millionen Euro. Wir unterstützen aber auch Kooperationen, weil sich damit die Möglichkeit eröffnet, auch Hochschulen in der Fläche mitzunehmen. Die nächste Runde der Cluster wird uns eine Einschätzung ermöglichen, wie gut Niedersachsen abgeschnitten hat. Eine Hochschule, die Exzellenzuniversität werden will, muss mindestens zwei Exzellenzcluster aufweisen. 

Frage: Geht es denn bei dem Projekt einer niedersächsischen Exzellenzuniversität um eine einzige Universität oder wäre auch ein Verbund möglich?

Antwort: Beides ist möglich. Ein Verbund lässt sich allerdings nicht einfach nur im Zeitraum einer einzigen Bewerbung nach vorn bringen. Ein solcher Verbund muss wachsen. Cluster werden ja oft im Verbund gestaltet. In Betracht kommen auch Kooperationen in Wissenschaftsräumen, die wir bilden wollen. Das bietet die Möglichkeit, an der Exzellenz teilzuhaben. Die Kritik an dem Projekt von Exzellenzinitiativen kann ich deshalb auch nicht teilen. Wir werden nicht nur Spitze, sondern auch Breite fördern. Eine Exzellenzuniversität wäre allerdings auch ein wichtiges Aushängeschild für Niedersachsen. 

Frage: Ihr Ruf nach Exzellenz steht im Kontrast zum Rückbau von Fächern und Wissenschaften, etwa an der Universität Osnabrück. Die Universität verliert das Fach Kunstgeschichte und wird in den Geisteswissenschaften auf Lehrerausbildung festgelegt. Spielt die Universität Osnabrück bei den Exzellenzprojekten eine Rolle?

Antwort: Die Universität Osnabrück ist in Niedersachsen gut positioniert. Ich nehme nicht wahr, dass sich die Universität vom Thema Kunst einfach verabschiedet hat. Mehrere Professorenstellen sind zeitgleich ausgelaufen. Ich sehe auch nicht, dass die Universität Osnabrück einseitig nur auf die Lehrkräfteausbildung setzt. Zugleich gibt es natürlich für Lehrerinnen und Lehrer auch einen großen Bedarf. Aber das ist nur ein Teil dieser starken Hochschule.

Frage: Mangel ist das Schlüsselwort, wenn es um Nachwuchs und Fachkräfte geht. Es gibt bereits Stimmen, die sagen, der Fokus liege zu einseitig auf der Hochschulausbildung. Beruf oder Uni - wie sehen Sie diesen Zielkonflikt?

Antwort: Ich bin dafür, dass junge Menschen gut überlegen, was für sie richtig ist. Ich glaube nicht, dass für jeden das Studium immer die passende Wahl ist. Umgekehrt gilt das auch für Berufsausbildungen. Nicht jeder Studienabbruch ist deshalb auch schlecht, wenn er dazu führt, dass junge Leute ihre Wahl einer Ausbildung und eines Berufes noch einmal überdenken und dann erfolgreich einen neuen Weg einschlagen. Ich selbst habe ein duales Studium gemacht, mit Berufsausbildung und einem Studium an der Fachhochschule. Für mich war es genau richtig so. Die enge Verzahnung von theoretischer und praktischer Ausbildung hat zu mir sehr gut gepasst. 

Frage: Ob Theater oder Museen - viele Kultureinrichtungen suchen nach der Pandemie nach ihrem Publikum. Was muss aus Ihrer Sicht getan werden, damit wieder mehr Menschen in die Kulturhäuser kommen?

Antwort: Die Corona-Pandemie hat das Publikumsverhalten in der Tat stark verändert. Viele Stammbesucher kommen nicht mehr. Andere Menschen entscheiden sich sehr viel kurzfristiger, ein Kulturangebot zu nutzen oder bleiben zu Hause. Das ergibt eine kaum berechenbare Lage für die Veranstalter. Große Namen ziehen weiter das Publikum an. Viele Theater haben Programmerfolge mit Komödien. Das trifft offenbar einen Bedarf und einen Nerv des Publikums. 

Frage: Also Theater als Entlastung von einer anstrengenden Gegenwart?

Antwort: Es scheint so zu sein, dass in Krisenzeiten Unterhaltungsformate stärker gefragt sind. Der Trend geht wie erwähnt auch zu prominenten Namen. Als Land Niedersachsen wollen wir die Hilfen zur Wirtschaftlichkeit der Häuser fortsetzen. Damit haben wir während der Corona-Pandemie schon gute Erfahrung gemacht, indem wir über das Land Veranstaltungen mitfinanziert haben. Das werden wir mit dem 50-Millionen-Euro-Topf für die Veranstaltungsbranche fortsetzen. Die Häuser brauchen Planungssicherheit.

Frage: Das heißt also, dass das Land für jedes verkaufte Ticket noch einmal ein Ticket dazulegt?

Antwort: Wir wollen unser bewährtes Programm fortsetzen. Die Folgen der Pandemie für den Kulturbetrieb sind noch nicht überwunden. Die Nachfrage für viele Angebote ist noch instabil. Kunst und Kultur sind Orte des gesellschaftlichen Diskurses, als Land möchten wir belohnen, dass Kultur stattfindet. 

Frage: Das Problem sind ja nicht die großen Namen. Bruce Springsteen verkauft sich auch ohne Landeshilfen gut. Das Problem sind die Angebote der Newcomer. Viele Veranstalter sagen, dass sich das einfach nicht mehr rechnet, auch nicht mit Landeshilfen.

Antwort: Mit unseren Hilfen können wir viele Angebote erst einmal stabilisieren. Wir bieten viele Unterstützungsprogramme für die Kultur an, übrigens als eines der wenigen Bundesländer, die derartige Förderungen anbieten. Wir erkennen auch, dass sich Kulturangebote verlagern, auch in den digitalen Raum. Viele Kulturschaffende verlassen die eigene Spielstätte auch, um Besucher wieder zurückzugewinnen. Corona hat manche Menschen von Kultur entwöhnt. Es gilt, sie mit kreativen Ideen zurückzuholen. 

Frage: Noch einmal zum Schwund des Publikums in den Kulturhäusern: Wann waren Sie zum letzten Mal in Theater, Museum, Konzert und was haben Sie gesehen, erlebt?

Antwort: Das letzte Museum, das ich besucht habe, war vor neun Tagen das Residenzmuseum im Schloss Celle. 

Frage: Und Sie privat?

Antwort: Am nächsten Sonntag werde ich das Sinfoniekonzert des Staatsorchesters Hannover besuchen. Mein letztes Open-Air-Konzert war Rammstein.

Frage: In der Kulturwelt ist das Ehrenamt sehr wichtig. Gerade vollzieht sich da ein Generationenwechsel. Viele Kulturzentren brauchen professionelle Mitarbeiter. Und die kosten Geld. Wie kann das Land da helfen?

Antwort: Ja, viele Kulturhäuser brauchen hauptamtliche und ehrenamtliche Kräfte in gleicher Weise. Wir müssen die Abläufe einfacher machen. Das Ehrenamt ist mit zu viel Bürokratie konfrontiert. Das wollen wir verbessern. Es gibt ein Förderprogramm, das mein Ministerium für diesen Bereich bereitstellt. Auch da wollen wir die Abwicklung vereinfachen.  

Ähnliche Artikel