Hamburg Kampfjets für die Ukraine sind militärisch logisch, doch politisch unklug
Die Kampfpanzer sind noch nicht einmal da, da hat der ukrainische Präsident schon die nächste Forderung an den Westen. Das einzige Überraschende daran ist der Zeitpunkt. Doch der Wunsch nach Kampfflugzeugen ist derzeit unerfüllbar.
Kaum ringt sich der Westen, auch Deutschland und die USA, zur Entsendung von Kampfpanzern durch, schon fordert der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Kampfflugzeuge und Langstreckenraketen. Dass die Lieferung von Leoparden die Debatte nicht beenden würde, war klar.
Erwartungsgemäß ist der Diskurs über westliche Rüstungslieferungen in eine Aufwärts-Spirale geraten. Erst Helme, dann Haubitzen, dann Kampfpanzer, bald Kampfjets? Nach dem Motto „irgendwann ist doch mal gut“ lässt sich die Forderung allerdings nicht wegwischen. Die Ukraine braucht für ihre Verteidigung gegen den russischen Aggressor auch eine Chance, die Lufthoheit über ihrem Territorium wiederzuerlangen. Und selbstverständlich können Flugzeuge helfen.
Doch die Dynamik würde sich entscheidend ändern. Langstreckenraketen und Flugzeuge würden es dem ukrainischen Militär ermöglichen, auch weit im russischen Hinterland liegende Ziele anzugreifen. Wer kann garantieren, dass das in einem schlecht vorhersehbaren Kriegsverlauf nicht geschieht? Das Eskalationsrisiko stiege jedenfalls gewaltig. Und sollte die Ukraine Russland mit westlichen, mit deutschen Waffen angreifen, würden wir allerspätestens zu einer Kriegspartei.
Selenskyjs Rufe nach Kampfjets und Raketen sind militärisch logisch, aber diese Grenze werden Berlin und Nato aktuell kaum überschreiten wollen. Nicht nur, weil die hiesige Bevölkerung das kaum gutheißen würde, das haben Umfragen schon bei den Panzern gezeigt. Sondern weil die Gefahr eines Dritten Weltkrieges akut würde, denn niemand weiß, wie Russlands Präsident Wladimir Putin reagieren würde.
All das weiß auch die Ukraine. Darum ist es politisch unklug, wenn Selenskyj und seine Leute, allen voran Vizeaußenminister Andrij Melnyk, jetzt so laut nach dem Unerfüllbaren schreien. Sie setzen sich sehenden Auges der Gefahr aus, den Willen in Berlin und Washington zu militärischem Beistand zu überreizen.