Flüchtlinge in Aurich Ukrainer sollen eigene Schule bekommen
Der überwiegende Teil der ukrainischen Flüchtlinge wird auf dem Gelände der ehemaligen Blücherkaserne untergebracht. Die Beschulung der Kinder ist ein Problem.
Aurich - Neue Wege bei der Beschulung von ukrainischen Kindern will die Auricher Ratsgruppe von SPD und GAP gehen. Zumindest für eine Übergangszeit sollten die Kinder in der Kaserne in rein ukrainischen Klassen unterrichtet werden, schreibt Volker Rudolph (GAP) in einem Antrag für die Gruppe. Denn die Kaserne sei ein „Flüchtlingsballungsbereich“, eine Integration einer so großen Zahl von Schülern in den normalen Schulbetrieb von Grundschulen und weiterführenden Schulen sei kaum denkbar, da die meisten Schulklassen bereits bis zum Limit gefüllt seien, sagt der ehemalige Didaktische Leiter der IGS Aurich.
Wie berichtet, gelten auch für die Kinder der ukrainischen Familien die Schuleinzugsbereiche. Das birgt insbesondere für die Grundschulen Probleme, weil für die Kaserne wie auch für das Containerdorf auf dem Gelände der ehemaligen internationalen Gärten am Extumer Weg nur zwei Grundschulen zuständig sind. Dabei handelt es sich um die Grundschule Upstalsboom zum einen und um die Grundschule Sandhorst zum anderen.
Forderung nach mehr Geld für neue Lehrer
Würden die Kinder sofort in die deutschen Schulen kommen, so Rudolph, würde eine große Zahl an Lehrern benötigt, die sowohl die ukrainische als auch die deutsche Sprache beherrschten. Zugleich müssten sie das deutsche Schulsystem kennen. Das sind Anforderungen, die nur die wenigsten Pädagogen aus Deutschland und der Ukraine erfüllen dürften. Dennoch fordern SPD und GAP die Landesregierung auf, kurzfristig Geld zur Verfügung zu stellen, um zusätzliche Lehrer und pädagogische Mitarbeiter einstellen zu können.
Ungewiss ist es, wie lange die ukrainischen Familien in Deutschland bleiben werden. Viele wollen schnell wieder zurück in die Heimat. Die Kinder sehen daher oft nicht ein, warum sie Deutsch lernen sollen.
Neue Schule soll unbürokratisch entstehen
Die SPD/GAP-Gruppe sehe deshalb die Beschulung der ukrainischen Schüler in einer ersten Übergangsphase in eigens zu bildenden neuen Schulklassen als sinnvoll an, so Volker Rudolph. Das Lehrpersonal müsse sowohl aus ukrainischen als auch aus deutschen Kräften bestehen. Die Beschulung könne zentral auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne stattfinden. „Damit wären für viele Kinder auch kurze Schulwege garantiert.“ Der Transport aus dem Containerdorf in Extum würde mit Bussen gewährleistet.
Für die kurzfristig zu engagierenden Lehrkräfte dieser Übergangsklassen müssen laut Volker Rudolph die Qualifikationsbedingungen der vorhandenen Notlage angepasst werden. „Die Voraussetzung einer Einstellung sollte nicht an die notwendige Qualifikation für das Abnehmen einer Abschlussprüfung gebunden sein.“ Das bedeutet, dass laut SPD und GAP diese Lehrer nicht dieselben Nachweise erbringen müssten wie ihre deutschen Kollegen. Unbürokratische kurzfristige Hilfe stehe im Vordergrund. „Für eine langfristige Integration ins deutsche Schulsystem gelten natürlich andere Bedingungen“, sagt Volker Rudolph. Über diese müsse zu gegebener Zeit bei einer sich klärenden politischen Lage erneut nachgedacht werden.
Erstes Gespräch beim Landkreis Aurich hat stattgefunden
Die Gruppe richtet ihren Antrag nicht nur an die Stadt und das Land Niedersachsen. Auch der Landkreis Aurich wird darin aufgefordert, sich für das skizzierte Modell der Übergangsbeschulung einzusetzen. Denn Hilfe für die Ukraine bedeute auch, kreative Lösungen zu finden und Lösungen nicht an bürokratischen Hürden scheitern zu lassen.
Beim Landkreis Aurich hat derweil in dieser Woche ein Abstimmungsgespräch stattgefunden, an dem sowohl die Schulen als auch die Stadt Aurich, aber auch Vertreter der Kreisvolkshochschule teilgenommen haben. Das bestätigt Kreissprecher Nikolai Neumayer auf ON-Anfrage. Dabei seien bereits konkrete Lösungsvorschläge vorgebracht und erste Vereinbarungen getroffen worden, wie mit der Situation der ukrainischen Schulkinder zukünftig umgegangen werden soll. Vor allem müsse eine bedarfsgerechte Verteilung stattfinden.
Land verspricht mehr Geld für Schulen
Beispielsweise werde die Zusammenarbeit durch einen von der Stadt koordinierten kontinuierlichen Austausch der zur Verfügung stehenden sowie benötigten Kapazitäten intensiviert, so Neumayer. Parallel werde die KVHS den Bedarf im Bereich Sprachförderung ermitteln und koordinieren. „Wie die konkrete Ausgestaltung bezüglich der Verteilung aussehen wird, liegt natürlich auch an der weiteren Entwicklung und muss individuell daran angepasst werden.“ Die Schülerbeförderung werde durch den Landkreis sichergestellt, um gegebenenfalls eine Verteilung auf mehrere Schulstandorte zu organisieren.
Laut einem Bericht der Tagesschau fehlen in Deutschland über 12.000 Lehrer. Wie die Unterrichtsversorgung in Niedersachsen beziehungsweise im Landkreis Aurich aussieht, konnte das Regionale Landesamt für Schule und Bildung auf ON-Anfrage nicht mitteilen. Zwar seien die Zahlen Anfang September vorigen Jahres bei den Schulen erhoben worden, so Sprecherin Bianca Trogisch. Deren Auswertung dauere aber noch an.
Im niedersächsischen Landtag hat hingegen am Donnerstag Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) zugesagt, dass die Schulen kurzfristig Mittel zur Verfügung gestellt bekommen sollen, um Vertretungskräfte und anderes pädagogisches Fachpersonal zu beschäftigen. Das ei auch gedacht, um die Beschulung der ukrainischen Kinder und Jugendlichen zu gewährleisten. Julia Hamburg wies aber auch darauf hin, dass es eine große Herausforderung sei. Es gebe in Niedersachsen einen Höchststand an Lehrern. „Aber es sind eben auch die Zusatzbedarfe auf einem Höchststand. Und so können diese vielen Einstellungen die Entwicklungen nicht hinreichend kompensieren. Wir haben rund 25.000 Schülerinnen und Schüler mehr in den Schulen.“
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