Hamburg  Kann der Panther dem russischen Superpanzer T14 die Stirn bieten?

Sören Becker
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Von Sören Becker
| 26.01.2023 10:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Der Panther soll dem russischen Superpanzer T-14 die Stirn bieten. Foto: dpa/Julian Stratenschulte
Der Panther soll dem russischen Superpanzer T-14 die Stirn bieten. Foto: dpa/Julian Stratenschulte
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Der russische T-14 Armata soll der modernste Panzer der Welt sein. Die Antwort der deutschen Rüstungsindustrie ist bereits in Arbeit: Der Panther.

Ein britischer Geheimdienstler hat ihn als den modernsten Kampfpanzer der Welt bezeichnet: der künftige russische Kampfpanzer T-14. Viele Details über das groß angekündigte Gefährt bleiben geheim, obwohl es erstmals 2015 bei einer Militärparade in Moskau vorgeführt wurde. Die russische Armee scheint über 20 Vorserienmodelle des Panzers zu verfügen. Zumindest auf dem Papier sieht der T-14 bedrohlich aus.

Demnach ist er mit einer Höchstgeschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde schneller als westliche Kampfpanzer. Das kann beim Beschuss mit eher langsam fliegenden Abwehrraketen wertvolle Sekunden gutmachen.

Erreicht wird das Plus an Geschwindigkeit auch durch das vergleichsweise geringere Gewicht des T14 erreicht. So wiegt der deutsche Leopard 2 etwa 69 Tonnen, während der amerikanische Abrams stolze 78 Tonnen auf die Waage bringt. Bei vergleichbarer Motorleistung von rund 1500 PS ist der T14 nur etwa 55 Tonnen schwer. Das geringere Gewicht dürfte ihn auch geländetauglicher machen, etwa wenn Brücken überquert werden müssen. 

Geschafft haben die russischen Ingenieure das, indem sie eine klassische Schwachstelle von Kampfpanzern unter Kontrolle gebracht haben. Der Geschützturm ist nicht nur für einen guten Teil des Gewichts eines Kampfpanzers verantwortlich, er ist auch eine Schwachstelle, weil er viel empfindliche Sensorik beinhaltet und dabei leicht zu treffen ist.

„Ohne den Geschützturm ist ein Panzer im Grunde eine große Konservendose auf Ketten“, erklärt Näbig. Anders als etwa beim Leopard ist der Turm beim T-14 unbemannt, weswegen er kleiner sein kann und mit weniger Panzerung auskommt.

Ob der T-14 wirklich so ein Erfolg wird, muss sich im Kampfeinsatz noch zeigen. In der Ukraine haben die Russen ihren neuen Panzer zumindest noch nicht eingesetzt. Auf dem Schlachtfeld wurde der Panzer erst einmal in Syrien ausprobiert. Nichtsdestotrotz gibt es bereits Interesse aus Indien, Ägypten, Belarus und Vietnam.

„Den aktuellen westlichen Panzern ist der T-14 etwa fünf bis sieben Jahre voraus“, erklärt Panzerexperte Roger Näbig. Der hauptberufliche Rechtsanwalt und Völkerrechtler beschäftigt sich privat und beruflich seit 40 Jahren mit Kriegsgerät. „Es handelt sich nicht um eine Wunderwaffe, aber um einen Meilenstein in der Panzerentwicklung“, findet er.

Nach Einschätzung von Näbig stellt der T-14 einen Strategiewechsel in der russischen Panzerentwicklung dar: „Große Panzerschlachten wie im Zweiten Weltkrieg gehören sicherlich der Vergangenheit an“, erklärt er.

Dort hatten vergleichsweise robuste und schnell zu bauende Panzer die technisch anspruchsvolleren deutschen Tanks durch ihre Überzahl in Schach gehalten. Eine Strategie, die sowjetische und später russische Panzerbauer auch im Wettrüsten des kalten Krieges mit späteren Modellen, wie dem T-72 verfolgten.

Der neue Panzer bricht mit dieser Tradition. Er kostet pro Stück umgerechnet fünf bis sechs Millionen Euro, und ist damit wesentlich teurer als seine Vorgänger. Dafür ist er aber technisch deutlich moderner und besser gepanzert. Mit den aktiven und passiven „Afganit“ und „Malachit“-Systemen kann er etwa Panzerabwehrgranaten selbstständig aufspüren und zerstören. Diese in Russland entwickelte Technik wird im Westen bereits seit Jahrzehnten eingesetzt, aber bei russischen Panzern nur bedingt verbaut

Die Antwort der Nato auf die angebliche russische Wunderwaffe könnte der KF-51, vulgo Panther, aus dem Hause Rheinmetall werden. Dieser wurde im vergangenen Sommer vorgestellt. Er basiert auf der Wanne des Leopard 2, deren Gewicht aber reduziert wurde, sodass der ganze Panzer nur noch 59 Tonnen auf die Waage bringen soll.

Bewaffnet ist der Panther mit einem 130-mm Geschütz, also deutlich größer als seine Vorgänger wie der Leopard. „Seine umfangreiche Bewaffnung, seine Sensorik, seine Vernetzung, sein umfassendes Schutzkonzept und seine hohe Beweglichkeit sorgen auf den Gefechtsfeldern der Zukunft für überlegene Kampfkraft“, erklärt Rheinmetall auf Anfrage unserer Redaktion. Viel mehr ist über den Rheinmetall-Panzer jedoch nicht bekannt. Fragen nach Länge, Breite und Höchstgeschwindigkeit des Gefährts ließ Rheinmetall unbeantwortet.

Ralf Ketzel, Chef beim Konkurrenten Kraus-Maffei-Wegmann bezeichnet das Projekt despektierlich als „3D-Powerpoint-Präsentation“ und würde lieber weiter auf den Leopard setzten, den Rheinmetall gemeinsam mit KMW produziert. Zumindest bis 2035 das „Main-Ground-Combat-System“, das in Deutschland Leopard 3 heißen soll, fertig entwickelt ist.

Dieses entwickelt sein Haus gemeinsam mit dem französischen Rüstungskonzern Nexter. Dort ist man mit der Entwicklung jedoch nicht viel weiter als beim „Panther“. Eine erste Systemdemonstration ist für 2024 bis 2028 angekündigt. Bis beide Panzer einsatzbereit sind, dürfte es jedoch noch bis 2035 dauern.

Auch Näbig ist vom Panther nicht überzeugt. „Das ist im Grunde alter Wein in neuen Schläuchen“, findet er. Anders als der T-14 handle es sich „um eine Evolution, keine Revolution“. Insbesondere im Turm sieht er einen Nachteil gegenüber dem russischen Konkurrenten. Dieser braucht zwar keinen Ladeschützen mehr, aber ist nach wie vor bemannt.

Er muss deshalb größer sein und ist leichter zu treffen. Daher erfordert er eine schwere Panzerung, die das Fahrzeug behäbiger macht. Auch das große Kaliber der Bewaffnung habe Nachteile, obwohl es für mehr Durchschlagskraft sorgt.

So könne der Panther nur etwa dreißig Granaten, die bei einem 130 mm Kaliber jeweils 35 Kilogramm wiegen müssten, transportieren. „Das ist beim Nachladen zu schwer für eine Person und zu wenig Schuss“, erklärt er. Bei dreißig Schuss sei höchstens mit zehn Treffern zu rechnen, was die Ausdauer des Panzers behindere. Zudem verringere sich die Zahl der Granaten noch, wenn Drohnen oder ein zusätzlicher Soldat an Bord sind.

Näbigs Urteil ist klar: „Das ist alles noch nicht ausgegoren“, glaubt er. Rheinmetall hält auf jeden Fall an der Marktreife für 2035 fest. Man habe bereits „zahlreiche Interessenten aus verschiedenen Ländern“. Näbig ist skeptischer: „Bis 2040 wird in Westeuropa kein moderner Panzer über die Felder rollen“, glaubt er. Der Leopard 2 wäre dann mehr als sechzig Jahre alt.

Russland arbeitet derweil schon an der Entwicklung von Schützenpanzern auf Basis des neuen Modells. „Wenn der T-14 in Serie gehen sollte und in größeren Stückzahlen in das russische Heer eingeführt wird, dann muss sich der Westen warm anziehen“, glaubt Näbig.

Roger Näbig bloggt unter dem Titel „Konflikte und Sicherheit“ über alles was mit Sicherheit zu tun hat. Auch über Waffen und Sicherheitspolitik.

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