Norddeutschland So viele Millionen erbeuteten falsche Polizisten 2022 in Norddeutschland von Senioren
Als falsche Polizisten bringen Betrüger per Telefonanruf Senioren um ihr Erspartes. 2022 haben sie so viel Geld erbeutet wie noch nie. Wie die Betrugsmasche funktioniert und wie Sie sich davor schützen können.
In Norddeutschland zählten die Landeskriminalämter im vergangenen Jahr mehr als 12.800 Anrufe durch falsche Polizisten. Mit der Masche haben Betrüger in Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern 2022 etwa 8,4 Millionen Euro erbeutet. Das geht aus einer Recherche des NDR hervor.
Allein in Niedersachsen haben Betrüger, die sich als falsche Polizisten ausgeben, 2022 so viel Geld erbeutet wie noch nie: mindestens 4,5 Millionen Euro. 200 Taten waren das laut Landeskriminalamt.
Das Landeskriminalamt Hamburg beziffert den Schaden des vergangenen Jahres auf mehr als 2,1 Millionen Euro, erbeutet in 55 Fällen.
In Schleswig-Holstein waren es 1,2 Millionen Euro bei 24 Taten, in Mecklenburg-Vorpommern beläuft sich der Schaden auf mehr als 627.000 Euro, erbeutet durch 29 Taten.
Die einzelnen Geschädigten verloren dabei oft mehrere Zehntausend Euro, im Schnitt waren es rund 27.000 Euro.
Die Stadt Izmir im Westen der Türkei gilt bei deutschen Ermittlungsbehörden als Zentrum für den Callcenter-Betrug. Von hier aus rufen Trickbetrüger täglich Senioren in Deutschland an. Ihr Ziel: sie um ihr Erspartes bringen. Sie geben sich am Telefon als Staatsanwälte, Bankmitarbeiter oder Polizisten aus. Den Angerufenen werden über sogenanntes „Call ID Spoofing“ deutsche Nummern angezeigt, obwohl die Täter aus dem Ausland anrufen.
Die Täter, die in der Türkei Callcenter aufgebaut haben, haben laut Henning Wilker, Staatsanwalt in Osnabrück, eigentlich immer eine kriminelle Karriere in Deutschland. Viele seien abgeschoben worden oder aus Angst vor Verhaftung oder Vollstreckung geflüchtet.
Der NDR hat mit einem Mann, der von Izmir aus Senioren betrügt, gesprochen. Ihm zufolge arbeiten die Betrüger in den Callcenter in unterschiedlichen Rollen. Es gibt sogenannte „Filterer“, „Abschließer“ und „Abholer“.
Der Filterer sucht in Online-Telefonbüchern nach deutschen Senioren als potenzielle Opfer. Sie werden vor allem anhand von Vornamen, die eher ältere Menschen tragen, identifiziert. Dann wird über Online-Karten die Nachbarschaft ausgespäht: Welche Straßennamen gibt es dort, welche Bushaltestellen, Geschäfte und die Adresse der nächsten Polizeistation. Mit diesen Informationen wird am Telefon agiert, so wirken die Betrüger glaubhaft.
Der Abschließer erhält die recherchierten Daten und bringt das Opfer dann dazu, Geld an einen weiteren Komplizen, den sogenannten Abholer, in Deutschland zu übergeben oder zu überweisen.
Um nicht Opfer von Telefonbetrug zu werden, raten Präventionsexperten zu folgenden Vorsichtsmaßnahmen:
Lesen Sie auch: Anruf von „Europol“? Macht nicht den gleichen Fehler wie ich
Im Falle eines Anrufs von einem vermeintlichen Polizisten, Staatsanwalt oder Bankmitarbeiter gelten folgende Verhaltens-Regeln: