Deutschland Energiekrise und Immobilien: Diese sieben Tipps sollten Mieter und Eigentümer kennen
Wie sehr wirbeln steigende Zinsen, Baukosten und Energiekosten den Markt durcheinander? Was müssen Eigenheimbesitzer und Mieter wissen? Sieben wichtige Fragen und Antworten aus unserem Livetalk.
Michael Pohl vom Verband Deutscher Grundstücksnutzer und Birgit Wordtmann von der niedersächsischen Verbraucherzentrale beschäftigen sich intensiv mit der Frage, wie sich die Entwicklung auf dem Immobilienmarkt auf Mieter und Eigentümer auswirkt. Aktuell unterliegen sowohl Kaufpreise als auch die Baukosten großen Schwankungen. Das wirft viele Fragen auf.
1. Platzt die Immobilienblase jetzt?
Laut unserem Experten Michael Pohl sind zumindest Anzeichen dafür erkennbar. „Die Nachfrage nach leerstehenden Wohnungen ist gewachsen. Gleichzeitig sinkt sie bei vermieteten Wohneinheiten, weil da die Preise explodiert sind. Die steigenden Zinsen machen sich auf dem Markt auch immer stärker bemerkbar, zumal die Meisten Ihr Wohneigentum mit Krediten finanzieren“, sagte er in unserem Livetalk.
2. Was sollten Privatleute tun, die gerade Bauprojekte planen?
2022 sind die Baukosten im Schnitt um 17 Prozent gestiegen. Bestimmte Faktoren sorgen laut Birgit Wordtmann dafür, dass sich dieser Trend sehr wahrscheinlich fortsetzen wird. „Es gibt viele Engpässe, es fehlen Energieberater und in der Umsetzung auch viele Handwerker.“
Wordtmann hat einen entscheidenden Rat an alle, die kleinere oder größere Bauprojekte planen: „Man sollte trotz all dieser Entwicklungen nie emotional reagieren, sondern immer eine möglichst rationale Entscheidungen treffen und alles in Ruhe durchkalkulieren.“
3. Droht eine Einteilung in gut und schlecht sanierte Häuser?
Die Frage, ob schlecht gedämmte Häuser künftig im Vergleich zu energieoptimierten Immobilien abfallen, beschäftigt viele Eigentümer. Michael Pohl bestätigt diese Sorge und bilanziert: „Ja, das spielt jetzt schon eine Rolle. Die Banken schauen auch ganz genau nach, welche Folgekosten entstehen könnten.“
Wordtmann sieht das ähnlich: Genau diese Einteilung werde es geben, „weil die Nebenkosten nun mal jetzt auch eine wesentlich größere Rolle spielen.“ Das in der Vergangenheit von vielen Eigentümern mit Gasheizung hervorgebrachte Argument, ihr Heizsystem nicht auszutauschen, weil die Versorgung mit Gas so günstig sei, habe zudem Gültigkeit verloren.
4. Sollte jetzt also jeder sanieren, der noch nicht saniert hat?
Was früher vielleicht nur etwas für Überzeugungstäter war, könnte nun also zur Aufgabe für viele Millionen Hausbesitzer werden. Indikatoren, die für eine energetische Sanierung sprechen, sehen sowohl Pohl als auch Wordtmann zumindest haufenweise.
„Wenn mein Haus wenig Energie verbraucht, kann ich mich zumindest ein Stück weit entkoppeln“, bilanziert Wordtmann. Sie rät aber dringend dazu, sich dabei professionelle Unterstützung zu holen. „Die Zusammenarbeit mit einem Energieberater ist enorm wichtig.“ Maßnahmen, die schnelle Effekte erzielen können, seien zum Beispiel eine Dreifachverglasung der Fenster oder eine bessere Dämmung der Geschossdecke.
5. Wie teuer ist die energetische Sanierung des eigenen Hauses?
Auf die Frage aller Fragen für Eigentümer schlecht gedämmter Häuser gibt es keine einfache Antwort. Das bestätigt auch Wordtmann, die aber dennoch eine grobe Faustformel angibt: „Aktuell würde ich sagen, dass sich zum Beispiel beim Austausch der Fenster eines durchschnittlich großen Einfamilienhauses mit 500 Euro je Quadratmeter rechnen lässt.“
Bei der Fassadendämmung geht Michael Pohl von 150 Euro pro Quadratmeter aus. Von teuren Solardächern rät er allerdings entschieden ab. „Man muss ja mal damit aufräumen, dass sich damit eine komplette Autarkie erreichen ließe.“ Das sei letztlich ein Märchen. Seine Empfehlung: Die eigenen Investitionen zur energetischen Sanierung zuerst in die Dämmung zu stecken. Das sei effektiver und zahle sich schneller aus.
Auch Birgit Wortmann sieht das so. „Ich kann nur sagen, man sollte nicht einfach drauf los sanieren. Es ist wichtig, sich mithilfe professioneller Beratung einen Masterplan zu machen.“ Die Sanierung müsse eben letztlich zu den eigenen Möglichkeiten und Anforderungen passen.
6. Sind künftig steigende staatliche Förderungen zu erwarten?
Aktuell werden diverse Sanierungsmaßnahmen staatlich gefördert, etwa der Einbau einer Wärmepumpe oder auch die Fassadendämmung. Für letztere gibt es zwischen 15 und 35 Prozent der Investitionssumme zurück. Bei Wärmepumpen sogar zwischen 25 und 40 Prozent.
Wie bei Sanierungsmaßnahmen gibt es auch beim Kauf eines E-Autos staatliche Förderungen. Ob sich E-Autos bei hohen Strompreisen lohnen, zeigt unser Livetalk zum Thema.
Dennoch bleiben sowohl Pohl als auch Wordtmann dabei sehr zurückhaltend. „Jeder, der jetzt nicht unbedingt sofort eine Wärmepumpe braucht, sollte damit noch warten.“ Der Grund: Durch die drastisch gestiegene Nachfrage an den Heizsystemen seien die Preise derzeit künstlich in die Höhe getrieben worden. 60 Prozent Eigenanteil könnten dann immer noch viel Geld sein, das sich nicht immer rentiere, so Wordtmann.
Wie lange die staatlichen Förderungen noch zur Verfügung stehen, ist zudem ungewiss. Langfristig sei nicht undenkbar, dass energetische Optimierungen verpflichtend würden, sind sich beide Experten einig. Wordtmann macht auf ein paradoxes Phänomen aufmerksam: „Das Problem ist, dass steigende Fördertöpfe die Gesamtpreise auch wieder antreiben.“ Und es sei „ja heute schon schwierig, den Förderdschungel zu überblicken“, ergänzt Pohl.
7. Und wie reagiere ich als Mieter auf hohe Nebenkosten?
Wer in eine Mietwohnung umzieht, muss aktuell vielerorts mit extrem hohen Nebenkosten rechnen. „Das Problem ist, dass Vermieter beim Verbrauchsausweis die Werte vom Vormieter ausgehend berechnen“, erklärt Wordtmann. Vor dem Einzug könne dort theoretisch auch eine mehrköpfige Familie gewohnt haben, die natürlich einen höheren Verbrauch habe als Singles.
Es gebe auch noch den sogenannten Bedarfsausweis. Bei diesem werde der Energieverbrauch des Gebäudes anhand eines Standardwerts berechnet. „Lassen Sie sich immer beides zeigen“, rät die Verbraucherschützerin und fügt hinzu: „Beschäftigen Sie sich mit ihrem eigenen Verbrauch.“ Dann lasse sich ein realistischer Wert besser einschätzen, den man für sich selbst benötige.
Die Gaspreisbremse, fürchtet Wordtmann, könne ab ihrem Starttermin im März 2023 zudem zu Konflikten führen, da sie rückwirkend zum 1. Januar angewendet werden soll. „Dokumentieren Sie im Konfliktfall alles, was Sie können“, rät Wordtmann.