Osnabrück Die tolle Tigges-Show – und wie Osnabrücks Südkreis mitgefiebert hat
Zwei Torvorlagen und zwei Tore, eines davon aus 47 Metern: Der in Osnabrück geborene und lange Jahre beim VfL aktive Steffen Tigges war die prägende Figur beim 7:1-Sieg seines 1. FC Köln gegen Werder Bremen zum Restrundenauftakt in der Fußball-Bundesliga.
Mal ehrlich: Hatten nicht viele Beobachter Tigges mal wieder bereits abgeschrieben mit Blick auf die Verpflichtung von Davie Selke durch den 1. FC Köln als Konkurrent auf der Position des Neuners? Nicht alle dürften erwartet haben, dass der über lange Jahre in der Bundesliga erprobte Selke zuerst auf der Bank platznehmen musste - und Tigges von Beginn an ran durfte. Offensichtlich traf Trainer Steffen Baumgart aber genau die richtige Entscheidung - denn Tigges sollte gegen Werder und seinen Ex-VfL-Teamkollegen Christian Groß so gut abliefern wie noch nie zuvor in der Bundesliga.
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Denn nach dem frühen 1:0 durch den an diesem Tag ebenfalls überragenden Linton Maina schlug die Stunde von Tigges: Erst traf er mit einem Linksschuss, der noch leicht abgefälscht wurde, zum 2:0, ehe er den Ball aus 47 Metern per Bogenlampen-Chip gegen den nach einer Abwehraktion weit herausgelaufenen Werder-Keeper Jiri Pavlenka zum 3:0 versenkte. „Ich habe erst überlegt, ob ich überhaupt schießen soll. Dann habe ich gedacht: Den musst du nehmen! Es war so ein Tag, an dem alles funktioniert hat. Ob ich so ein Tor noch mal schieße, ist aber fraglich“, sagte Tigges hinterher bescheiden zu seinem Treffer.
Damit aber nicht genug, denn Tigges sollte noch zwei weitere Tore auflegen: Zuerst etwas glücklich nach Mainas Hereingabe mit dem Stollen in Richtung des wohl im Abseits stehenden Torschützen Enis Skhiri, dann per Querpass mit Übersicht auf Torschütze Denis Huseinbasic zum 5:0 nach nur 36. Minuten. Unter dem tosenden Applaus der 50000 im ausverkauften Rheinenergie-Stadion durfte Tigges, der einst beim TuS Glane das Kicken lernte und nach wie vor Kontakt in seine Heimat hält, als gefeierter Held nach 59 Minuten Feierabend machen und seinen Platz für Selke räumen.
Die Tatsache, dass der lange Jahre beim VfL Osnabrück ausgebildete Tigges vier Scorer-Punkte an einem Abend holte und damit mehr als in allen 15 bisherigen Liga-Einsätzen für den FC zusammen, kommentierte der glückliche Tigges grinsend: „Entweder zeigt das, dass ich nicht so viel getroffen habe in der Hinrunde oder es war ein sehr gutes Spiel. Darauf können wir auf jeden Fall aufbauen.“
Steffen Baumgart war indes voll des Lobes, wobei der FC-Trainer vor allem das erste Tor von Tigges zum Schwärmen brachte. „Weil wir am ersten Kontakt gearbeitet haben und er da genau den Ablauf gezeigt hat, den ich mir von ihm wünsche. Das andere schießt Tiggi einmal im Leben. Wie er es gemacht hat, war richtig gut, weil er die absolute Ruhe bewahrt hat. Ich hätte das nicht hinbekommen.“
Die Gala des Steffen Tigges dürfte nicht wenige im Osnabrücker Südkreis in und rund um Bad Iburg so richtig gefreut haben. Überliefert ist es mit Sicherheit von Helmut Buschmeyer als TV-Zuschauer der Partie. Die Enkelin des Ehrenvorsitzenden des Fußballkreises Osnabrück Sara hat als Freundin von Tigges das Spiel im Stadion verfolgt und stand dabei im Austausch mit Buschmeyer über Kurznachrichten auf dem Handy - ebenso wie die meisten Zuschauer ungläubig und begeistert ob der Ereignisse.
„Mir hat der Wein nach jedem Tor besonders gut geschmeckt“, machte Buschmeyer aus seiner Begeisterung keinen Hehl. Viele Freunde hätten sich bereits während der laufenden Partie bei ihm gemeldet. „Nun muss die Leistung der Geißbock-Elf kompensiert werden. Aber heute ist heute“, fand Buschmeyer am Samstagabend die besten Worte für einen Fußball-Feiertag im Osnabrücker Südkreis.
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