Hannover Niedersachsen: Warum Weil auf Behrens als neue Innenministerin setzt
Daniela Behrens steigt zur neuen Innenministerin auf und fühlt sich „sehr geehrt“. An ihre Stelle im Gesundheitsministerium rückt Andreas Philippi. Aber wer ist das?
„Nervenstark, belastbar, überzeugend und kommunikativ stark“: Stephan Weil macht keinen Hehl daraus, dass er große Stücke auf Daniela Behrens hält. Der Ministerpräsident hatte die 54-Jährige aus dem Wahlkreis Geestland im Kreis Cuxhaven bereits im März 2021 nach Hannover geholt, um in seinem Bundesland als Gesundheitsministerin die Corona-Pandemie zu managen.
Der Plan ging auf. Nun belohnt Weil die erfahrene SPD-Politikerin und frühere Journalistin, die von 2013 bis 2017 bereits als Staatssekretärin im niedersächsischen Wirtschaftsministerium und vor ihrer Rückkehr in die Landespolitik im Bundesfamilienministerium tätig war (2019 bis 2021), also mit dem nächsten Karriereschritt. Daniela Behrens wird Niedersachsens neue Innenministerin. Sie tritt am kommenden Mittwoch offiziell die Nachfolge von Boris Pistorius (62) an, der in dieser Woche in Berlin als neuer Bundesverteidigungsminister vereidigt wurde.
Die Ministerin hatte dem „Vertretungsplan“ der Landesregierung folgend bereits die kommissarische Leitung des Innenministeriums übernommen. Außerdem dürfte Behrens auch als Abgeordnete für Pistorius in den Landtag nachrücken. Zumindest ist sie die Erste auf der Liste.
Daniela Behrens fühlt sich nach eigenen Worten mit Blick auf den Amtswechsel „sehr geehrt“. Ob sie die erste Wahl gewesen ist? Weil antwortet diplomatisch: „Wir haben sehr schnell miteinander geredet.“ Ob sie sofort zugesagt habe? Behrens musste offenbar nicht lange überlegen. Sie habe dem Ministerpräsidenten jedenfalls eine „zügige und deutliche“ Rückmeldung gegeben.
„Niedersachsen ist ein sicheres Land und das soll es auch bleiben“, betont Behrens am Freitag bei der Vorstellung der Personalie in Hannover. Ihr Vorgänger Boris Pistorius habe „hervorragende Arbeit“ geleistet, daran werde sie anknüpfen, sagt die Neue und fügt selbstbewusst hinzu: „Ich habe den Mut, das Innenministerium zu leiten.“
Behrens ist übrigens in der Geschichte des Landes Niedersachsens die erste Frau an der Spitze des Ministeriums für Inneres, in dem auch der Sport im Land angesiedelt ist. „Ich hoffe, dass das Haus mit einer starken Frau umgehen kann“, merkt Behrens augenzwinkernd an.
Lob kam direkt von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Niedersachsen. Landeschef Kevin Komolka zeigte sich gegenüber unserer Redaktion „voll zufrieden“ mit der Personalentscheidung.
Eine Entscheidung, die allerdings auch einen Wechsel an der Spitze des Sozial- und Gesundheitsministeriums nach sich zieht. Hier ist Weil nicht etwa in der Landespolitik fündig geworden, sondern er holt den Bundestagsabgeordneten und Mediziner Dr. Andreas Philippi (Wahlkreis Göttingen) von Berlin nach Hannover. Der 57-jährige Facharzt für Chirurgie und Notfallmedizin ist „sehr stolz auf das entgegengebrachte Vertrauen“ und sichert zu, sich schnell in sein Ministeramt einzuarbeiten.
Warum Philippi? „Gesundheit und Pflege – vor allem auch im ländlichen Raum – gehören zu den wichtigsten Themenbereichen in den kommenden Jahren“, ist Ministerpräsident Weil überzeugt. Daher habe er sich für jemanden entschieden, der nicht nur Politiker, sondern auch Praktiker sei.
Philippi arbeitet nämlich eigenen Worten zufolge neben seiner Tätigkeit als Bundestagsabgeordneter 30 Stunden im Monat als niedergelassener Arzt. Ob dieser Bezug zur Praxis künftig als Minister mit der Verfassung in Niedersachsen in Einklang zu bringen sei, wisse er allerdings nicht, scherzte der Mediziner. Die Antwort seines neuen Chefs Weil kam prompt: „Bezahlt nicht.“
Philippi soll laut Weil am kommenden Mittwoch vereidigt werden. „Bei Daniela Behrens muss ich lediglich einen Brief überreichen, ergänzte der Ministerpräsident.