Hannover Boris Pistorius zwischen politischem Höhenflug und privaten Krisen
Die politische Karriere von Boris Pistorius kennt nur eine Richtung: nach oben. Privat indes hatte der Osnabrücker schon einige Rückschläge zu verschmerzen: Den Krebstod seiner Frau und die Trennung von Doris Schröder-Köpf.
Boris Pistorius wird gern als robust und durchsetzungsstark beschrieben. Diese Eigenschaften mögen auch damit zusammenhängen, dass der in einem Osnabrücker Industrie- und Arbeiterviertel aufgewachsene Fan des VfL es aus einfachen Verhältnissen zum Spitzenpolitiker gebracht hat. „Ich denke gerne an meine glückliche Kinder- und Jugendzeit in Schinkel zurück“, schreibt der neue Verteidigungsminister auf seiner eigenen Homepage.
Im Alter von 16 Jahren war der heute 62-Jährige damals in die SPD eingetreten. Danach ging es zumindest beruflich für den Sozialdemokraten, der seit 2017 auch Mitglied im Bundesvorstand der SPD ist, nahtlos bergauf.
1978: Abitur am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium in Osnabrück, 1978 bis 1980: Lehre zum Groß- und Außenhandelskaufmann, 1980: Kaufmännischer Angestellter, 1980 bis 1981: Wehrdienst, 1981 bis 1987: Studium der Rechtswissenschaften in Osnabrück und Münster, 1982 bis 1983: Studium Französisch Université Catholique de l´Ouest, Angers, Frankreich, 1987: 1. Juristisches Staatsexamen, 1987 bis 1990: Referendariat und 2. Staatsexamen, 1990: Rechtsanwalt, 1991: Eintritt in die niedersächsische Landesverwaltung und unter anderem persönlicher Referent von Ex-Innenminister Gerhard Glogowski (SPD), 2006 bis 2013: Oberbürgermeister der Stadt Osnabrück, 2013 bis 2023: Innenminister und seit diesem Donnerstag nun Verteidigungsminister der Bundesrepublik Deutschland.
Für Pistorius ist das die persönliche Krönung seiner politischen Karriere, die er stets mit großem Ehrgeiz und eiserner Disziplin vorangetrieben hat.
Privat indes verlief es für den kernigen und sportlichen Typen, der früher viel Fußball gespielt hat, als Turner aktiv war und auch heute noch im Urlaub lieber wandert als die Füße hochzulegen, nicht immer nur geradeaus.
Im August 2015 hatte er den Krebstod seiner Frau Sabine zu verschmerzen. Sie wurde nur 54 Jahre alt. Geheiratet hat Pistorius nicht wieder. Er ist verwitwet und Vater zweier erwachsener Töchter, zu denen er einen intensiven Kontakt pflegt. Pistorius ist mittlerweile sogar Großvater.
Bis vor Kurzem war der Sohn der verstorbenen Ex-Landtagsabgeordneten Ursula Pistorius mit Doris Schröder-Köpf zusammen. Auch während dieser Beziehung gab es für das Paar einen herben Rückschlag, denn Doris Schröder-Köpf bekam Ende 2020 eine neue Herzklappe. Pistorius stand in dieser schweren Zeit an der Seite seiner Lebensgefährtin, die nach der Operation zwei kleinere Schlaganfälle erlitt und viel Bewegung verordnet bekam.
Im Gespräch mit unserer Redaktion sagte die ehemalige Gattin von Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) einmal: „Heute macht Boris Krafttraining und ist ohnehin viel sportlicher als ich. Wenn er zu Hause ist, muss er mit mir marschieren.“
Im Sommer vergangenen Jahres trennten sich die beiden.
Und heute?
Boris Pistorius hält sein Privatleben am liebsten aus der Öffentlichkeit heraus. Zur Landtagswahl im Oktober kam der Spitzenpolitiker aber Hand in Hand mit Dr. Julia Schwanholz, Politikwissenschaftlerin und SPD-Mitglied aus Osnabrück. Hier ist Julia Schwanholz auch Beisitzerin bei der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen – und mit Anfang 40 ziemlich genau 20 Jahre jünger als Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius.