Pinneberg  Vorreiter der Homo-Ehe: Werner Duysen stirbt nach Überfall in Brasilien

Jan Schönstedt
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Von Jan Schönstedt
| 19.01.2023 12:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
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Werner und Wolfgang Duysen aus Schleswig-Holstein waren eines der ersten homosexuellen Ehepaare in Deutschland. In Brasilien fand ihre Liebe ein brutales Ende. Werner Duysen starb nach einem Raubüberfall. Im Gespräch schildert sein Ehemann, was ihm jetzt Kraft gibt.

Werner Duysen war ein großer Kämpfer für die Rechte homosexueller Paare in Deutschland. Gemeinsam mit Ehemann Wolfgang zog er einst sogar bis vor das Bundesverfassungsgericht, um bei der Hinterbliebenenversorgung gleichberechtigt zu werden. Jetzt ist der Pinneberger tot, gestorben nach einem Raubüberfall in Brasilien.

Werner und Wolfgang Duysen waren 2017 bundesweit bekannt geworden. In Hamburg gaben sie sich als eines der ersten homosexuellen Paare in Deutschland das Ja-Wort.

Reisen haben die Pinneberger geliebt. So hatten sie sich bereits am 26. November 1997 auf Hawaii trauen lassen. Es war der 25. Jahrestag ihres Kennenlernens.

So schön ihr Eheleben im Urlaub begann – so bitter endete es nun auch im Urlaub. Werner Duysen überlebte die Folgen eines brutalen Raubüberfalls am 8. Dezember 2022 in der brasilianischen Hafenstadt Recife nicht. Der 81-Jährige verstarb wenige Tage später in einem Krankenhaus.

Wolfgang Duysen wird die schrecklichen Bilder des Überfalls nicht mehr vergessen. Im Gespräch mit unserer Redaktion betont der 79-Jährige aber, dass die vielen schönen Momente mit Werner, die Erinnerungen an ihre Hochzeiten und die gemeinsamen Freunde ihm in dieser schweren Zeit Halt geben.

Nachdem der Tod seines Mannes durch Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank am Mittwoch via Instagram öffentlich gemacht wurde, ärgern Wolfgang Duysen die vielen falschen Medienberichte. Darin wird unter anderem behauptet, Werner Duysen sei erstochen wurden.

Wolfgang Duysen ist es wichtig, seine Geschichte zu erzählen. Die Pinneberger hatten demnach am 27. November in Lissabon ein Kreuzfahrtschiff bestiegen. Es sollte bis nach Buenos Aires gehen. Doch ihre Reise endete am 8. Dezember in Recife.

In der Hafenstadt gingen Wolfgang und Werner Duysen von Bord. Sie wollten die Altstadt und die Kirche besichtigen. Als sie durch eine kleine, aber belebte Einkaufsstraße gingen, passierte es. Wolfgang Duysen erinnert sich:

Zu diesem Zeitpunkt zerrten die insgesamt fünf Täter noch an Werner Duysen herum. Wolfgang ging dazwischen. „Ich konnte in dem Moment nicht klar denken. Habe einem der Täter Auge in Auge gesehen und ihm mehrmals auf den Arm geschlagen.“

Schließlich ließen die Täter von ihnen ab und flüchteten – mit einer Sonnenbrille und einer Uhr. Werner Duysen war inzwischen wieder bei Bewusstsein. Wolfgang blieb quasi unverletzt. „Werner war ansprechbar und offene Wunden waren nicht zu erkennen. Wir haben uns ein Taxi genommen und sind zurück zum Schiff gefahren.“

Dort suchten sie sofort das Hospital auf. Die Ärzte stellten innere Blutungen fest. „Mein Mann nahm Blutverdünner. Die Blutungen ließen sich nicht stoppen“, berichtet Wolfgang Duysen.

Diesen Kampf konnte der Kämpfer für die Rechte von Homosexuellen nicht gewinnen. Er starb am 14. Dezember. Laut Gerichtsgutachten war er mehrfach mit einem stumpfen Gegenstand auf den Kopf geschlagen und mehrere Male in Magen und Bauch getreten worden.

Zwei der fünf Täter hat die Polizei inzwischen gefasst. Die 21 und 27 Jahre alten Männer wurden offenbar bei einem weiteren Überfall festgenommen, wie Wolfgang Duysen berichtet.

Fegebank wandte sich in ihrem Post direkt an Wolfgang Duysen. „Lieber Wolfgang, ich wünsche Dir besonders viel Kraft in diesen dunklen Tagen. Werner wird uns allen sehr fehlen.“

Die Grünen-Politikerin kannte das Ehepaar persönlich. Sie hatte die Pinneberger sowie 14 weitere gleichgeschlechtliche Paare für den 1. Oktober 2017 in den Großen Festsaal des Hamburger Rathauses eingeladen. Dort wurden sie getraut. An dem Tag, an dem in Deutschland die „Ehe für alle“, das Gesetz „zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts“ in Kraft trat.

Fegebank würdigte das Paar in ihrem Post für seinen Einsatz: „Werner und Wolfgang haben sich Zeit ihres gemeinsamen Lebens gegen jede Form der Diskriminierungen gegen Schwule und Lesben und für eine Gesellschaft in Vielfalt eingesetzt.“

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