Hamburg Einnahmen von 900.000 Euro: Wie finanziert sich die „Letzte Generation“?
Klimaprotest kostet Geld – das wissen auch die Aktivisten der „Letzten Generation“. Sie finanzieren sich größtenteils über Spenden. Auch eine Öl-Erbin gehört zu den Geldgebern. Fast eine Million Euro kam im letzten Jahr zusammen. Was machen Aktivisten mit dem Geld?
Die Aktivisten der „Letzten Generation” kleben sich auf Autobahnen, legen Flughäfen lahm und bewerfen Gemälde mit Kartoffelbrei. Für die Aktionen reisen die Teilnehmer teilweise aus ganz Deutschland an – das kostet Geld. Kleber und Kartoffelbrei müssen auch bezahlt werden. Wie finanziert sich die Gruppe? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:
Die „Letzte Generation“ will mit Mitteln des zivilen Ungehorsams wie Straßenblockaden, die Bundesregierung zu Maßnahmen gegen den Klimawandel zwingen. Seit Januar 2022 ist die Gruppe in Deutschland aktiv. Die Aktivisten sehen sich selbst als die „Letzte Generation“, die den Klimawandel noch aufhalten kann. Bundesweit gehören der Gruppe nach eigenen Angaben zwischen 800 und 1000 Personen an.
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Laut eines Transparenzberichts erhielt die „Letzte Generation” im vergangenen Jahr insgesamt 901.832 Euro aus Spenden. Auf Rückfragen der Redaktion reagierte die Gruppe nicht. Den Angaben zufolge kamen 283.514 Euro der Spenden über den Zahlungsdienstleister Paypal zusammen. Weitere 313.371 Euro stammen aus Sammelspenden und von Crowdfunding-Websites. 314.919 Euro erhielt die Gruppe durch Direktüberweisungen und 10.000 Euro als Darlehen. Das Geld geht auf ein nicht-gemeinnütziges Konto und die Spender erhalten keine Quittung.
Nach eigenen Angaben hat die „Letzte Generation” im vergangenen Jahr insgesamt 534.519 Euro ausgegeben. Damit machte die „Letzte Generation” einen Gewinn von 283.106 Euro. Der Großteil ging für Miete von Autos, Unterkünften und Veranstaltungsräumen drauf. Diese Grafik zeigt, wie das Geld verwendet wird:
Die „Letzte Generation” ist nicht gemeinnützig und wickelt ihre Zahlungen über ein Gruppenkonto der Plattform „elinor Treuhand e.V.” ab. „Elinor” erhebt für das Konto eine monatliche Gebühr von drei bis sechs Prozent der Einzahlungen. Die Verwendung der Spenden ist bei dieser Organisationsform kaum nachvollziehbar, denn die Organisatoren sind in der Regel niemanden rechenschaftspflichtig - weder in Bezug auf die Einnahmen, noch auf die Ausgaben.
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Neben privaten Spendern unterstützt nach eigenen Angaben indirekt der „Climate Emergency Fund“ die „Letzte Generation” – die genaue Summe ist nicht bekannt. Diese Mittel werden für „Recruitment, Training und Weiterbildung” verwendet, heißt es. Zu den größten Geldgebern des „Climate Emergency Funds” gehört Aileen Getty. Sie ist die Enkelin des Ölkonzern-Gründers Jean Paul Getty. Der Filmemacher Adam Mckay, der den Film „Don’t look up” produziert hat, gehört ebenfalls zu den Unterstützern. Weitere prominente Förderer sind Rory Kennedy, jüngste Tochter von Robert F. Kennedy, und Mitglieder der Rockefeller-Familie.
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Nach eigenen Angaben werden 41 Menschen für ihre Arbeit bei der „Letzten Generation” bezahlt. Diese Mitglieder sind beim gemeinnützigen Berliner Verein „Wandelbündnis” angestellt und halten beispielsweise Vorträge zum Klimaschutz. Bei der „Letzten Generation“ direkt sind keine Aktivisten angestellt. Die Initiative des „Wandelbündnis“ heißt „Gemeinnützige Bildungsarbeit zur Unterstützung der Letzten Generation”. Die Aktivisten erhalten nach eigenen Angaben höchstens 1300 Euro monatlich. Der „Climate Emergency Fund“ unterstützt diese Bildungsinitiative 2022 mit 50.000 Euro. Nach Angaben der „Letzten Generation“ werden nur Vorträge vergütet, Blockaden seien „ehrenamtliches Engagement”.
Die „Letzte Generation” hat nach eigenen Angaben kein Geld vom Staat bekommen. Der Zahlungsdienstleister „elinor Treuhand e.V.”, über den die „Letzte Generation” ihre Spenden abwickelt, erhielt allerdings 156.420 Euro Fördergeld vom Bundeswirtschaftsministerium. Diese Förderung bezog sich laut Ministerium auf die „Entwicklung einer Software für Gruppenkonten zur gemeinschaftlichen Geldverwaltung” und nicht auf die „Letzte Generation”.
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Die „Letzte Generation” hat bislang nur selbst Auskunft über die Finanzen gegeben. Da die Aktivisten ihre Spenden über ein Gruppenkonto abwickeln und selbst nicht als Verein organisiert sind, gibt es kaum Kontrollmechanismen. Ob die angegeben Ein- und Ausgaben stimmen, lässt sich also nicht überprüfen. Was mit dem Gewinn des letzten Jahres passiert, ist ebenfalls nicht bekannt. Es lässt sich nicht überprüfen, ob die Aktivisten, die beim „Wandelbündnis“ angestellt sind, nur Bildungsarbeit leisten und nicht aktivistisch tätig sind.