Osnabrück  Elite-Treffen in Davos: Sehnsuchtsort für ein reines Gewissen

Thomas Ludwig
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Von Thomas Ludwig
| 17.01.2023 14:59 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Ein bisschen Glanz muss sein: Weltwirtschaftsforum in Davos. Foto: picture alliance/dpa/KEYSTONE
Ein bisschen Glanz muss sein: Weltwirtschaftsforum in Davos. Foto: picture alliance/dpa/KEYSTONE
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Das Weltwirtschaftsforum in Davos hat traditionell den Anspruch, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Doch das Treffen der Reichen und Mächtigen schafft eine Illusion, die längst nicht hält, was sie verspricht.

Es steht nicht gut um die Welt. Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer - so die auf Fakten basierende Bestandsaufnahme der Entwicklungsorganisation Oxfam.

Infolge der Corona-Pandemie, des Krieges in der Ukraine und des Klimawandels wachsen weltweit Polarisierung und Spannungen. Dass das Weltwirtschaftsforum das Blatt wird wenden können, glauben nur noch dessen Gründer und Teilnehmer.

Seit nunmehr einem halben Jahrhundert fühlt sich die Traditionsveranstaltung dem Motto verpflichtet, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Handelshemmnisse, Krieg, Armut und Umweltprobleme - alljährlich sind es die gleichen Themen, die auf der Agenda stehen. Schön, dass wir darüber geredet haben! Man muss nicht erst den ökologischen Fußabdruck des Treffens heranziehen, um an seiner Sinnhaftigkeit zu zweifeln.

Hauptsächlich finanziert von rund 1000 internationalen Konzernen ist das Weltwirtschaftsforum vor allem ein informelles wie inzestuöses Netzwerk jener, die sich infolge von Finanzkraft und politischem Einfluss für die globale Elite halten. Hier kungeln Manager mit Volksvertretern, Konzernlenker mit Bankern und internationale Politiker untereinander.

Sie bestätigen einander nicht nur Gutes zu wollen, sondern auch Gutes zu tun - mit den besten Absichten zum Wohle aller. Doch hat diese schmale Elite, deren Leben schon so weit von der Realität eines Durchschnittsmenschen entfernt ist wie der Mond von der Erde tatsächlich eine Bindung an und Verständnis für die Mehrheit der Gesellschaft?

Davos ist zum Sehnsuchtsort einer ökonomischen und politischen Führungsschicht geworden, die sich von der Anwesenheit im schweizerischen Schnee-Idyll eine reinigende Wirkung fürs Gewissen verspricht. Dabei sein ist alles.

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