Hamburg Scholz und Schwesig drehen am Rad: Die Macht der Bilder
Bundeskanzler Olaf Scholz hat am Wochenende das schwimmende LNG-Terminal in Lubmin eingeweiht. Mit dabei: Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. Ausgerechnet.
Presseabteilungen von Politikern lieben das: Immer, wenn irgendetwas eröffnet wird, muss ein Politiker entweder einen Spaten in den Boden rammen, einen gigantischen Papp-Scheck überreichen oder etwas durchschneiden. Es soll Aufbruch symbolisieren, und bei den allermeisten durch jahrzehntelange Spatenstichbilder konditionierten Bürgern wirkt das wohl auch.
Nun also Lubmin: Hier musste Bundeskanzler Olaf Scholz an einem großen Rad drehen, um die fertiggestellte Rohrleitung mit dem frischen Gas zu fluten, das ab jetzt die Versorgungssicherheit in Deutschland mit gewährleisten soll.
Die große Geste aber verlor etwas an Schwung, denn neben Scholz stand Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. Die steht eher nicht für den Aufbruch in ein neues Energie-Zeitalter: War sie es doch, der die deutsche Abhängigkeit von russischem Gas so wichtig war, dass sie sogar mithilfe einer Schein-Stiftung die Inbetriebnahme der NordStream 2-Pipeline durchboxen wollte. Dazu ermittelt jetzt ein Untersuchungsausschuss im Schweriner Landtag, manche Beobachter fragen sich, warum sie eigentlich noch im Amt ist.
Nun aber stand Schwesig strahlend neben Scholz, statt russischem Gas per Pipeline gibt es eben ägyptisches per Schiff, wir sind ja flexibel, und man kann es durchaus Chuzpe nennen, dass Schwesig ihren entsprechenden Tweet mit dem Hashtag #mvliefert versieht.
Vielleicht ist es aber auch einfach Instinktlosigkeit. Die Macht der Bilder: Hier hilft weder Rad noch Spaten, um das Versagen in der Energiepolitik der letzten Jahre mit einer Aufbruchserzählung kaschieren zu können.