Besonders schwere räuberische Erpressung  Drogendealer im Schlafzimmer mit Messer bedroht

Bettina Keller
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Von Bettina Keller
| 11.01.2023 13:43 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Landgericht Aurich verhandelt einen Fall im Leeraner Drogenmilieu. Foto: Pixabay
Das Landgericht Aurich verhandelt einen Fall im Leeraner Drogenmilieu. Foto: Pixabay
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Ein 25-Jähriger aus Leer soll seinen Drogendealer in dessen Schlafzimmer erpresst haben. Dabei drohte er ihm mit einem Messer. Zahlreiche weitere Taten werden dem Mann vorgeworfen.

Aurich - Ein 25-jähriger Leeraner soll Anfang Juli vergangenen Jahres seinen schlaftrunkenen Drogendealer unter Einsatz eines Messers und eines Regenschirms um Geld erpresst haben. Die besonders schwere räuberische Erpressung wird seit Mittwoch vor der zweiten Großen Strafkammer des Auricher Landgericht verhandelt.

Dem Angeklagten, er war zur Tatzeit heroin- und kokainabhängig, werden außerdem 19 gewerbliche Diebstähle und eine Bedrohung zur Last gelegt. Zwischen dem 21. Dezember 2021 und Mitte Mai 2022 soll er in verschiedenen Einkaufsmärkten in der Stadt Leer unter anderem Müllsäcke, Lebensmittel, Zigaretten, Parfüm, Turnschuhe, Bohrer und Schleifwerkzeug, Whisky und Champagner geklaut und etliches davon zu seinem Dealer gebracht haben, um es zu versetzen. Bei zwei Diebstählen soll er ein Messer mit sich geführt haben. Einmal soll er der Mitarbeiterin einer Parfümerie damit gedroht haben, sie zu töten. Durch die Taten hat er einen Gesamtbetrag von 1996 Euro erlangt. Der Angeklagte befindet sich derzeit in anderer Sache in Strafhaft.

„Vorher war ich vernünftig“

Der Mann räumte die Diebstähle ein. Er schien über sich selbst ein wenig verzweifelt zu sein. „Vorher war ich vernünftig, ich habe einen Schulabschluss gemacht und hatte Arbeit“, sagte er. Dann habe er „falsche Freunde“ kennengelernt und begonnen, Kokain und Heroin zu konsumieren. Morgens habe er ohne Heroin nicht aufstehen können. „Ich war total entzügig und brauchte jeden Tag Geld“, begründete er die Diebstähle. Der Angeklagte bestritt, bei manchen Taten eine Stichwaffe mit sich geführt oder jemanden bedroht zu haben.

Entschieden bestritt er auch den „Big Point“, wie der Vorsitzende Richter Bastian Witte den Überfall auf seinen Drogendealer bezeichnete. Auf schwere räuberische Erpressung steht nach dem Gesetz eine hohe Freiheitsstrafe ab fünf Jahren.

„Er wurde frech zu mir“

Bei diesem Vorfall soll sich der Angeklagte am 2. Juli gegen 6.30 Uhr mit einem Stein Zutritt zum Wohnhaus seines Drogendealers verschafft haben. Dort nahm er wohl ein Brotmesser an sich. Er ging ins Schlafzimmer, wo er auf den Schlaftrunkenen mit einem Regenschirm eingeschlagen haben soll. Zudem soll er ihm das Messer an den Hals gehalten und Geld gefordert haben. Aus Angst gab ihm der Geschädigte 550 Euro. Drei Tage später soll sich der Angeklagte zusammen mit einem Kollegen erneut zu dem Haus begeben haben. Dort nahm er 25 Euro sowie den Führerschein und den Personalausweis des Bewohners an sich.

Der Beschuldigte bestritt, die Tür des Hauses bei der Tat am 2. Juli aufgebrochen zu haben – „sie war schon kaputt“. „Ich wollte Drogen, ich wollte was von ihm ausleihen. Ich hatte kein Geld“, ließ er sich zu seinen Beweggründen ein. Der Dealer sei von seinem Vorschlag, ihm Drogen auf Kommission abzugeben, nicht begeistert gewesen: „Er wurde frech zu mir.“ Es habe in Bettnähe eine körperliche Auseinandersetzung gegeben, bei der er seinen Dealer von hinten in den Schwitzkasten genommen habe.

„Warum erzählt er dann so eine Geschichte über Sie?“

„Ich hatte kein Messer“, bekräftigte der Angeklagte. Er sei dann schnell abgehauen, denn auf dem Sofa habe noch jemand genächtigt, und er habe Angst bekommen, dass der dazu komme. Einen Stein habe er nicht bei sich gehabt. Den Einsatz eines Regenschirms, den er neben der Haustür gegriffen habe, räumte er ein. Den habe er „drohend in der Hand gehalten“. „Ich bin ohne Drogen und Bargeld wieder raus“, ließ er sich zum Erfolg des Überfalls ein. Nochmals sei er nicht in dem Haus gewesen.

Vom Charakter her sei der Dealer kein schlechter Typ, meinte der Angeklagte. „Warum erzählt er dann so eine Geschichte über Sie“, hakte Witte nach. Dafür hatte der hochgewachsene 25-Jährige keine Erklärung.

Der Dealer und zwei weitere geladene Zeugen sind nicht erschienen. Der Prozess wird am 20. Januar um 9 Uhr in Saal 116 fortgesetzt.

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