Hamburg Klage gegen Autoverladung in Eidelstedt – Bahnhof Diebsteich in Gefahr?
Nächster juristischer Streit um den Fernbahnhof Diebsteich: Die Bürgerinitiative hat Klage gegen den Bau einer Autoreisezuganlage in Eidelstedt eingereicht – und will damit das ganze Großvorhaben zu Fall bringen.
Die neue Autoverladung in Eidelstedt ist Teil der Diebsteich-Planungen, weil die bisherige Anlage im Altonaer Bahnhof mit diesem in ein paar Jahren verschwinden soll. Die Klage gegen dieses Vorhaben bedeutet: Setzt sich die Bürgerinitiative Prellbock vor Gericht durch, müssten mutmaßlich auch die Bauarbeiten in Diebsteich erneut gestoppt werden.
„Es kann nicht sein, dass in Zeiten der Klimakatastrophe ein gut funktionierender, erhaltenswerter Bahnhof stillgelegt und abgerissen wird, um ihn dann mit viel Aufwand und Ressourcenbedarf, hohen Kosten und schlechterer Funktionalität durch einen Neubau an anderer Stelle zu ersetzen“, sagte Prellbock-Sprecher Michael Jung am Montag zur Begründung. Zuletzt waren alle Klagen gegen die Verlegung des Bahnhofs entweder gescheitert oder zurückgezogen worden. Die Autoreisezuganlage möchte Prellbock nun als letzten Strohhalm nutzen, um das ungeliebte Großvorhaben anderthalb Jahre nach Baustart indirekt doch noch auszubremsen.
Mit der Verlegung des Fernbahnhofs Altona aus dem Zentrum des Stadtteils um zwei Kilometer nach Norden zum S-Bahn-Haltepunkt Diebsteich braucht auch die Autoverladung einen anderen Standort. Weil dafür in Diebsteich kein Platz ist, will die Bahn in Eidelstedt neu bauen. Im vorigen Sommer war dafür der Planfestellungsbeschluss ergangen, im Oktober reichte Prellbock Klage ein. Bekannt wurde diese erst jetzt, nachdem die Initiative die Klagebegründung nachgereicht hat.
Die Autoverladung hatte schon einmal für eine längere Verzögerung bei dem mehr als 500 Millionen Euro teuren Fernbahnhofsprojekt gesorgt. 2018 stoppte das Oberverwaltungsgericht nach einer gemeinsamen Klage des Verkehrsclubs (VCD) Nord und von Prellbock alle Planungen für den Diebsteich-Bahnhof. Begründung: Die Planer hatten dort keine Bahnsteige für Autoreisezüge vorgesehen.
Nach rund anderthalb Jahren intensiver Verhandlungen verständigten sich Stadt und Bahn auf der einen sowie der VCD auf der anderen Seite schließlich auf einen Kompromiss: Die Leitungsfähigkeit für den neuen Fernbahnhof wurde erhöht, zudem kündigte die Bahn an, eine Autoverladung auf dem Gelände ihres ICE-Werks in Eidelstedt zu bauen. Allerdings trug Prellbock die Einigung nicht mit und kämpft weiterhin für den Erhalt des Bahnhofs am angestammten Platz in Altonas Mitte.
Der Standort Eidelstedt ist aus Sicht von Jung und seiner Mitstreiter völlig ungeeignet für die Verladung von mehreren Dutzend Autos pro Tag. In der Klagebegründung heißt es unter anderem, die Anlage sei zu klein bemessen, die Zufahrt über die Elbgaustraße zu eng, auch befinde sich das Gelände inmitten zweier Wohngebiete. Obendrein kritisiert Prellbock, der Bau solle in einem Wasserschutzgebiet erfolgen und ist überzeugt: „Die erteilten Ausnahmegenehmigungen sind rechtlich nicht zu halten.“
Die Bahn hält dagegen: Mit dem vorgesehenen Lärmschutz würden Grenzwerte teils deutlich unterschritten, auch sei die Anlage auf Zuwachs ausgelegt. Zudem liege die neue Autoverladung denkbar verkehrsgünstig zur Autobahn 7 sowie und zu den anderen Hamburger Fernbahnhöfen.