Berlin/Varel  Staatssekretärin Siemtje Möller muss die Pannen von Chefin Lambrecht ertragen

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 08.01.2023 13:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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Bereits nach der Bundestagswahl 2021 wurde sie als künftige Verteidigungsministerin gehandelt. Mittlerweile fragt sich so mancher Sozialdemokrat hinter vorgehaltener Hand, ob sie nicht die bessere Wahl gewesen wäre: Siemtje Möller (SPD) aus Varel (Landkreis Friesland).

Die 39-jährige Bundestagsabgeordnete muss seit Monaten mit ansehen, welch unglückliches Bild ihre Chefin Christine Lambrecht (SPD) als Verteidigungsministerin abgibt. Zuletzt hagelte es Rücktrittsforderungen wegen eines privaten Videos, das Lambrecht zu Silvester auf ihrem Instagram-Account veröffentlicht hatte. Nicht erst seitdem wird die Kompetenz der Verteidigungsministerin öffentlich in Zweifel gezogen.

Siemtje Möller selbst wirkt nicht überrascht von der Frage, ob sie nicht die bessere Ministerin wäre. „Das ist alles Spekulation“, sagt die gebürtige Emderin. „Und es ehrt mich sehr, aber wir haben eine sehr gute Verteidigungsministerin.“ Die Loyalität zu ihrer Chefin ist ungebrochen.

Möller hat in der Politik eine steile Karriere gemacht. Im September 2017, acht Monate nach der Geburt ihres zweiten Sohnes, gelang der Lehrerin auf Anhieb die Wahl in den Bundestag. Sie folgte als Direktkandidatin auf die langjährige Abgeordnete Karin Evers-Meyer (SPD) aus Zetel. Mitte 2020 wurde sie an die Spitze des Seeheimer Kreises gewählt, einer einflussreichen Gruppierung innerhalb der SPD-Fraktion. Anfang 2021 wurde sie verteidigungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. Und nach der Bundestagswahl Staatssekretärin, mit direktem Draht zur Bundesregierung.

Möllers Wahlkreis Friesland-Wilhelmshaven-Wittmund ist vom Militär geprägt wie kein zweiter. Dort finden sich der Marinestützpunkt Wilhelmshaven als größter Bundeswehrstandort sowie die beiden Luftwaffenstützpunkte in Wittmund und Schortens. Die Soldaten vom Jagdgeschwader „Richthofen“ in Wittmund halten große Stücke auf Siemtje Möller. Die Politikerin sei sehr präsent, sagt ein Sprecher, der ungenannt bleiben möchte. „Wir kennen sie und wir schätzen sie. Man sieht, dass ihr die Truppe sehr am Herzen liegt.“ Sie erkundige sich regelmäßig nach dem Baufortschritt – der Flugplatz in Wittmundhafen wird derzeit grundsaniert. „Und sie fragt, wie es uns geht.“ Ehe der Mann zu sehr ins Schwärmen gerät, fügt er noch rasch hinzu: „Natürlich schätzen wir auch unsere Vorgesetzte.“ Gemeint ist Lambrecht. „An Spekulationen beteiligen wir uns nicht.“

Auch der Deutsche Bundeswehrverband, ein Verein zur Interessenvertretung von Soldaten, Reservisten und deren Angehörigen, äußert sich nicht zu Personalfragen im Verteidigungsministerium. „Tatsächlich haben uns seit Silvester etliche Anfragen zu diesem Thema erreicht“, schreibt Pressesprecher Jan Meyer. „Wir werden das nicht kommentieren.“

Innerhalb der SPD wagt sich ebenfalls niemand aus der Deckung. Wiard Siebels ist Landtagsabgeordneter aus Aurich und Mitglied im Bezirksvorstand der SPD Weser-Ems. Er sagt nur, dass niemand in der Partei glücklich über Lambrechts Silvester-Video sei. Karin Emken aus Esens ist Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des SPD-Kreisverbands Wittmund. „Dass das unglücklich und unwürdig ist, darüber sind wir uns alle einig“, sagt sie über das Video. Über die Konsequenzen müsse man in Berlin diskutieren. Das sei nicht ihre Sache.

Über Siemtje Möller als mögliche Ministerin sagt Emken, es sei keine Frage, „dass ich sie sehr, sehr schätze und dass ich ihr das durchaus zutraue“. Aber ob sie die bessere Ministerin wäre, darüber wolle sie nicht spekulieren.

Reinhold Robbe ist ebenfalls Sozialdemokrat. Der 68-Jährige stammt aus Bunde im Rheiderland, war von 1994 bis 2005 Bundestagsabgeordneter und anschließend bis 2010 Wehrbeauftragter des Bundestags, also Anwalt der Soldaten. Nach anderthalb Tagen Bedenkzeit sagt auch er: „Sehen Sie es mir bitte nach, wenn ich den Vorgang nicht kommentiere.“

Die heutige Wehrbeauftragte Eva Högl (SPD) lässt eine entsprechende Anfrage unserer Redaktion über ihre Sprecherin ablehnen – urlaubsbedingt, wie es heißt. Bis auf Weiteres darf also spekuliert werden.

Dieser Artikel erschien zuerst in der „Ostfriesen-Zeitung“ in Leer.

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