Finalist bei „Lego Masters“  Wenn er eine Idee hat, baut er einfach los

Susanne Ullrich
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Von Susanne Ullrich
| 07.01.2023 09:19 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Im Wettkampf um den Titel des "Lego Masters Winter Champion" baute Frank Boor (rechts) Seite an Seite mit seinem Teamkollegen Basti. Foto: RTL/Frank W. Hempel
Im Wettkampf um den Titel des "Lego Masters Winter Champion" baute Frank Boor (rechts) Seite an Seite mit seinem Teamkollegen Basti. Foto: RTL/Frank W. Hempel
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Frank Boor aus Utgast ist seit der Kindheit fasziniert von den kreativen Möglichkeiten der Legosteine. Die Begeisterung teilt er gern mit anderen. Sie bescherte ihm schon Besuche im Fernsehstudio.

Utgast - „Lego ist für mich Entspannung. Das ist mein Yoga.“ Und wenn Frank Boor in seinem Haus in Utgast in der Samtgemeinde Esens seiner besonderen Form der Entspannung nachgeht, hat er dafür die Qual der Wahl: Grob überschlagen 500.000 Einzelteile der dänischen Klemmsteinehersteller befinden sich in Boors Haus. Äußerst grob überschlagen. „Ich sag immer: Ich bin steinreich“, erklärt der 52 Jahre alte Rheinländer dazu nur gut gelaunt. Zählen ist angesichts der schieren Menge der Bauteile längst nicht mehr möglich. Manche lagern in Sets gut verpackt in Regalen, andere sind zusammen mit baugleichen Teilen in übersichtlichen Kästen griffbereit in seinem Kreativraum gelagert. Wieder andere sind verbaut und stehen überall im Haus herum: Als Eiffelturm aus mehr als 10.000 Teilen oder Schloss Drachenfels mit 45.000. Fertige Bausätze stehen hier neben illuminierten Eigenkreationen.

Eine Winterlandschaft, gebaut von Frank Boor. Foto: Ullrich
Eine Winterlandschaft, gebaut von Frank Boor. Foto: Ullrich

Manchmal ist das Bauen aber doch stressig, verrät Boor im Gespräch. Nämlich dann, wenn der Fernsehsender RTL ihn zu Aufnahmen in sein Studio bittet. Erst kürzlich war zur Hauptsendezeit zu sehen, wie er an der Seite von Tätowierer Basti aus Offenbach seiner Kreativität freien Lauf ließ. Im Finale der „Lego Masters Winter Campions“, stilecht gekleidet in einen Weihnachtspulli, kam der Legobegeisterte dann aber doch ein wenig ins Schwitzen. Insgesamt drei Teams hatten sich in drei vorangegangenen Folgen mit kreativen Ideen und einer schnellen Umsetzung qualifiziert. Bei den „Lego Masters“ treten versierte Lego-Baumeister im Zweierteam gegeneinander an. Sie müssen in einer bestimmten Zeit gemeinsam ein Thema umsetzen. Boor: „Ich kann schnell bauen. Das ist meine Stärke.“ Unter Zeitdruck muss das jeweilige Projekt fertig werden. „Da musst du dich wirklich konzentrieren.“ In diesem Punkt wird der sonst so auskunftsfreudige 52-Jährige ganz still und es juckt ihn in den Fingern: „Ich hab einen Plan, ich hab ein Ziel: Das will ich dann auch durchziehen.“

Zweite Teilnahme bei den „Lego Masters“

Acht Stunden am Tag wurde vor ständig laufenden Kameras gebaut, nur unterbrochen von einer Mittagspause, erinnert sich Boor. Was nach Ablauf der Zeit nicht fertig ist, wird von der Jury abgestraft. Am Ende konnte die Trauminsel seines Teams zwar begeistern, den Sieg aber holten andere. Ganz knapp. Boor sieht das gelassen: „Es war schon cool, eingeladen zu werden.“ Im Jahr 2020 war Boor bereits Teilnehmer der „Lego Masters“, schied aber früh aus. Auch damals habe ihn RTL gezielt angefragt. Seit Jahren berichtet Frank Boor als „Der Boor“ online über seine Bauprojekte und ist damit vielen Lego-Enthusiasten und Sammlern ein Begriff. In seiner alten Heimat Rolandseck im Kreis Ahrweiler brachte es der gelernte Metallbauer und Bürokaufmann dadurch bereits zu einer gewissen Bekanntheit.

Frank Boor hat in seiner Kreativwerkstatt unterm Dach es eine sechsstellige Anzahl von Lego-Steinen, mit denen er eigene Ideen wie dieses Wirtshaus umsetzt. Foto: Ullrich
Frank Boor hat in seiner Kreativwerkstatt unterm Dach es eine sechsstellige Anzahl von Lego-Steinen, mit denen er eigene Ideen wie dieses Wirtshaus umsetzt. Foto: Ullrich

Im Juli 2021, unmittelbar vor der Flutkatastrophe, beschlossen er und seine Lebensgefährtin Doris Dilthey-Bachmann, nach Ostfriesland zu ziehen: „Wir wollten ans Meer.“ Nach einigen Monaten in Leer kamen sie im Februar nach Utgast. Mit 300 Umzugskartons, überschlagen sie. Größtenteils mit Lego. Von fast allem hätten sie sich für den Neuanfang getrennt – die bunten Bricks aber mussten mit. Wer aufmerksam genug ist, entdeckt schon im Vorbeifahren am Haus, dass hier ein wahrer Lego-Baumeister wohnt: Das Wohnhaus ist zwar massiv und wurde nicht aus Klemmbausteinen errichtet, doch einzelne Details daran, beispielsweise die Hausnummer und die Einfassung der Eingangstür, verraten die nicht so geheime Leidenschaft des Hausherren. Überall gibt es die bunten Plastiksteine zu entdecken.

Fast 50 Jahre Begeisterung und Sammelleidenschaft

„Ich hab viele Ideen“, kommentiert Boor nur. Seine Partnerin kennt das und lässt ihn gewähren: „Ich überlass ihm grundsätzlich die Deko.“ Auch die Küche räumt sie nur zu gern. Denn Frank Boors Leidenschaft gilt mehr als nur bunten Steinen: „Ich komme aus einer Bäckerfamilie.“ Kochen, Backen, dazu Handwerken – er kann sich für vieles begeistern, was mit Kreativität und Fingerfertigkeit zu tun hat. Die obere Etage des kleinen Hauses aber steht ganz im Zeichen seiner Lego-Bauprojekte. Fast täglich kommt neues Baumaterial hinzu, verrät er. Und Frank Boor hat dank seiner eigenen Minifigur stets die Chance, selbst Teil seiner Kreationen zu werden.

Frank Boor mit seiner eigenen Minifigur aus Lego. Foto: Ullrich
Frank Boor mit seiner eigenen Minifigur aus Lego. Foto: Ullrich

Mit drei Jahren, erinnert er sich, habe er sein erstes Lego geschenkt bekommen. Die Faszination ließ ihn nie los: „Ich mach das mein Leben lang.“ Oft sei er gefragt worden: „Warum spielst du noch mit Lego?“ Die Antwort sei einfach: „Es macht Spaß!“ Neue Sets, die im Haus Boor ankommen, müssten allerdings nicht zwangsweise sofort ausgepackt und aufgebaut werden: „Ich bin nicht so Lego-verrückt“, sagt er lachend. Von manchem trenne er sich später auch wieder. Das, womit er als Junge selbst gespielt hat aber bleibt, unterstreicht er.

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