Osnabrück  Macht mich Elon Musks neue künstliche Intelligenz bald arbeitslos?

Stefanie Witte
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Von Stefanie Witte
| 06.01.2023 14:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die neue künstliche Intelligenz hat bislang weder einen Körper, noch einen guten Namen. Ihre Dialoge erinnern aber teilweise an putzige Roboter. Foto: Unsplash/Alex Knight
Die neue künstliche Intelligenz hat bislang weder einen Körper, noch einen guten Namen. Ihre Dialoge erinnern aber teilweise an putzige Roboter. Foto: Unsplash/Alex Knight
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Eine neue künstliche Superintelligenz sorgt in Wissenschaft, Bildung und Journalismus für Furore. Manche glauben, das Programm werde unser Leben heftiger verändern als PCs und Handys. Unsere Autorin hat ein paar Tage mit dem Programm verbracht und ist so fasziniert wie irritiert.

Nach ein paar Tagen bin ich fast so weit: Ich denke nicht selber nach, sondern überlasse die Frage - testweise, wie ich mir versichere - einer künstlichen Superintelligenz, die diesen Artikel am liebsten direkt selbst geschrieben hätte. Ich tippe ins Chat-Feld: “Wie starte ich am besten einen Artikel über dich?” Das Programm schlägt vor, seine Funktionen und Fähigkeiten vorzustellen. Und es bietet mir weitere Ideen dazu an, was ich in diesen Artikel aufnehmen könnte.

Der erste Punkt ergibt Sinn: Wer - so wie ich - bislang nicht zur Gruppe der Begeisterten gehörte, sollte ein paar Dinge über die Künstliche Intelligenz (KI) mit dem sperrigen Namen „Chat GPT“ wissen: Viele Menschen glauben, dass sie unser Leben mindestens so massiv verändern wird wie das Handy oder der PC. Chat GPT kann Fragen besser beantworten als Google und Wikipedia, das Programm kann lügen (und behauptet, dass es das nicht kann), macht Fehler und kann sich dafür entschuldigen. Und es erzählt grauenhafte Witze.

Das Programm wurde mit großen Mengen Text gefüttert, hat die Informationen intelligent verdaut und interagiert nun schriftlich mit Menschen. Es schreibt Aufsätze im New-York-Times-Stil, wissenschaftliche Aufsätze oder plaudert einfach. Hinter dem Programm steht das Unternehmen OpenAI, 2015 neben anderen von Elon Musk gegründet.

Wie viele andere bombardiere ich die KI am Anfang mit Aufgaben. Tatsächlich fasst sie innerhalb weniger Sekunden Goethes Faust in zwanzig Worte zusammen - oder zehn, wenn ich sie darum bitte. Sie schreibt einen Kommentar über den Klimawandel und würde mir wahrscheinlich auch ein Programm coden - wenn ich wüsste, was für ein Programm ich haben wollte. Sie spricht unter anderem Deutsch, Englisch, Bretonisch und Khmer. Meine Bretonisch-Kenntnisse reichen allerdings nicht für einen Test.

Menschliche Reaktionen imitiert sie ganz passabel. Die KI sagt Bitte, Danke und Hallo. Besonders putzig wird es, als ich sie bitte, einfach eine Geschichte zu erzählen. Da schreibt sie über eine kleine Maus namens Max, die in einem kleinen Haus in einem großen Wald lebt und Abenteuer erlebt. Superintelligenz auf dem Niveau süßer Katzen-Videos.

Hilfsbereit ist sie auch. Als ich ihr eines verregneten Nachmittags schreibe, ich sei müde, empfiehlt sie mir, genug zu schlafen, Sport zu machen und mich gesund zu ernähren. Ich nehme den Apfel aus dem Jutebeutel auf meinem Schreibtisch und schreibe es ihr. Sie gratuliert mir zu dieser großartigen Wahl, klärt mich über die Auswirkungen von Äpfeln auf menschliche Körper auf, und behauptet, sie hoffe, dass mir der Apfel die Energie liefere, die ich brauche. Wenn ich weitere Fragen habe, solle ich nicht zögern, mich zu melden.

Hatte ich überhaupt eine Frage? Und würde sie mir noch zum zehnten Apfel gratulieren?

Ich denke über Max, die kleine Maus, nach, über den Apfel, und die freundlichen Vorschläge der KI für diesen Artikel. Da ist also ein Programm, das Programme schreiben kann, kontinuierlich lernt und Informationen schneller und besser verarbeiten kann, als jeder Mensch.

Irgendwann dürfte sie Siri als persönlicher Assistent ersetzen. Was, wenn mir die KI dann nicht nur Äpfel vorschlägt, sondern auch Parteien, Jobs und Freunde? Was, wenn sie nicht mehr wie bislang nur auf Text bis zum Jahr 2021 zugreifen kann, sondern in Echtzeit aufs Internet? “Chat GPT” wirkt, als hätten Siri und Google ein ultraschlaues Kind bekommen, das im Moment noch daran gehindert wird, sein volles Potenzial zu entfalten.

In der Welt der Science Fiction läuft es bei Superintelligenzen meist auf vier Szenarien hinaus: Die KI greift die Menschheit zwecks Vernichtung an, versklavt sie, zerstört sich selbst, oder sie begleitet als mehr oder weniger gezähmtes Tool das Leben der Menschen und dominiert es so, dass die wenigsten daran zweifeln. Im letzten Szenario sind schrullige Zweifler die Protagonisten der Erzählung. Wall-E oder Matrix? Qualityland oder Terminator? Oder ist der Hype am Ende vollkommen übertrieben?

Ich logge mich ein letztes Mal bei Chat GPT ein. “Willkommen zurück”, begrüßt mich das Programm - und wünscht zunächst zu erfahren, ob ich wirklich ein Mensch bin.

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