Energiekosten Erst gibt es Geld – dann die große Rechnung
Energieunternehmen verschicken auch noch im Januar den Jahresabschluss 2022 an ihre Kunden. Für viele wird es dabei eine Überraschung geben.
Aurich/Norden - Noch im Januar versenden viele Energieunternehmen in der Region die Jahresendabrechnung für 2022 an die Kunden. Wer wegen der drastisch gestiegenen Strom- und Gaspreise mit einer dicken Nachzahlung rechnet, könnte dabei zunächst positiv überrascht sein. Denn viele Kunden werden zunächst mit einem Guthaben aus dem vergangenen Jahr gehen. Das bestätigten EWE-Pressesprecher Dietmar Bücker und der kaufmännische Geschäftsführer der Norder Stadtwerke Thorsten Schlamann auf Anfrage. Grund dafür ist die Dezember-Soforthilfe des Bundes.
Je nachdem, wie viel Energie der Einzelne eingespart hat, fällt dieses Guthaben höher oder niedriger aus. Nach bisher groben Schätzungen geht Schlamann bei vielen Kunden von einer dreistelligen Summe aus. Genau müsse dies aber erst berechnet werden. Im Groben kann man sagen: Ein Zwölftel der Jahresmenge wird vom Staat bezahlt, so Schlamann. Dietmar Bücker erklärte die vereinfachte Formel der Soforthilfe so: „Der Monatsverbrauch von September 2022 in Kilowattstunden multipliziert mit dem Arbeitspreis, der im Dezember 2022 galt plus ein Zwölftel vom Dezember-Grundpreis.“
Guthaben für Sparsame
Diese Soforthilfe werde in der Jahresendabrechnung ausgewiesen und bedeute für die Kunden entweder eine nur sehr geringe Nachzahlung oder in vielen Fällen eben auch ein Guthaben, so Schlamann. „Wer Energie gespart hat, wird ein Guthaben bekommen“, so der kaufmännische Geschäftsführer.
Danach allerdings wird es für viele Kunden deutlich teurer als bisher. Zum einen haben sowohl EWE als auch die Norder Stadtwerke den Grundpreis leicht angehoben. Hinzu kommen für viele höhere Abschläge bei Strom und Gas.
Die Hälfte der EWE-Kunden profitieren nicht von der Preisbremse
Rund die Hälfte der EWE-Strom- und Gas-Kunden in Aurich werden nicht von der vom Bund beschlossenen Preisbremse profitieren. Das teilte EWE-Sprecher Dietmar Bücker auf Nachfrage mit. Grund dafür seien Laufzeitverträge der Kunden. Die Preise in diesen Verträgen liegen laut Bücker noch unter den gesetzlichen Grenzen, ab denen die Bremse gilt – zwölf Cent bei Gas und 40 Cent bei Strom.
Bei den Norder Stadtwerken liegen laut kaufmännischem Geschäftsführer Thorsten Schlamann beim Strompreis alle Kunden unter der gesetzlichen Grenze von 40 Cent – auch die Kunden in der Grundversorgung. Beim Gas gebe es noch einige wenige Altverträge, bei dem der Gaspreis mit 14 Cent leicht über der Grenze liegt. Das seien aber vor allem langfristige Verträge mit einigen Firmen, sagte Schlamann.
Norder bekommen ihre Abrechnung noch im Januar
Während die Norder Stadtwerke-Kunden die Jahresabschluss-Rechnung nach dem Kalenderjahr berechnen, gibt es bei EWE-Kunden individuelle Jahresabrechnungen, teilte Bücker mit. „EWE hat ein rollierendes Abrechnungsverfahren, das heißt Kunden bekommen je nach Abschluss ihres Vertrages die Jahresrechnung zugesendet“, so der Sprecher. Ein Kunde, der im Mai seinen Vertrag abgeschlossen hat, wird also im Mai des Folgejahres seine Jahresabrechnung bekommen.
Für die Norder Stadtwerke-Kunden gilt: Noch im Januar erhalten alle ihre Abrechnung für 2022. Darin wird sowohl die Dezember-Soforthilfe ausgewiesen sein als auch die neuen Abschläge, die ab Februar bezahlt werden müssen. Und die werden sowohl beim Strom als auch beim Gas deutlich höher ausfallen als noch im Jahr 2022. Denn die Stadtwerke kaufen ihre Energie langfristig ein. Das, was die Kunden ab Februar bezahlen, wurde im vergangenen Jahr zu deutlich höheren Preisen eingekauft.
Preise bleiben ein Jahr stabil
Das bedeutet: Auch, wenn die Energiepreise in diesem Jahr noch sinken werden, bleibt der Preis für die Kunden gleich. Das gilt aber auch andersherum. Sollten die Energiepreise wieder deutlich ansteigen, bleibt der Preis für ein Jahr stabil.
Bei EWE-Kunden greift ein anderes System. Die haben nach Auskunft des Unternehmenssprechers verschiedene Laufzeitverträge, entweder über zwölf oder über 24 Monate. Die Preise seien abhängig vom Produkt, Verbrauch und Abschlusszeitpunkt. Deshalb müssten die Preisanpassungen „sehr individuell“ betrachtet werden, so Bücker.
Für sinkende Preise muss Einkaufspreis weiter sinken
Wie sich die seit Kurzem sinkenden Energiepreise auf die EWE-Preise für das kommende Jahr auswirken, könne das Unternehmen derzeit aber noch nicht bewerten. Sobald sich für EWE aber ein Senkungspotenzial für die Energiepreise ergeben sollte, werden davon auch die EWE-Kunden profitieren, heißt es vom EWE-Sprecher. Für sinkende Energiepreise müsste aus Sicht von Thorsten Schlamann der Einkaufspreis „noch einmal deutlich fallen“. Wenn es Einsparungen gibt beim Einkauf, spüren das die Stadtwerke-Kunden aber erst im kommenden Jahr.
Wer sich jetzt vor dem ersten hohen Abschlag im Februar fürchtet, kann zumindest für einen Monat hoffen: Sollte durch die Dezember-Soforthilfe ein Guthaben in der Jahresabschlussrechnung stehen, wir das im Regelfall mit den neuen Abschlägen Anfang Februar verrechnet.
Im Januar werden bei den Stadtwerke-Kunden wegen der laufenden Abrechnung keine Abschläge eingezogen. Schon immer werden in Norden pro Jahr nur elf Abschläge gezahlt. Wer einen Dauerauftrag für die Abschläge eingerichtet hat, bekommt auch dieses Guthaben verrechnet, sagte Schlamann. Wer es ausdrücklich wünscht, könne sich ein Guthaben aus der Abschlussrechnung auch auszahlen lassen.