Verkehrswende in Aurich Mit Unterschriften für und gegen den Autoverkehr in der Stadt
Sowohl die Auricher Kaufleute als auch die Initiative „Lebensqualität und Mobilität in Aurich“ wollten im Rat ihre Themen platzieren. Dafür hatten sie Unterstützer mobilisiert.
Aurich - Wie ein Gegensatzpaar wirkten Jens Coordes, zweiter Vorsitzender des Kaufmännischen Vereins, und Martina Lübben von der Luma („Lebensqualität und Mobilität in Aurich“) in der letzten Auricher Ratssitzung dieses Jahres. Beiden war im Vorfeld erlaubt worden, in der Einwohnerfragestunde Unterschriften an Bürgermeister Horst Feddermann zu übergeben. Coordes brachte 2200 Unterschriften von Bürgern, die den Wunsch der Kaufleute nach kürzeren gebührenpflichtigen Parkzeiten in der Stadt unterstützten. Ein Wunsch, der schließlich vom Rat nicht erfüllt wurde.
Und Martina Lübben brachte knapp 300 Unterschriften. Diese stammten von Einwohnern, die sich für eine Verkehrswende in Aurich einsetzen. Es handelte sich dabei um die erste Tranche von Unterschriften. Insgesamt hat die Luma laut einer Mitteilung vor Weihnachten rund 600 Unterschriften an fünf Terminen in der Auricher Fußgängerzone gesammelt. „Wir wünschen uns politischen Rückhalt, um die Verkehrswende voranzubringen“, fasste Martina Lübben die Aktion zusammen.
Umsetzung des Masterplans Radverkehr gefordert
Es gehe um bessere Radwege, bessere Bahnverbindungen und um ein Straßenbaumoratorium. Im Gegensatz zum Kaufmännischen Verein fordert die Luma mit ihrer Aktion auch eine Verringerung der oberirdischen Parkplätze in der Auricher Innenstadt. So könne der Parksuchverkehr vermieden werden. Stattdessen müsse ein Stadtbussystem mit engen Taktzeiten aufgebaut werden. Und Aurich müsste endlich wieder einen Bahnanschluss für den Personenverkehr erhalten.
Gefordert haben die 600 Unterzeichner mit ihrer Unterschrift auch die zügige Umsetzung des Masterplans Radverkehr, der 2019 vom Stadtrat beschlossen worden ist. Das würde unter andrem bedeuten, elf weitere Fahrradstraßen in der Stadt auszuweisen. Stark von Autos befahrene Verbindungen wie die Kreuzstraße oder die Popenser Straße gehören dazu. Straßen, in denen nach dem Vorbild des Grünen Weges dann keine Autos mehr auf den Fahrbahnen parken dürfte. Straßen, die dann nur noch von Anliegern befahren werden dürften.
GAP: Akzeptanz für Fahrradstraßen steigern
Das klappt in Aurichs bislang einziger Fahrradstraße, dem Grünen Weg, bislang nicht so gut. Luma und Anwohner beklagen immer wieder, dass zu viel Durchgangsverkehr die Straße nutzt, die eigentlich nur den Anliegern vorbehalten ist. Volker Rudolph (GAP), forderte daher ein grundlegendes Konzept für Fahrradstraßen in der Stadt Aurich.
Dazu gehöre, dass Anwohner solcher Fahrradstraßen vor einer Stigmatisierung geschützt werden müssten. Des Weiteren dürften keine Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung mehr geduldet werden. „Der Verkehr im Grünen Weg erfordert politisches Handeln“, sagte Rudolph im Rat. Täglich würden Hunderte Autos ohne Recht die Straße nutzen. Deswegen müsse entweder ein Poller aufgestellt werden – dieser sei aber politisch derzeit nicht durchsetzbar. Oder die Situation müsse so geändert werden, dass keine Verstöße mehr entstünden. „Die Fahrradstraße muss klarer gekennzeichnet, die Akzeptanz in der Bevölkerung muss geschaffen werden“, forderte Rudolph in seinem Beitrag.
Den Kaufleuten haben die 2200 Unterschriften bei den Parkgebühren nichts genützt. Es bleibt abzuwarten, was die Luma mit der Hilfe ihrer 600 Unterstützer erreichen kann. Eine Entscheidung der Politik zum Grünen Weg steht noch aus. Und eine vollständige Umsetzung des Masterplans Radverkehr auch.
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