Hamburg  Krise rund ums Schwein: Warum 2023 nichts besser wird in der Landwirtschaft

Dirk Fisser
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Von Dirk Fisser
| 23.12.2022 11:37 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Schweinehaltung in Deutschland erlebt einen Niedergang. Die Krise rund ums Schwein in der Landwirtschaft wird sich auch 2023 fortsetzen. Foto: Imago Images/robertharding
Die Schweinehaltung in Deutschland erlebt einen Niedergang. Die Krise rund ums Schwein in der Landwirtschaft wird sich auch 2023 fortsetzen. Foto: Imago Images/robertharding
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Schweine gelten als Glücksbringer. Doch die Schweinehaltung befindet sich im Niedergang. 2022 war das Jahr der Schweinekrise mit Afrikanischer Schweinepest, Preisverfall und politischem Stillstand. Eine Prognose für 2023:

Kurz vor Weihnachten kam die Meldung, die so recht niemanden mehr überrascht haben dürfte, die aber doch die Krise der Schweinehaltung in Deutschland mit Fakten untermauerte: Das Bundesamt für Statistik meldete, dass die Zahl der Bauernhöfe mit Schweinen und die Zahl der gehaltenen Schweine auf einen Tiefstand gesunken sind: 21,3 Millionen Schweine auf 16.900 Betrieben.

Das klingt zwar immer noch viel. Aber vor zehn Jahren waren es satte 43 Prozent mehr an Bauernhöfen. Und auch die Zahl der gehaltenen Schweine bricht ein: Seit 2020 - dem ersten Jahr der Corona-Pandemie - sank der deutsche Schweinebestand um ein Fünftel. Besonders drastisch ist die Entwicklung im deutschen Agrarland Nummer eins: Niedersachsen.

2022 folgte auf die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Schließungen von Schlachthöfen der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in einem Stall im Landkreis Emsland - im Herzen der deutschen Schweineproduktion. Nottötungen, Sperrzonen, überfüllte Ställe waren die Folge. Viele Höfe sind mittlerweile überschuldet.

Alles andere als eine infauste Prognose angesichts der Weltlage wäre unrealistisch: Die Energiepreise und damit die Futterkosten bleiben hoch. Der Schweinefleischkonsum auf dem Heimatmarkt Deutschland wird weiter sinken - zuletzt gerade noch 31 Kilogramm. Und der Export wird nie wieder alte Dimensionen erreichen. China will kein Schweinefleisch aus Deutschland mehr.

Die Politik will die Schweinehaltung zwar umbauen, sodass sie den Erwartungen der Öffentlichkeit an eine gute Tierhaltung gerecht wird, einen wirklichen Plan dafür gibt es aber noch nicht: SPD, Grüne und FDP machen bei dem Thema nahtlos dort weiter, wo SPD und Union aufgehört haben: Man blockiert sich weitgehend gegenseitig, statt Projekte voranzutreiben.

So hat Bundesagrarminister Cem Özdemir von den Grünen im ersten richtigen Dienstjahr wenig vorzuweisen. Sein Entwurf für ein staatliches Tierhaltungskennzeichen hängt im Bundestag. Ohnehin wird dieses keinen einzigen Stall verbessern, sondern nur den Status Quo kennzeichnen.

Apropos Grüne: In Niedersachsen hat mit Miriam Staudte eine Grünen-Politikerin das Amt der Landwirtschaftsministerin im Herbst übernommen. Ihre Credo: mehr Bio, weniger intensive Tierhaltung. Auch hier fehlt es bislang an einem Fahrplan, wie das erreicht werden soll.

Geradezu bezeichnend: Im Interview mit unserer Redaktion erklärte Niedersachsens Bauernpräsident Holger Hennies, die Schweinehaltung auf seinem Hof ebenfalls beenden zu wollen. Er hielt die Tiere in etwa so, wie es Politik und Gesellschaft fordern. Nur wollte die Mehrkosten offenbar niemand so recht finanzieren. Nun bleiben die Ställe auf dem Hof Hennies künftig leer.

Und auch die Schweinehaltung selbst tut viel dafür, ihr Image weiter zu ramponieren: Auch 2022 wurden wieder Fälle offenbar, in denen Schweine in Ställen schlecht behandelt wurden. Das Jahr 2023 startet sogleich mit zwei Prozessen gegen Schweinehalter aus dem Emsland und der Grafschaft Bentheim, die die Tiere - nun ja - gequält haben.

Es geht also im neuen Jahr weiter bergab. Auf die Bauernhöfe wird der nachgelagerte Bereich folgen, sprich: Schlachthöfe. Branchenkenner rechnen mit zeitnahen Betriebsschließungen. Gerade im Nordwesten Deutschlands ballen sich zahlreiche Großbetriebe mit Tausenden Arbeitern.

Gibt es gar keine Hoffnungen? Für diejenigen Bauern, die weitermachen, zeichnet sich ab, dass die Fleischpreise wieder steigen werden, wenn nur genügend andere Ställe leer bleiben. Für die Staatsfinanzen heißt das auch: Je weniger Ställe, desto billiger wird der Umbau der Tierhaltung für die Gesellschaft.

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