Gemeindeentwicklung  Ihlow wächst und gedeiht

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 23.12.2022 15:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
In Ihlowerfehn entsteht auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei Kuhlmann ein neues Baugebiet. Foto: Romuald Banik
In Ihlowerfehn entsteht auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei Kuhlmann ein neues Baugebiet. Foto: Romuald Banik
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Vor zehn Jahren wurde der Gemeinde Ihlow ein Schrumpfprozess vorhergesagt. Das Gegenteil ist passiert – und Ihlow will weiter wachsen.

Ihlow - Mehr Einwohner, mehr Häuser, mehr Gewerbe: Die Gemeinde Ihlow ist im ablaufenden Jahr gewachsen und stellt die Weichen, damit der Trend weitergehen kann. Sowohl neue Gewerbeflächen als auch Baugebiete sollen im kommenden Jahr entwickelt werden, damit sich zusätzliche Anwohner ansiedeln können und im Idealfall auch gleich vor Ort einen Arbeitsplatz finden.

Aber auch nur zum Wohnen ist die Gemeinde Ihlow offenbar attraktiv. Im Pressegespräch berichtet Bürgermeister Arno Ulrichs von einem Paar aus München, das nun in Ihlow lebt. „Die beiden arbeiten aber immer noch für ein Münchener Unternehmen.“ Um 178 Personen ist die Gemeinde Ihlow in diesem Jahr gewachsen. Vor allem dank 743 Zuzügen wie dem Münchener Paar leben nun 12.854 Menschen in der Gemeinde.

Ein echtes Ihlower Kind

Die beiden ältesten Einwohnerinnen sind jeweils 101 Jahre alt. Im Schnitt ist der Ihlower Einwohner 44,2 Jahre alt. Dabei leben die ältesten Ihlower in Westerende-Holzloog (46,8 Jahre), die jüngsten in Bangstede und Ostersander (41,7 Jahre).

Geburten finden heutzutage zumeist in der Klinik statt. Dennoch konnte das Ihlower Standesamt in diesem Jahr eine Geburt selbst beurkunden. Weitere 106 Ihlower Neu-Bürger wurden außerhalb der Gemeindegrenzen geboren. Demgegenüber stehen 148 Sterbefälle.

Erheblich mehr Ihlower haben in diesem Jahr im Vergleich zu 2021 die Kirche verlassen. Laut Ulrichs traten 2022 bislang 120 Ihlower aus der Kirche aus (2021: 83), davon acht (2021: zwölf) aus der römisch-katholischen, die restlichen aus der evangelischen Kirche.

80 neue Firmen

Angestiegen ist die Zahl der Gewerbeanmeldungen in diesem Jahr. Das Rathaus in Ihlowerfehn verzeichnete 80 Firmengründungen, 17 mehr als im Vorjahr. Es gab 51 Gewerbeabmeldungen (2021: 73) und 24 Ummeldungen (2021: 21). Außerdem, so Ulrichs, gab es 24 sogenannte temporäre Gaststätten. Das sei ein wesentlicher Anstieg zum vergangenen Jahr. „Das ist ein Zeichen dafür, dass Veranstaltungen wieder möglich werden im Verlauf der Pandemie“, so der Ihlower Bürgermeister.

Das Gewerbegebiet Riepe soll um sechs Hektar erweitert werden. Foto: Romuald Banik
Das Gewerbegebiet Riepe soll um sechs Hektar erweitert werden. Foto: Romuald Banik

Um den neuen Firmen auch genug Platz bieten zu können, soll das Gewerbegebiet in Riepe erweitert werden. Mitte Dezember erst hat der Rat mit einem Satzungsbeschluss dafür die Grundlage geschaffen. Insgesamt ist die zusätzliche Fläche sechs Hektar groß. Davon werden vier Hektar bebaut. Der Rest wird für Straßen, Grünflächen und Regenrückhaltebecken benötigt.

Baugrund kostet erstmals über 100 Euro pro Quadratmeter

Neue Baugebiete will die Gemeinde Ihlow in den Ortsteilen Ostersander, Simonswolde, Westerende und Ochtelbur schaffen. Diese sollen der Eigenentwicklung der Ortsteile dienen, wie es im Regionalen Raumordnungsprogramm des Landkreises vorgesehen ist. Derzeit bemühe sich die Gemeinde, dort Flächen anzukaufen.

In trockenen Tüchern ist hingegen das neue Baugebiet an der Fennenstraße in Riepe. Dort entstehen 42 Baugrundstücke, die nun unter rund 200 Interessenten verteilt werden müssen, wie Ulrich Kubatschek, Leiter der Entwicklungs- und Dienstleistungsgesellschaft Ihlow (Edi), sagt. Es seien trotz der stark gestiegenen Baupreise nur wenige künftige Bauherren abgesprungen. Vor wenigen Tagen seien die 200 Interessenten angeschrieben worden, ob das Interesse an einem Baugrundstück in Riepe noch bestehe. Bis Mitte Januar erwarte die Edi die Antworten, die dann ausgewertet würden.

Mehrfamilienhäuser geplant

Spurlos vorbeigegangen ist die Inflation auch an der Edi nicht. Die Baugrundstücke kosten wegen der teureren Erschließung nun 112 Euro pro Quadratmeter und liegen damit erstmals in Ihlow im dreistelligen Bereich. „Im Vergleich zu Aurich sind wir aber immer noch günstig“, sagt Arno Ulrichs. Ihlow bleibe damit eine attraktive Gemeinde zwischen den beiden Städten Aurich und Emden, die gleichermaßen gut zu erreichen seien.

Nicht mehr nur Einfamilienhäuser sollen gebaut werden. Diese Forderung von Landrat Olaf Meinen wird in Ihlow im neuen Baugebiet an der Plaggefelder Straße umgesetzt. Auf dem Gelände der früheren Gärtnerei Kuhlmann wird es nur ein Einfamilienhaus geben. Stattdessen werden dort Doppel- und Reihenhäuser sowie Mehrfamilienhäuser gebaut. Der Investor plant auch Gebäude für ein betreutes Wohnen mit einem angegliederten ambulanten Pflegedienst.

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