Zwangsprostitution Auricher Zuhälterin zu drei Jahren Haft verurteilt
Eine 38-Jährige zwang eine 16-Jährige, mehrfach mit verschiedenen Männern Sex gegen Geld zu haben. Nun wurde sie verurteilt – aber der Vorsitzende Richter glaubte ihr kein Wort.
Aurich - 30 Wochen lang, zweimal pro Woche, bis zu dreimal am Tag – so oft hat eine 38-jährige Auricherin ein gerade einmal 16 Jahre altes Mädchen zur Prostitution mit verschiedenen Männern gezwungen. Dafür wurde sie vom Landgericht Aurich am Donnerstag zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. In Tränen aufgelöst nahm die 38-Jährige das Urteil entgegen. Bis zuletzt hatte sie ihre Unschuld beteuert.
Für die Staatsanwaltschaft war die Sache in ihrem Plädoyer klar. Das Mädchen kam 2019 aus der Slowakei zu der 38-Jährigen. Sie sollte als Au-pair für sie arbeiten. Aber es kam anders. Immer wieder wurde sie Männern für ungeschützten Geschlechtsverkehr überlassen. Der Vorgang war dabei immer gleich. Sie holten das Mädchen von der Wohnung der Verurteilten ab. Sie fuhren mit ihr zu einem Waldstück, wo sie sich an ihr vergingen. Danach brachten sie sie zurück. Entweder bezahlten die Freier direkt die 38-Jährige oder sie nahm der 16-Jährigen die Bezahlung direkt ab, hieß es im Plädoyer.
Dolmetscherin soll wegen Nichterscheinens Strafe zahlen
Aussage des Opfers nicht ohne Widersprüche
16-Jährige soll zur Prostitution gezwungen worden sein
Angeklagte soll 16-Jährige zur Prostitution gezwungen haben
Ohne Pass im fremden Land
In einer dreistündigen Videoaufnahme von der Vernehmung hatte das Mädchen Polizisten davon teils unter Tränen berichtet. Sie habe Angst gehabt und nur geweint. Einmal sei sie auch von einem Freier schwanger gewesen, habe das Kind jedoch verloren.
Die Angeklagte habe die Situation des Mädchens ausgenutzt, sagte die Staatsanwältin. Kurz nach ihrer Ankunft in Deutschland habe die 38-Jährige ihr den Pass abgenommen. Die 16-Jährige habe kein Handy gehabt und könne kein Wort Deutsch. Als sie sich geweigert habe, sich weiter zu prostituieren, habe die Angeklagte sie rausgeworfen, sagte die Staatsanwältin.
Verstrickt in Widersprüche
Über Umwege kam das Mädchen dann zu einer Frau, die ein ähnliches Schicksal erlitten hatte. Die 16-Jährige vertraute sich ihr an. Der Lebensgefährte der Frau wandte sich dann an die Polizei.
In einem vorherigen Prozess kamen Zweifel an den Aussagen des Mädchens auf. Sie hatte sich in Widersprüche verstrickt. Erst habe sie angegeben, sie habe sich an drei Tagen pro Woche prostituieren müssen, später sei auf einmal die Rede von täglich gewesen, sagte der Verteidiger der 38-Jährigen in seinem Plädoyer. Man könne nicht genau wissen, wie viele Treffen es tatsächlich gegeben habe. Auch zwei Familienhelfern, ausgebildeten Sozialpädagogen, die die Familie der 38-Jährige begleiten, sei nichts aufgefallen. „Sie haben keine Anzeichen von Zwangsprostitution gesehen“, sagte der Verteidiger. Er hatte für seine Mandantin einen Freispruch beantragt.
„Wir müssen der Lügendetektor sein“
In ihrem letzten Wort vor dem Urteilsspruch beteuerte die 38-Jährige wieder ihre Unschuld. „Ich habe nichts getan. Und wenn Sie das nicht glauben, können Sie mich gern an einen Lügendetektor anschließen“, sagte sie. Sie würde die ihr vorgeworfenen Taten niemals jemanden antun. Sie sei ebenfalls vor den Vergewaltigungen ihres ehemaligen Lebensgefährten aus der Slowakei nach Deutschland geflohen. Als der Vorsitzende Richter Björn Raap sich zur Urteilsfindung zurückzog, flossen bei der 38-Jährigen die Tränen.
Zum Schluss half alles Weinen der 38-Jährigen nichts. Trotz aller Widersprüche in den Aussagen des Mädchens glaubte Raap ihr. Denn im Kern hätten ihre Angaben mit denen anderer Zeugen ein schlüssiges Bild ergeben. Zudem könne man die Widersprüche auf die Dolmetscherin zurückführen, die bei der Vernehmung durch die Polizei zugegen gewesen sei.
Raap ist überzeugt, dass die Aussagen der 38-Jährigen zu ihrer Unschuld nicht stimmen. „In diesem Verfahren wurde viel gelogen“, sagte er. „Im deutschen Recht gibt es keinen Lügendetektor. Wir müssen der Lügendetektor sein. Wir müssen alle Steine umdrehen, um die Wahrheit herauszuholen.“ Man habe keinerlei objektive Beweismittel und nur einen der Freier vernehmen können. „Aber wir sind überzeugt, dass es weitere gibt“, sagte Raap. „Das entspricht der Wahrheit.“