Osnabrück  Präsident Selenskyjs Schicksal liegt in der Gunst Washingtons

Thomas Ludwig
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Von Thomas Ludwig
| 22.12.2022 13:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Präsident der Ukraine in Washington Foto: AP
Präsident der Ukraine in Washington Foto: AP
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Ohne die US-Militärhilfe gäbe es die Ukraine wohl schon nicht mehr. Doch auch Wolodymyr Selenskyj hat einen erheblichen Anteil daran. Es gehört zu den größten Fehleinschätzungen Wladimir Putins, den ukrainischen Präsidenten nicht ernst genommen zu haben.

Unmittelbar nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine vor gut zehn Monaten hatten die USA dem ukrainischen Präsidenten noch angeboten, ihn aus der umkämpften Hauptstadt Kiew herauszuholen. Wolodymyr Selenskyj lehnte das damals mit den Worten ab, er brauche „keine Mitfahrgelegenheit, sondern Munition“ - was wiederum Einiges über den Charakter des Mannes aussagt. Munition samt Waffen erhält Kiew seitdem von den USA reichlich; insofern hängt Selenkyjs Zukunft auch an der Gunst Washingtons.

Kein Staatsmann hat in diesem Jahr wohl so sehr im Focus der weltweiten Aufmerksamkeit gestanden wie Wolodymyr Selenskyj. Als Antipode zum eiskalt berechnenden Invasor Wladimir Putin hat er eine ungeheure Welle der Sympathie und Solidarität ausgelöst. Er verkörpert Tugenden, nach denen viele Menschen streben: Mut, Durchhaltevermögen, Empathie und Verlässlichkeit.

Selenskyj hat mit seinen unnachgiebigen Appellen und der Aura des Widerständlers nicht nur die Bürger des eigenen Landes emotional zusammengeschweißt, sondern auch den Westen im Kampf für Demokratie und den Bestand des Völkerrechts vereint. So kommt der Verteidigung der Ukraine durchaus eine historische Bedeutung zu.

Dass die Ukrainer und Ukrainerinnen der russischen Invasion so beherzt und erfolgreich entgegentreten können, liegt zweifellos an der Militärhilfe der Verbündeten. Doch auch der Mann an der Staatsspitze hat daran einen nicht zu unterschätzenden Anteil. Mit seiner Visite in Washington und der charismatischen Rede vor dem Kongress hat Selenskyj einmal mehr klar gemacht: Seht her, ich bin der frei gewählte Präsident eines freien Landes, der sich trotz aller Widrigkeiten frei bewegen kann - und das wird auch so bleiben.

Russlands Präsident Putin hat niemals damit gerechnet, den gelernten Komiker und Schauspieler Selenskyj ernst nehmen zu müssen. Inzwischen ist klar: Es war eine seiner größten Fehleinschätzungen.

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