Katastrophenschutz  Norden bereitet sich auf den Ernstfall vor

| | 20.12.2022 16:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ein Paar sitzt während eines Stromausfalls bei Kerzenschein in einer Wohnung. Was passiert im Fall des Blackouts? Darauf bereitet sich gerade die Stadt Norden vor. Foto: DPA
Ein Paar sitzt während eines Stromausfalls bei Kerzenschein in einer Wohnung. Was passiert im Fall des Blackouts? Darauf bereitet sich gerade die Stadt Norden vor. Foto: DPA
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Die Verwaltung der Stadt Norden ist auf der Suche nach vier verschiedenen Räumen als Wärmeinseln für die Bevölkerung. Das ist nicht die einzige Maßnahme für den Fall eines Blackouts.

Norden - Die Stadt Norden bereitet sich auf den Ernstfall vor. Noch in dieser Woche wird eine Netzersatzanlage fürs Rathaus geliefert. Außerdem ist die Verwaltung aktiv auf der Suche nach Räumen für sogenannte Wärmeinseln, die im Notfall der Bevölkerung als Anlaufpunkt dienen. Was die Verwaltung nicht will, ist Panik zu verbreiten. Was sie aber will: Sie will vorbereitet sein, wenn es wirklich zu einem Energienotfall kommen sollte.

Wie der Erste Stadtrat Marcus Aukskel im Gespräch mit unserer Zeitung sagte, seien die Mitarbeiter noch in dieser Woche auf Tour, um sich einige Räume anzusehen, die als einer der sogenannten „Katastrophenschutz-Leuchttürme“ infrage kommen. Das sind vor allem solche Gebäude, die bereits über ein Notstrom-Aggregat verfügen oder mit Notstrom ausgerüstet werden können.

Vier Stützpunkte in der Stadt geplant

Sobald sich die Verwaltung sicher ist, welche Gebäude in der Stadt als Kat-Leuchttürme ausgewählt werden, sollen diese mit Einspeisepunkten ausgerüstet werden, sagte Aukskel. Nachdem was bisher bekannt ist, soll es vier Standorte geben: in Leybuchtpolder, Ostermarsch sowie zwei im Kernstadtbereich. „Die Empfehlung ist, dass jeder Standort einen Radius von drei bis vier Kilometern abdecken soll“, erklärte Aukskel. Damit soll gewährleistet sein, dass möglichst viele Bürger einen solchen Ort zu Fuß erreichen können. Jeder Kat-Leuchtturm soll rund um die Uhr mindestens 20 Personen gleichzeitig beherbergen können, mit der Option die Kapazitäten zu erweitern. „Wir wollen es im Bedarfsfall lieber größer aufziehen können“, sagte Aukskel. Dafür seien auch Zelte im Gespräch. Vorbild bei den Planungen sind Informationen des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe sowie Empfehlungen der Berliner Feuerwehr. Jeder Standort diene dann als Informationspunkt für Bürger über aktuelle Ereignisse und biete außerdem beheizte Räume und eine Ersthelferversorgung an. „Auch Stromleisten, um das eigene Handy aufzuladen, wird es geben“, sagte Aukskel. Ein Lebensmitteldienst ist derzeit nicht geplant. Das würde die Kapazitäten der Stadt sprengen. Eiben und Aukskel wiesen in dem Zusammenhang auch auf die Empfehlung des Katastrophenschutzes hin, wonach alle Bürger eigene Notfall-Vorräte zu Hause anlegen sollten.

Auch das Norder Rathaus macht sich energietechnisch unabhängig. Ein Einspeisepunkt ist bereits da. Noch Ende der Woche soll die Netzersatzanlage geliefert werden. „Die würden wir gerne auch noch am 23. Dezember testen“, sagte Aukskel. Die Anlage, die am Rathaus stehen wird, funktioniert mit Diesel. Grundsätzlich soll die Anlage aber nicht dauerhaft am Rathaus stehen, sondern nur im Notfall dorthin gebracht werden. Um in diesem Fall mit Diesel versorgt zu sein, gibt es laut Aukskel zum einen eine Tankstelle des Landkreises. Zudem sei die Stadt Norden dabei, Absprachen mit entsprechenden Versorgern zu treffen.

Eiben: 30 Jahre hat sich niemand um Katastrophenschutz gekümmert

Angefangen „in Richtung Katastrophe zu gucken“, hat die Stadt Norden nach Aussagen von Aukskel im vergangenen Jahr. Schon da wurde der Gefahrenabwehrstab aufgestellt. Dieser werde zurzeit weiter ausgebaut, entsprechende Schulungen laufen. Im Moment plane das Rathaus den Blackout vor, also einen längerfristigen totalen Stromausfall. „Das ist etwa das Schlimmste, was einem passieren kann“, sagte Aukskel. Denn dann funktioniert mutmaßlich gar nichts mehr. Dinge, wie das Wasserwerk in Hage für die Trinkwasserversorgung ist auf Strom angewiesen, das Klärwerk muss laufen. Informationsverbreitung über Handys ist ohne Strom nicht möglich.

„Man muss auch sagen, dass sich in den letzten 30 Jahren über Katastrophenschutz in den Kommunen keiner Gedanken gemacht hat“, sagte der Norder Bürgermeister Florian Eiben. Deshalb sei es schon anstrengend gewesen, dass sich die Verwaltung seit etwa einem halben Jahr so intensiv mit dem Thema auseinandersetzen musste. Es habe fast bei null angefangen, zunächst musste ein Krisenstab eingerichtet werden, strategische Überlegungen zur Notversorgung wurden angestellt, Infrastruktur muss geschaffen werden, es müsse über Wärmequellen für die Bevölkerung nachgedacht werden. Schließlich die Fragen, wie man das nach draußen kommuniziert, wie der Ablauf im Fall der Katastrophe ist – all das habe die Verwaltung beschäftigt, so Eiben.

Zurzeit geht die Stadt Norden davon aus, die Stützpunkte zunächst bis März aufrechtzuerhalten – weil da die Gefahr durch überlastete Stromnetze in Deutschland am größten scheint. „Es kann natürlich noch andere Katastrophenfälle geben, mit denen aktuell niemand rechnet“, so Aukskel. Deshalb würden die nun geplanten Abläufe und Geräte im Anschluss nicht in die Schublade gelegt, sondern als Teil des Katastrophenschutzes der Stadt dauerhaft in der Hinterhand beibehalten.

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