Erneuerbare Energien Auricher Siebe gegen Solaranlagen-Goldgräber
Es lohnt sich, große Solar-Freiflächenanlagen zu bauen. Dadurch könnte ein Wildwuchs entstehen. Dem stellt sich die Stadt Aurich entgegen.
Aurich - Eine Goldgräberstimmung hat Rolf Runge (BUND Aurich) bei der Planung von Freiflächen-Photovoltaikanlagen ausgemacht. Städte und Gemeinden würden mit Anträgen überschwemmt, er befürchtet einen Wildwuchs. Dazu soll es in der Stadt Aurich nicht kommen, betont Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß im ON-Gespräch. „Wir haben das Sieb für die Goldgräber“, greift sie das Wortspiel des Naturschützers auf.
Dieses Sieb besteht in Aurich vor allem aus dem niedersächsischen Klimagesetz sowie dem Landesraumordnungsprogramm und dem Regionalen Raumordnungsprogramm des Landkreises Aurich. Deren Vorgaben werden wie ein Filter über das Stadtgebiet gelegt, um die Bereiche in den Ortsteilen herauszufiltern, in denen Solaranlagen nicht stehen dürfen oder nicht stehen sollen. Auf diese Weise, so Busch-Maaß, seien bislang noch rund neun Prozent des Stadtgebietes übrig geblieben.
Landwirtschaftliche Flächen fallen raus
Viel zu viel, wenn man sich die Anforderungen des Klimaschutzgesetzes anschaut. Demnach müssen nur 0,47 Prozent der Fläche ausgewiesen werden für PV-Anlagen, erläutert Marisa Tammen. Sie bildet zusammen mit Patrick Mentzel den neuen Fachbereich Klimaschutz in der Auricher Stadtverwaltung. Es müsse daher geschaut werden, wo die Gegebenheiten im Stadtgebiet gut seien, um solche Anlagen aufzubauen.
So würden zum Beispiel große Äcker rausfallen. Denn deren Versorgungsfunktion dürfe nicht durch Solaranlagen beeinträchtigt werden. So genannte Agri-PV-Anlagen, ergänzt Alexandra Busch-Maaß, seien an der Küste sowieso wenig wirtschaftlich. Dabei handele es sich um Ständer-Bauwerke, hoch genug, damit Traktoren samt Maschinen darunter fahren können. „Und die Geräte brauchen Platz zum Wenden.“ Daher herrsche heute der Grundsatz, keine landwirtschaftlichen Flächen für Photovoltaikanlagen zu beanspruchen.
Stadtrat muss Grenzen festlegen
Es gibt aber laut Marisa Tammen auch Punkte, die für Standorte sprechen. Ganz wesentlich ist zum Beispiel die Einspeisung des Solarstroms ins Netz. Wenn es bereits wegen einer Windkraftanlage einen Netzeinspeisepunkt gebe, könne das ein großer Vorteil sein. Zusammen mit den Vorgaben der beiden Raumordnungsprogramme sei das Stadtgebiet nun gefiltert worden. Übrig geblieben seien noch neun Prozent des Stadtgebietes. „Jetzt ist die Politik gefragt“, sagt Busch-Maaß. Der Stadtrat müsse nun schnell überlegen, wie viel Abstand Solar-Anlagen zu Wäldern oder zur Wohnbebauung einhalten müssen. Die Verwaltung schlägt 300 Meter vor.
Der Auricher Stadtrat müsse auch eine Grundgröße für diese Anlagen festlegen. „Wir wollen nicht überall Anlagen in Handtuchgröße.“ Daher schlägt die Verwaltung ein Mindestmaß von drei Hektar vor. Wenn diese Festlegungen erfolgt sind, werden sie als weiterer Filter für das Stadtgebiet fungieren. Hinzu kommen noch Dinge, an die man bei Solaranlagen nicht sofort denkt. Dazu gehören Zäune. Denn aus Sicherheitsgründen müssen die Freiflächen-Photovoltaikanlagen eingezäunt werden. Wegen eventueller Wildwechsel ist das aber nicht an jedem Standort möglich.
Ganz am Ende der Arbeit wird es eine Karte geben mit „weißen Flecken“, auf denen Freiflächen-PV-Anlagen errichtet werden könnten. Der Konjunktiv ist an dieser Stelle wichtig, denn es bedeutet nicht, dass am Ende auch alle weißen Flecken mit Solaranlagen bebaut werden. „Denn es müssen immer noch Bauanträge für jede einzelne Anlage gestellt und bewilligt werden“, sagt Busch-Maaß. Das bedeute, dass die Politik dann immer noch das letzte Wort bei Standorten habe.
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