Landkreis Aurich Pflegeheime sind auf den Notstand vorbereitet
Noch hat die Erkältungswelle die Pflegeheime im Kreis Aurich nicht erfasst. Dennoch bereiten sich die Leiter auf den Ernstfall vor.
Aurich/Moordorf - Die Erkältungswelle rollt über Ostfriesland hinweg. Allein im Kreis Aurich wurden Anfang Dezember haben sich 10 Prozent der bei der AOK versicherten Beschäftigten eine Erstkrankschreibung geholt. Bei Pflegeheimen im Kreisgebiet ist davon bisher aber noch nicht viel zu spüren, wie die Einrichtungsleitungen auf Nachfrage mitteilten. Sie bereiten sich dennoch auf den Ernstfall vor.
Dass Mitarbeiter an Erkältungen erkranken, ist auch in den Pflegeheimen der Standard. Das bleibt gerade ab Herbst nicht aus. Damit einhergehen auch Personalausfälle. Wer einen Schnupfen hat, bleibt zu Hause. Zu groß ist sonst die Gefahr, die Bewohner anzustecken – die einen Infekt womöglich weniger gut wegstecken. Das Problem: Pflegekräfte können nicht einfach ins Homeoffice gehen.
Vorteil für Großkonzern
Noch hält sich der Ausfall aber in Grenzen, sagt die Einrichtungsleiterin der Seniorenresidenz Moordorf, Carina Wiese. Man könne den Dienstplan noch gut abdecken. Selbst wenn noch mehr ausfallen: Wiese sieht ihre Einrichtung gut darauf vorbereitet. Als Teil eines Großkonzerns könne man darauf bauen, dass im Notfall Mitarbeiter aus anderen Einrichtungen aushelfen könnten. Die Seniorenresidenz Moordorf gehört zur Peter-Janssen-Gruppe, die insgesamt 13 Einrichtungen im Nordwesten Niedersachsens unterhält. Man könne auch auf Leasing-Firmen zurückgreifen.
Eine weitere Option ist, dass Teilzeitkräfte vermehrt in die Pflicht genommen werden. Bei Vollzeitkräften wolle man zusätzliche Stunden, so gut es geht, vermeiden, sagte die Leiterin des Hermann-Bontjer-Hauses in Aurich, Carola Fischer. Man dürfe nicht vergessen, dass auch das Personal wegen der Krankenstände eine schwierige Zeit vor sich habe. „Wir müssen gucken, dass wir die Bewohner versorgen“, sagte Fischer. Das habe oberste Priorität.
„Wir packen mit an“
Im Alloheim Senioren-Residenz „Knoops Huus“ müssen im Notfall alle die Ärmel etwas höher krempeln. „Wir haben Glück, dass das gesamte Leitungsteam aus der Pflege kommt“, sagte Einrichtungsleiter Torsten Zufall. „Wir packen mit an.“ So wolle man auch verhindern, dass sich der Stress für die übrigen Mitarbeiter immer weiter erhöhe.
Im Alltag vieler Menschen ist die Corona-Pandemie kaum noch zu spüren. In fast allen Bereichen ist die Maskenpflicht aufgehoben, keine Beschränkungen und Kontaktregeln mehr. In Pflegeheimen ist das anders. FFP2-Masken, Testpflicht für Besucher sind hier der Standard. Das Coronavirus soll sich nicht verteilen, weder auf die Mitarbeiter noch auf die Bewohner. Jedes der befragten Heime war mindestens einmal von einem Ausbruch betroffen. Man sei aber noch glimpflich davongekommen, sind sich die Einrichtungsleiter einig.
Ein normales Weihnachten?
Die aktuelle Situation ist weder für das Personal noch für die Bewohner einfach. „Die Pandemie ist ja noch nicht weg“, sagte Wiese. In den Einrichtungen müssen Besucher nach wie vor bestimmte Regeln einhalten. Masken- und Testpflicht, teilweise vorherige Anmeldung. Von der Mehrheit werde das aber gut mitgetragen, so die Einrichtungsleiter. Man habe sich inzwischen an die Einschränkungen gewöhnt.
Vor zwei Jahren sah das noch ganz anders aus. In manchen Einrichtungen war nur ein Besucher pro Bewohner erlaubt. Die Familien konnten ihre Angehörigen für das Fest zu sich nach Hause holen. Jedoch mussten sie bei ihrer Rückkehr ins Heim mehrere Schnelltests machen.
In diesem Jahr wird es wieder etwas lockerer – auch wenn die Vorsicht nicht fallengelassen wird. Tests sind nach wie vor möglich, in Moordorf dürfen aber mehrere Personen gleichzeitig einen Bewohner besuchen. Jedoch sollen verschiedene Haushalte nicht gleichzeitig aufeinandertreffen, sagte Wiese. Im Knoops Huus sollen sich die Angehörigen vorher anmelden, damit man die Besuche organisieren könne, sagte Zufall. Genauso sieht es auch im Hermann-Bontjer-Haus aus. „Die Bewohner sollen es so schön wie möglich haben“, sagte Fischer.