Juniorinnen-Bundesliga  Mit Gelassenheit bis an die Spitze

| | 16.12.2022 19:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Seit elf Jahren trainiert Stefan Wilts bei der SpVg Aurich erfolgreich Mädchen- und Frauenmannschaften. Foto: Wilfried Gronewold
Seit elf Jahren trainiert Stefan Wilts bei der SpVg Aurich erfolgreich Mädchen- und Frauenmannschaften. Foto: Wilfried Gronewold
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Der Zufall führte Stefan Wilts vor elf Jahren zum Frauenfußball bei der SpVg Aurich. Nun führt er mit den B-Mädchen die Bundesligatabelle an. Nebenbei rettete er noch ein Team vor dem Abstieg.

Aurich - Wenn es eine Wahl zum Trainer des Jahres in Aurich und Umgebung geben würde, hätte Stefan Wilts von der Sportvereinigung Aurich sicherlich große Chancen, ganz vorne zu landen. Der 41-Jährige formte aus den B-Juniorinnen eine Spitzenmannschaft, die in dieser Saison nach den Sternen greift und um die Deutsche Meisterschaft spielt. Und ganz nebenbei hat Wilts mit seinem Team die erste Herrenmannschaft als Interimstrainer vor dem Abstieg in die Kreisliga bewahrt.

Einige würden bestimmt über das Gelände des Ellernfeld schweben, wenn sie in seiner Haut stecken würden. Doch Stefan Wilts ist bescheiden. „Es ist immer eine Teamleistung, ich freue mich innerlich über die Erfolge“, sagt er. Für seine Sportvereinigung Aurich gibt Wilts alles. So muss er auch nicht lange überlegen, als er gefragt wurde, die Herrenmannschaft im Frühjahr zu retten. In den fünf Spielen verliert die Mannschaft mit Wilts an der Seitenlinie kein Spiel mehr und bleibt in der Bezirksliga. Für den Etat der SpVg-Mädchen wäre ein Abstieg der Männer vielleicht sogar förderlich gewesen. Wilts muss es wissen, er ist schließlich auch Geschäftsführer des Auricher Fußballvereins. „Man hängt auch an dem Verein. Daher bin ich sofort eingesprungen. Und wenn ich etwas mache , dann mit voller Überzeugung“, sagt Wilts.

„Es hätte auch eine Jungen- oder Männermannschaft sein können“

Seit elf Jahren trainiert der gebürtige Südbrookmerlander Mädchen- und Frauenmannschaften. Das war anfangs keine Passion, sondern eher ein Zufall. Der Verein benötigte einen Co-Trainer für die SpVg-Frauenmannschaft, Wilts sagte zu und war wenige Monate später dann selbst verantwortlich für die Mannschaft. „Es hätte genauso gut auch eine Jungen- oder Männermannschaft sein können“, sagt Wilts. Nach seinem Ausflug in den Frauenfußball übernimmt er die E-Juniorinnen der SpVg. Die kleinen Mädchen hatten über eine Schul-AG den Weg zum Fußball und zur Sportvereinigung gefunden. Mit ihnen schafft Wilts etwas, was niemand für möglich gehalten hätte.

Er betreut die Mannschaft, zu der unter anderem die heutige SpVg-Spielerin Mareike Assing gehört, bis zur B-Jugend. Dort schaffen die Mädchen den Aufstieg in die Bundesliga. Einige Jahre später ist Wilts nach dem Trainer von Werder Bremen der dienstälteste Trainer der Juniorinnen-Bundesliga. In dieser Zeit hat sich Wilts nach eigenen Angaben stetig weiterentwickelt.

Spielerinnen wollen eine kleine Chance nutzen

Bei Fortbildungen lernt er die richtige Tonart für Feedback-Gespräche, die für die Bundesliga nötigen Trainingsinhalte und er entwickelt eine gewisse Spielphilosophie. „Anfangs habe ich natürlich auch Fehler gemacht, daraus habe ich gelernt. Man wird mit der Zeit routinierter“, sagt Wilts.

Während der Spiele steht Wilts meistens mit verschränkten Armen, fast schon stoisch, an der Seitenlinie. Selten greift er lautstark in das Spielgeschehen ein. Mit den Teenagern pflegt er ein gutes Verhältnis. Sie folgen ihm und lassen sich ohne Probleme leiten. „Fast alle sind von großen Vereinen verschmäht worden. Hier in Aurich tun sie alles dafür, ihre Chance zu nutzen. Sozusagen auf dem zweiten Bildungsweg“, sagt Wilts.

Anfragen anderer Vereine lehnt er ab

Weit führt es sie im Anschluss an ihre Zeit in Aurich häufig nicht. Nur ein bis zwei Prozent der Spielerinnen der Juniorinnen-Bundesliga würden es auch im Frauenbereich in die höchste Spielklasse schaffen. Oft muss Scouting-Chef Torben Cordes auf die unentdeckten Spieler zurückgreifen, sie wie eine Nadel im Heuhaufen suchen. „Das macht er sehr gut, er filtert die richtigen Spielerinnen heraus“, lobt Wilts. An die Nationalspielerinnen kommen die Auricherinnen nicht heran. Da gebe es dann auch Hinweise der Nationaltrainer an die Spielerinnen, es doch bitteschön bei großen Vereinen zu versuchen.

In dieser Saison hat Wilts mit seinem Team eine richtig gute Mannschaft zusammengestellt. Nur eine Sache fällt Wilts in seinem Trainerleben immer noch schwer. „Es tut mir leid und weh, wenn ich Spielerinnen auf die Bank setzen muss.“

Zwölf Stunden am Tag ist Stefan Wilts in Sachen Fußball für die Sportvereinigung Aurich unterwegs. Dabei läuft die Bundesliga-Mannschaft im Grunde nebenher. Als Geschäftsführer muss er sich um viele andere Dinge kümmern. Gerade ist er sehr damit beschäftigt, den bald stattfindenden Aurich-Cup zu organisieren. „Es gibt immer viel zu tun, doch es bleibt auch Zeit für Privates“, sagt Wilts. Aufhören als Trainer kommt für ihn noch nicht infrage. „Es nutzt sich einfach nicht ab. Jedes Jahr müssen wir wieder eine neue Mannschaft zusammenstellen“, sagt Wilts. Und eine andere Mannschaft? „Es gibt schon mal Anfragen, aber ich lehne alles ab. Ich fühle mich in Aurich einfach wohl“, sagt Wilts.

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