München/Berlin Fehlende Fachkräfte: Gewalt gegenüber Kindern in Kitas nimmt zu
Egal ob körperlich oder seelisch, die Gewalt gegenüber Kindern in Kitas hat zugenommen. Das hat eine Abfrage der Kita-Aufsichtsbehörden in Bayern ergeben. Doch der Freistaat ist nicht das einzige Bundesland, in dem es dieses Problem gibt. Schuld soll der Personalmangel sein.
Die Kita – ein Platz zum Spielen, Lernen und Spaß haben. So zumindest wäre es wünschenswert, richtig und wichtig für die Kinder. Doch während Eltern ihre Kinder guten Gewissens morgens in die Betreuung geben, um zur Arbeit zu fahren, nimmt die Gewalt in Kindertagesstätten zu.
Das zumindest hat eine Recherche des Bayrischen Rundfunks ergeben, der von 59 Kita-Aufsichtsbehörden im Freistaat Zahlen bekam. Demnach sind im laufenden Jahr bis Dezember 232 Verdachtsfälle von körperlicher oder seelischer Gewalt in Einrichtungen gemeldet worden. Im Vorjahr waren es 129.
Besonders gegen die Aufsichtspflicht wird immer häufiger verstoßen. Hier haben sich die Zahlen mehr als verdoppelt. Während es 2021 noch 24 Verdachtsfälle gab, waren es 2022 schon 57. Auch die gemeldeten seelischen Gewalttaten haben sich verdoppelt – von 16 auf 32. Bei der körperlichen Gewalt stieg die Fallzahl von 43 auf 59. Nur elf der befragten Kita-Ausfsichtsbehörden erhielten 2022 keine Meldungen, ein Jahr zuvor waren es noch 21.
Was jedoch alle Behörden bestätigen, ist der Personalmangel in den Kitas, für die sie zuständig sind. Darin sieht ein Großteil auch einen Risikofaktor für Fehlverhalten seitens der Erzieherinnen und Erzieher – und ist mit dieser Einschätzung nicht allein.
Auch Lisa Pfeiffer vom Fachverband Kita-Fachkräfte Bayern e.V. schätzt den Mangel als Personal als eine Ursache für den Anstieg der Verdachtsfälle ein, vor allem in Sachen Aufsichtspflichtverletzungen, wie sie dem Bayrischen Rundfunk sagte: „Wir erleben es tagtäglich in der Praxis. Das liegt auch an der ständigen Überlastung der Kollegen und an immer mehr Krankmeldungen, die wiederum mehr Stress für das übrige Personal zur Folge haben – und dann kann es zu mehr Grenzverletzungen kommen.“
Andererseits warnt sie auch davor, um jeden Preis Personal in die Einrichtungen zu holen: „Wir brauchen gutes und gut ausgebildetes Personal, das auch mit Stress-Situationen umgehen kann.“ Denn zu den Ursache von Grenzverletzungen gehöre nicht nur Überforderung, sondern unter anderem auch mangelndes Wissen.
So viele Kindergarten- und Krippenkinder kommen auf eine Betreuungskraft (Stand August 2021):
Die bekannten Fälle scheinen zudem nur die Spitze des Eisbergs zu sein, berichtet der öffentlich-rechtliche Sender. Denn haben zehn der Behörden angegeben, dass sie zwar Meldungen hätten, diese aber nicht zählen würden. Die Dunkelziffer der Verdachtsfälle von Gewalttaten in Kitas dürfte also noch durchaus höher sein.
Dass es zu wenige Erzieherinnen und Erzieher gibt, ist aber nicht nur ein bayrisches Problem. Es herrscht bundesweit. „An allen Ecken und Enden herrscht Personalmangel, der kompensiert werden muss“, sagte Markus Hanisch, Geschäftsführer der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Berlin (GEW), der Deutschen Presseagentur. Vielerorts seien die Bedingungen nicht mehr haltbar.