Hamburg  Im Test: Eine App, die Ordnung ins Lego-Chaos bringt

Eva Dorothée Rasch
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Von Eva Dorothée Rasch
| 13.12.2022 16:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Klötzchen scannen und Bauideen erhalten: Das ist das Prinzip der App Brickit. Foto: Eva Dorothée Schmid
Klötzchen scannen und Bauideen erhalten: Das ist das Prinzip der App Brickit. Foto: Eva Dorothée Schmid
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Welches Elternteil kennt es nicht: In Kisten befinden sich hunderte Lego-Steine, keiner findet mehr etwas und vieles liegt ungenutzt herum. Die App Brickit sortiert das Klötzchen-Chaos. Unsere Autorin hat sie mit ihrem Sohn getestet.

Gefühlt ist die Menge an Lego, die im Kinderzimmer meines zehnjährigen Sohnes in Kisten und Schubladen herumliegt, riesig. Inzwischen weiß ich, in seinem Besitz sind genau 33 Lego-Sets mit 9805 Steinen.

Um das herauszufinden, musste ich nicht mühsam zählen. Das hat mir die App Brickit verraten, die wir zusammen getestet haben. Aber das kleine Programm auf dem Smartphone kann noch viel mehr.

Die Brickit-App basiert auf einem Scanner, der Lego-Steine erkennt. Die Idee: Man breitet seine Lego-Steine aus, der Scanner identifiziert sie und die App spuckt dann Ideen aus, was man mit den vorhandenen Steinen alles bauen kann.

Zu jeder Idee gibt es eine detaillierte Anleitung, wie sie Lego-Sets beigelegt ist. Wenn man Ideen nachgebaut hat, kann man das Ergebnis hochladen und mit anderen Brickit-Nutzern teilen und Herzchen sammeln. Dinge, die man selbst gebaut hat, können zudem als Idee bei Brickit eingereicht werden und finden sich dann vielleicht in den Bauvorschlägen wieder.

Die App ist ein Fan-Projekt des russischen Entwicklers Leonid Aleksandrov, der sie zusammen mit seinem Team entwickelt hat. Sie hat keine offizielle Lego-Lizenz. Angeboten wird sie für sowohl für iOS-Geräte als auch für Android. Sie ist kostenlos, es gibt aber auch eine kostenpflichtige Pro-Version.

Wir haben nicht alle unsere Klemmbausteine auf dem Esstisch ausgebreitet, viele davon sind verbaut. Stattdessen haben wir die Kiste mit Steinen ausgekippt, die darauf warteten, nach Farben sortiert zu werden.

Wie in der Anleitung in der App gefordert, breiteten wir die Lego-Steine flach aus und legten große Teile zur Seite, damit sie keine kleineren Teile verdecken. Dann das Handy mittig darüber gehalten und in Sekundenschnelle hat die App 263 Steine erkannt und 133 Bau-Ideen geliefert.

Diese sind in zwölf Kategorien unterteilt, es gibt beispielsweise Vorschläge für Tiere, Gebäude, Fahrzeuge und Figuren.

Zunächst baute der Sohn einen Weihnachtsbaum. Die Anleitung dafür zeigt die benötigten Steine und gleichzeitig ist im Scan durch einen roten Rahmen markiert, wo in unserem Legohaufen sich die Steine befinden. „Damit findet man sie viel schneller“, sagt der Zehnjährige.

Die 19 benötigten Steine sind zwar vorhanden und waren schnell gefunden, allerdings nicht alle in Grün. Die App unterscheidet nur nach Formen, nicht nach Farben, das wird uns schnell klar. Und so sieht der Baum recht bunt aus, was meinen Sohn aber nicht weiter störte.

Als Nächstes wollten wir ein Sofa bauen. Dabei stellten wir fest, dass die Software die Steine nicht immer ganz richtig erkennt. Meinem Sohn fiel auf, dass der im Scan markierte Stein flacher ist als der benötigte. Das ist aber die Ausnahme, die meisten Steine erkennt die künstliche Intelligenz richtig.

Nachdem wir als drittes eine Torte gebaut haben, schauen wir, was die App noch so bietet. Wir stoßen darauf, dass sie auch unzählige Lego-Sets katalogisiert hat, geordnet nach den verschiedenen Themen wie Lego City, Star Wars oder Friends.

Wer einmal ein kostenloses Konto erstellt, kann die Sets aus dem Katalog zu seiner Sammlung hinzufügen. Es ist auch möglich, über die Setnummer nach einem Set zu suchen. Mein Sohn schleppte die Kiste mit den Lego-Anleitungen herbei und gab nach und nach alle Nummern seiner Sets ein. Die App hat alle gefunden und zeigt am Ende sämtliche Steine an, die wir haben.

Während der normale Scanner von Brickit die 80 üblichsten Lego-Steine erkennen kann, sind es beim Scanner Pro 1.600 verschiedene Formen, darunter auch solche, die besonders selten sind.

Die Pro-Version der App kann man sieben Tage lang gratis testen, dann kostet sie 7,49 Euro monatlich, 46,99 jährlich oder 119,99 Euro lebenslang.

Wir haben nur die kostenlose Version der App getestet und diese kann ich allen Eltern, die legospielende Kinder haben, empfehlen. Sie regt die Kreativität an und sorgt so für einen sinnvollen Zeitvertreib.

Besonders genial ist die Funktion, dass man mit der App seine Sammlung katalogisieren kann und eine Übersicht über seine Steine erhält. Das ist zum einen praktisch, wenn Anleitungen verloren gegangen sind. Noch besser ist allerdings, dass man in der Brickit-App sieht, zu welchen anderen Sets man die vorhandenen Steine umbauen kann. Mit einer Einschränkung: Die App unterscheidet nur nach Steinformen, nicht nach Farben.

Zudem kann man Lego-Sets, die es gibt oder mal gab, mitsamt der zugehörigen Anleitungen durchstöbern und sogar danach sortieren, für welches man genug Steine hat. Es muss also nicht immer ein neues Lego-Set sein, mit der App kann das Kind – vorausgesetzt es sind schon viele Steine vorhanden – auch Sets nachbauen, die nicht in seinem Besitz sind.

Praktischerweise werden bei jedem Set angezeigt, welche Teile einem dafür noch fehlen. Diese kann man gegebenenfalls bei Lego direkt oder auf anderen Seiten nachbestellen.

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