Krankenstand bei Lehrern  Homeschooling und Unterrichtsausfall an Auricher Schulen

Franziska Otto
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Von Franziska Otto
| 10.12.2022 14:11 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein Fieberthermometer und Medikamente liegen auf einem Nachttisch. Foto: DPA
Ein Fieberthermometer und Medikamente liegen auf einem Nachttisch. Foto: DPA
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An Schulen im Landkreis Aurich ist der Krankenstand bei den Lehrkräften so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Vertretungen sind kaum noch zu organisieren.

Aurich - Die Erkältungswelle rollt über Ostfriesland, Kinderarztpraxen sind voll, auch die Stationen im Krankenhaus sind am Limit. Indirekt davon betroffen sind auch die Schulen im Landkreis Aurich. Der Krankenstand unter dem Personal ist so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Auch der Unterricht musste bereits ausfallen.

In der Auricher Realschule fehlen aktuell etwa 15 Prozent der Lehrkräfte, teilt Schulleiterin Kathrin Peters auf Nachfrage mit. Unterricht musste bereits ausfallen, teilweise komplette Schultage. „Das geht gar nicht anders. Das können wir nicht auffangen“, sagte Peters. Öfter habe man die Schüler aber ins Homeschooling schicken können. Manche erkrankten Lehrkräfte hätten noch Aufgaben für ihre Schüler vorbereiten können. Das könne man aber keinesfalls erwarten – schließlich lägen manche auch mit 40 Grad Fieber im Bett, sagte Peters.

Kathrin Peters, Leiterin der Realschule Aurich. Foto: Romuald Banik
Kathrin Peters, Leiterin der Realschule Aurich. Foto: Romuald Banik

Betreuungsprobleme bei den Eltern

Vor allem bei den Jahrgangsstufen fünf und sechs versuche man, eine Vertretung zu organisieren, sagte Peters. Schließlich würden berufstätige Eltern sonst Probleme mit der Betreuung bekommen. Bei den Älteren sei es dadurch eher der Fall, dass der Unterricht ausfalle. Man versuche, es ein bis zwei Tage vorher zu vermitteln, damit die Eltern, sollte es notwendig sein, eine Betreuung organisieren können.

In der Realschule begann der hohe Krankenstand etwa mit dem Ende der Herbstferien. Seit anderthalb Monaten fehlen dort also Lehrkräfte. „Es geht ja allen so“, sagte Peters. In der Integrierten Gesamtschule (IGS) Ihlow spitzt sich die Situation seit etwa zwei bis drei Wochen zu, sagte Schulleiter Günther Tautz. Etwa 20 Prozent der Lehrkräfte fehlten, „es ist herausfordernd“, sagte er. Jedoch könne man aktuell noch gut Vertretungen organisieren. Einen kompletten Jahrgang habe man allerdings dafür ins Homeschooling versetzen müssen. Das habe ältere Schüler betroffen, somit habe es keine Betreuungsprobleme gegeben, sagte Tautz. Zudem habe es sich nicht um Abschlussschüler gehandelt. Bei ihnen wolle man den Unterricht so gut wie möglich aufrechterhalten.

Rüdiger Musolf, Schulleiter des Gymnasiums Ulricianum in Aurich. Foto: Heino Hermanns
Rüdiger Musolf, Schulleiter des Gymnasiums Ulricianum in Aurich. Foto: Heino Hermanns

Lehrermangel verschärft Situation

„Es sieht schlecht aus“, sagte auch der Schulleiter des Auricher Gymnasiums Ulricianum, Rüdiger Musolf. Nicht nur Lehrkräfte, auch viele Schüler und Mitarbeiter fehlten aktuell wegen Krankheit. In der vergangenen Woche habe eine halbe fünfte Klasse gefehlt. „Bei manchen hat es richtig reingehauen“, sagte er. Andere Klassen seien fast vollzählig. Vor allem Infekte gingen derzeit um.

Derzeit könne man noch gut Vertretungen organisieren. „Die Vertretungsplanerinnen leisten derzeit Schwerstarbeit“, sagte Musolf. Dennoch falle ab und zu Unterricht aus. „Es geht gar nicht anders.“ Von Erkältungswellen seien die Schulen ja jedes Jahr betroffen. Aber die jetzige Situation sei deutlich härter. Erst vor Kurzem habe ein Seminarleiter, der angehende Lehrkräfte prüft, zu ihm gesagt, dass er so etwas noch nicht erlebt habe, sagte Musolf.

Günther Tautz, Leiter der Integrierten Gesamtschule Ihlow Foto: Romuald Banik
Günther Tautz, Leiter der Integrierten Gesamtschule Ihlow Foto: Romuald Banik

Dass in den Schulen nun der Unterricht wegen des Krankenstandes ausfällt, ist auch eine Folge des allgemeinen Lehrermangels, sind sich die Schulleiter einig. „Eigentlich braucht man eine starke Personalreserve – die es aber nicht gibt“, sagte Musolf. Peters sieht das ähnlich. Der Lehrermangel sei sowieso schon schwierig für die Schulen und nun fehle auch noch das eigentlich vorhandene Personal, sagte sie. Die IGS Ihlow ist aktuell laut Tautz noch nicht akut vom Lehrermangel betroffen. „Aber das ist nur eine Momentaufnahme“, sagte er. Im Februar gingen manche Kollegen in den Ruhestand. Dann könne sich die Situation schnell ändern.

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