Förderverein der UEK Norden  Große Zweifel an Kurzzeitklinik-Projekt

| | 08.12.2022 13:22 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Die Zukunft für den Klinikstandort Norden ist weiter ungewiss. Foto: Aiko Recke
Die Zukunft für den Klinikstandort Norden ist weiter ungewiss. Foto: Aiko Recke
Artikel teilen:

Der Förderverein der UEK Norden erfuhr aus der Zeitung vom geplanten Modellvorhaben „Statamed“. Jetzt hat sich der Verein dazu geäußert – und zur Kommunikation mit der bisherigen Klinik-Chefetage.

Norden - Große Zweifel hat der Förderverein der Ubbo-Emmius-Klinik (UEK) Norden am geplanten Modellprojekt „Statamed“ für den Standort. Das sagte Helmut Hagemeister vom Förderverein im Gespräch mit unserer Zeitung. Am Dienstag hatte sich der Förderverein zu einem Runden Tisch getroffen und unter anderem über „Statamed“ ausgetauscht.

Wie berichtet ist das Norder Krankenhaus Teil des Vorhabens der AOK, das der Bund mit zwölf Millionen Euro fördert. Dabei soll der Standort in eine ambulant-stationäre Versorgung umgewandelt werden, also eine Kurzzeitklinik, vorwiegend für ältere Patienten mit akuten Infekten oder chronischen Erkrankungen wie Diabetes oder Herzschwäche. Noch weiß in Norden aber niemand, wie das Projekt in der Praxis umgesetzt werden soll und was das für den Klinik-Standort insgesamt bedeutet. Grundsätzlich werde der Modellversuch Teil einer neuen Gesamtstrategie für die Norder Klinik sein, sagte Interims-Geschäftsführer Andreas Epple. Dieser werde der neue Geschäftsführer Dirk Balster ab Januar erarbeiten.

Ähnliche Artikel

Förderverein erfuhr aus Zeitung von Modellprojekt

Bezeichnend für das Verhältnis von UEK und dem Norder Förderverein: Letzterer erfuhr aus unserer Zeitung von dem Modellprojekt. Es habe etliche Runden mit den ehemaligen Klinikchefs Claus Eppmann und Dr. Astrid Gesang gegeben, und bei keiner einzigen sei das Thema „Statamed“ angesprochen worden, sagte Hagemeister. Bei diesen Runden habe es vonseiten der UEK geheißen, man habe für den Zeitraum bis zur Zentralklinik noch gute Ideen, wo Schwerpunkte verändert und aufgebaut werden sollten. So sei eine Aufwertung der Palliativstation im Gespräch gewesen, auch mit der Schmerztherapie habe die UEK noch etwas vorgehabt, erinnerte sich Hagemeister. „Das klang alles so, als gäbe es noch Pläne, sowohl wirtschaftlich als auch versorgungsmäßig, den Zeitraum bis 2028 gut abzusichern.“ Was genau der Plan war, sei aber nie gesagt worden, so Hagemeister. „Wenn ich sowas wie Statamed auf die Reise bringe – also entweder glaube ich da selber nicht dran, dann brauche ich das der Öffentlichkeit auch nicht mitzuteilen. Oder ich sage, in die Richtung wollen wir laufen, dann hätte man das längst mal kommunizieren können“, sagte Hagemeister. Diese Art der schlechten Kommunikation kenne der Förderverein aber bereits. Für die Vereinsmitglieder sieht es laut Hagemeister so aus: „Man greift irgendwie nach einem Strohhalm, aber einen Plan, wie es wirklich weitergehen geht, können wir darin nicht erkennen.“

Ob das Projekt für Norden eine Lösung sein kann, stellt der Förderverein mindestens in Zweifel, sagte Hagemeister, der damit auch die Meinung des Vorstands unter Leitung von Dr. Axel Schönian wiedergibt. Die Idee hinter dem Projekt ist auch aus Sicht des Fördervereins gut. Der Bedarf sei sicher auch da, vor allem für die anvisierte Patientengruppe. Betroffen und quasi für „Statamed“ gemacht sind aus Sicht des Fördervereins vor allem Patienten, die nicht so mobil sind, die eigentlich keine schweren Fälle sind, für eine komplizierte Behandlung also gar nicht infrage kommen und wirtschaftlich etwas uninteressantere Patienten“ sind, formulierte Hagemeister. Es sei vom Ansatz her gut, diese Patienten auch künftig wohnortnah zu betreuen.

UEK-Förderverein sieht Probleme beim Netzwerk

Das Problem, das der Förderverein sieht: „Das steht und fällt ja auch mit einem Netzwerk“, sagte Hagemeister. Da sei zum Beispiel der geplante Gesundheitslotse, der Pflegekräfte hat, die er delegieren kann und dann noch eine kleine Klinik dahinter, wo ein paar Betten stehen. Eine ständige Kommunikation von Hausärzten, Rettungssanitätern, Statamed-Personal wäre nötig. Das setzt eine ganze Menge Personal und Infrastruktur voraus. „Das können wir uns nicht vorstellen, dass das hier in Norden funktioniert. Das muss man erstmal aufbauen“, sagte Hagemeister. Als „Eintagsfliege“ sei das Projekt aber eigentlich keine Lösung für das, was in Norden gebraucht werde.

Dr. Schönian, der als Hausarzt schon jetzt eine Art „Gesundheitslotse“ ist, beschrieb es so: „Ich habe schon jetzt das Problem, dass ich immer ins Leere fasse. Wenn ich bestimmte Patienten gut unterbringen will, und wenn es nur ein Facharzt ist, ist der erstmal nicht da. Oder das Krankenhaus kann sie nicht abnehmen. Da muss ich mir was überlegen, wo steuere ich die Patienten eigentlich hin?“ Ohne, dass die Knoten des Netzwerkes adäquat besetzt sind, sei „Statamed“ zwar eine gute Idee, aber nicht umsetzbar, so die Meinung von Schönian. Das sei Tenor der meisten Redebeiträge im Förderverein gewesen. „Der Konsens war: So, wie das angedacht ist, ist das in Norden nicht realistisch“, sagte Hagemeister.

Förderverein: Reihenfolge ist falsch

Mit „Statamed“ sei ein Projekt auf die Reise gebracht worden, ohne dass die UEK eigentlich wisse, wo sie hin will. Denn noch immer ist die Nachnutzung des Norder Krankenhauses die entscheidende offene Frage. „Man will auf jeden Fall die Zentralklinik, was aus Norden wird, weiß aber niemand“, so Hagemeister. Für den Förderverein ist das nicht die richtige Herangehensweise. Erst müsse klar sein, wohin man wolle und dann müssten die dafür notwendigen Projekte auf den Weg gebracht werden.

Grundsätzlich sei „Statamed“, wenn es gut unterfüttert wäre, auch aus Sicht des Fördervereins ein interessantes Projekt. Das sei aber im Moment nicht gegeben. „Es ist mit Sicherheit kein Ersatz für das, was jetzt gerade in Norden alles abgebaut wird“, sagte Hagemeister. Alle setzten nur darauf, dass an „Tag X der große neue Hoffnungsträger“ komme, der dann ein Konzept für die Klinik vorlege, so Hagemeister. Gemeint ist der langjährige Geschäftsführer des Klinikums Chemnitz, Dirk Balster, der ab dem 1. Januar 2023 neuer Chef der Trägergesellschaft Kliniken Aurich-Emden-Norden wird. Der Förderverein nannte diese Herangehensweise „unbefriedigend und bisher nur ein Silberstreif am Horizont“.

Förderverein will mit neuem Klinikchef ins Gespräch kommen

Der Förderverein will versuchen mit Balster ins Gespräch zu kommen. An den neuen Mann habe man klare Erwartungen: „Die offenen Konzepte für Norden muss er wirklich in absehbarer Zeit auf den Tisch legen“, sagte Hagemeister. Der Förderverein hat sich vorgenommen, am Ball zu bleiben und darauf Einfluss zu nehmen, was in der neuen Geschäftsführung passiert. „Sofern wir das als Außenstehende überhaupt können. Auch mit Eppmann und Gesang haben wir versucht, uns auszutauschen. Nur leider haben wir da nicht viel erreicht“, sagte Hagemeister selbstkritisch.

Er selbst habe, was die Zukunft der Norder Klinik angeht, gar keinen hohen Anspruch: Ein vernünftiges Leistungsangebot, das weiter wohnortnah verfügbar ist, mit vielem von dem, was heute die UEK abdeckt. „Wenn man das hinkriegt, wäre schon viel gewonnen“, sagte Hagemeister. Denn eins sei in Ostfriesland schon immer so gewesen: Wenn man ganz schwierige und komplizierte Behandlungen hat, ist man nach Oldenburg oder nach Hannover gegangen. Daran werde sich auch nicht viel ändern. Die meisten im Förderverein haben diese Erwartung zumindest nicht.